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Findeltiere

Aufziehen und auswildern

Florian Brandes
Ulmer Verlag Stuttgart, 2009, 160 Seiten, 78 Farbfotos, 10 Zeichnungen, kartoniert, Euro 19,90.

Vor Findeltieren sei gewarnt! Mißverstandene Tierliebe verleitet allzu oft zur unberechtigten Aufnahme scheinbar verwaister, hilfloser Jungtiere, die dann aufgrund von Pflegefehlern ein qualvolles Ende finden, oder wegen unsachgemäßer Auswilderung schnell zur Bereicherung des Speisezettels einer Katze werden. Genügend schlechte "Ratgeber" zu diesem Thema vermitteln eine Scheinsicherheit und die irrige Annahme, die Aufzucht eines Wildtieres sei ein dankbares und einfaches Kinderspiel. Sie verführen so geradezu zu tierschädigendem Fehlverhalten.

Das Gegenteil ist hier der Fall. Aus der Kompetenz des Tierarztes heraus mahnt der Autor ohne übertriebenes pädagogisches Pathos immer wieder die gebotene Umsicht vor der Aufnahme eines Wildtieres an, schildert plausibel, weshalb die Handaufzucht nie hundertprozentig gelingen wird und er verschweigt auch nicht, dass dieses Risiko des Misslingens auch noch mit hohem Arbeitsaufwand verbunden ist. Wer sich den dennoch aufbürden will, der findet in diesem Buch jedoch umfassenden Rat und Hilfe.

Ein allgemeiner Teil befasst sich, getrennt nach Säugetieren und Vögeln, mit biologischen Grundlagen, Krankheiten und Auswilderung, aber auch mit den rechtlichen Rahmenbedingungen (wo findet sich so etwas sonst?) der Wildtieraufnahme. Der spezielle Teil widmet sich den konkreten Ansprüchen einzelner Tierarten (insgesamt 26). Bei den Säugern reicht die Palette dabei von den Hundeartigen über Hundsrobben und Schweine bis zu Igel und Fledermaus, bei den Vögel vom Lappentaucher über Enten- und Greifvögel bis zu den Rabenvögeln. (Beide Aufzählungen sind nicht vollständig) Dass die häufig aufgenommenen Meisen keine Erwähnung finden, darf hier als Mangel erwähnt werden.

Hilfreich ist auch die Angabe von Bezugsquellen für Futtermittel im Serviceteil, der auch übersichtlich die Adressen regional zuständiger Vogelwarten und Auffangstationen nennt. Auch wenn "Findeltiere" solides theoretisches Rüstzeug zur Handaufzucht von Wildtieren liefert, sei hier eindringlich auf deren Kompetenz verwiesen. Aus eigener Erfahrung weiß der Rezensent, dass es allemal angenehmer ist, in diesem ansprechend bebilderten und flüssig geschriebenen Buch zu blättern, als sich selbst die Verantwortung für nicht domestizierte Jungtiere aufzubürden. 


Harald Wölfel-Schramm


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