Buchbesprechungen Naturführer FLORA
Alpenpflanzen.
Ulmer Verlag Stuttgart, 2004, 447 Seiten, 815 Farbfotos, € 19,90
Beim Anblick von farbenprächtigen Blumenwiesen mit Trollblumen
oder ausgedehnten Fluren mit Alpenrosen, von zarten Soldanellen
am Rand der Schneefelder oder widerstandsfähigen Polstern im
Fels aus Hauswurz oder Steinbrecharten bleibt niemand unberührt.Pflanzen im Hochgebirge sind besonderen und harten Standortbedingungen ausgesetzt. Auf die durch Kälte und Schneebedeckung bedingte kurze Vegetationsperiode reagieren sie mit Zwergwuchs und sofortiger Blütenbildung nach der Schneeschmelze. Extrem schwankende Tag - Nachttemperaturen und die sehr starke Sonneneinstrahlung in großer Höhe behindern die normale Reservestoffbildung und die Ausbildung von Überdauerungsorganen. Beide Faktoren führen stattdessen zur Zuckerakkumulation in Blättern und Blüten, was die enorme Farbigkeit und Attraktivität der Alpenpflanzen erklärt. Alpenpflanzen haben aber auch Mechanismen entwickelt um stetigen Hangbewegungen oder gar der Schuttbedeckung durch Lawinen zu trotzen. Im Lauf der Jahrhunderte prägte zusätzlich die Bewirtschaftung durch den Menschen die einzigartige Landschaft der Alpen. Viehtritt und Beweidung förderten meist die Hangfestigkeit und den Bewuchs der Steilhänge. Der Massentourismus, Planierwalzen oder die unnatürlich lange Schneebedeckung durch Schneekanonen verändern und zerstören dagegen in zunehmendem Maße die Vegetationsdecke.
Die sehr gute Einleitung des Ulmer Naturführers beschreibt kurz und prägnant die wichtigsten Umweltfaktoren und die damit im Zusammenhang stehenden Pflanzengemeinschaften in den Alpen.
Das Buch enthält 1200 Pflanzenportraits aus der großen Pflanzenvielfalt vom Alpenvorland bis zur Vegetationsgrenze. Sie sind nach systematischen Kriterien geordnet. Entsprechend der Ausdehnung des Alpenraumes über viele Länder sind die Pflanzennamen auf Deutsch, Französisch, Italienisch und Slowenisch angegeben. Zu jeder Pflanze gibt es ein prägnantes Foto und Angaben zu Wuchsform, Merkmalen, Standort und Vegetationstyp, Verbreitung, Schutz- und Gefährdungskategorie sowie Besonderheiten.
Ein sehr guter, umfassender und kompakter Alpenpflanzenführer, der Laien und Fachleuten gleichermaßen sehr gute Dienste erweisen wird.
Stefanie Goldscheider
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