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Unkraut

Ökologie und Bekämpfung

Peter Zwerger, Hans Ulrich Ammon
Ulmer Verlag, Stuttgart, 2002, 419 Seiten, 162 sw-Grafiken, 105 Tabellen, € 29,90;

Das neue Lehrbuch eines 14-köpfigen Expertenteams beschäftigt sich umfassend und aktuell mit unerwünschtem Pflanzenbewuchs auf verschieden genutzten Flächen. Das Thema ist für Landwirtschaft und Umweltschutz in gleicher Weise bedeutsam. Ökonomisch und ökologisch betrachtet entstehen durch Unkrautdruck und dessen Beseitigung mit Herbiziden weltweit immer größere Aufwendungen und Kosten, da Arbeitskräfte zur mechanischen Beseitigung immer weiter eingespart werden. In Deutschland entfallen 44 % aller Pflanzenschutzmittel allein auf Herbizide, mit teilweise unbefriedigender Wirkung. Nachhaltige Konzepte zur Unkrautregulierung erfordern dagegen tiefere Kenntnis von biologischen und populationsdynamischen Vorgängen.
Die Definition von Unkraut bezieht sich auf eine Beeinträchtigung der Flächennutzung in Äckern, Naturflächen oder z.B auch Gleisanlagen. Den graduellen Schadwirkungen stehen aber auch verschiedene Nutzwirkungen der Wildkräuter gegenüber. Sie haben Bedeutung als genetische Ressourcen für die Pflanzenzüchtung, zur Arterhaltung und Förderung von Nützlingen und der ganzen Fauna, als Ressourcenschutz im Sinne einer Verminderung von Bodenerosion und Auswaschung von Nährstoffen und zur Gesunderhaltung des Bodenlebens. Die Verbreitung der Unkrautgesellschaften auf den verschiedenen Standorten und die zugrundeliegenden biologischen und ökologischen Faktoren wie Wuchsweise, Lebensformen und -dauer, Vermehrungs- und Verbreitungswege, Standortansprüche und Populationsdynamik werden ausführlich behandelt. Die Interaktionen mit den Kulturpflanzen, also die Konkurrenz um die Wachstumsfaktoren aber auch biochemische Vorgänge sollten in der landwirtschaftlichen Praxis bekannt sein um Aussagen über Schadensschwellen und den richtigen Bekämpfungszeitpunkt treffen zu können.
Der weitaus größte Teil des wissenschaftlich und anschaulich, mit Tabellen und Grafiken aufbereiteten Buches beschäftigt sich mit den Maßnahmen zur Unkrautbekämpfung. Erläutert werden zunächst indirekte Maßnahmen zur Unkrautvermeidung und die Möglichkeiten und Grenzen biologischer Verfahren. Die chemischen Verfahren und die Herbizide, also ihre Formulierung, Selektivität, erwünschte und unerwünschte Wirkungsweise und die Eigenschaften der zahlreichen Wirkstoffe aber auch die Bildung von Resistenzen sind Themen, die ausführlich behandelt werden. Integrierte Verfahren mit ihrem anspruchsvollen Management des Pflanzenbestandes unter Einbeziehung von geeigneten Kultur- und Pflegemaßnahmen, genauen Beobachtungen, Schadensschwellenkonzepten und gezielten minimierten Applikationen ergeben sich aus den wissenschaftlichen Erkenntnissen.
Der letzte Teil des Lehrbuches behandelt die spezifischen Probleme in den einzelnen Kulturen. Man erhält konkrete Angaben zu den jeweiligen Unkrautarten, Schadensschwellen, Maßnahmen und Herbiziden. Die Vegetationskontrolle wird für die wichtigsten Ackerkulturen ebenso wie für Wiesen und Weiden, Gemüsebau, Sonderkulturen, Obst, Wein und Hopfen, Forst sowie Nicht-Kulturland beschrieben. Ein Literaturverzeichnis und eine umfassende Unkrautliste runden den hohen Praxisnutzen des Buches ab.

Das Lehrbuch ist für Studierende von Agrar- und Umweltwissenschaften, Gartenbau und Biologie, für Berater in Pflanzenschutz, Natur- und Umweltschutz und für versierte Landwirte eine wertvolle Quelle von fundierten und komplexen Informationen.


Stefanie Goldscheider


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