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Jahrbuch Ökologie

Die Klima-Manipulateure
Rettet uns Politik oder Geo-Engineering?

Altner, Günter (Hrsg.) / Leitschuh, Heike (Hrsg.) / Michelsen, Gerd (Hrsg.)/ Simonis, Udo E. (Hrsg.)/ Weizsäcker, Ernst Ulrich von (Hrsg.)
S. Hirzel Verlag, Stuttgart 2010, 248 Seiten, kartoniert, 13 Tabellen und Abbildungen, 5 SW-Fotos, 19,80 €

„Geo-Engineering“ etabliert sich in den letzten Jahren gerade im mitteleuropäischen Raum zu einer Kampfbezeichnung für die Gegenbewegung zu einer restriktiven, die Schadensursachen vermeidenden Umweltpolitik. Ihm ist ein Schwerpunkt des inzwischen im Hirzel Verlag erscheinenden „Jahrbuchs-Ökologie“ gewidmet. Der Untertitel ist unglücklich gewählt, assoziiert er doch Geo-Engenieering mit dem Begriff der Manipulation. Wertfrei betrachtet ist diese Bezeichnung durchaus korrekt: Geo-Engineering befasst sich mit der Frage, wie Umweltbelastungen durch direkt intervenierende Eingriffe abgemildert werden können. Wer aber betrachtet den Ausdruck „Manipulation“ wertfrei, gerade wenn es um ein so emotional und ideologisch aufgeheiztes Thema wie den Klimawandel geht?
Auf den ersten Blick entsteht so der Eindruck einer pauschalisierenden Kampfschrift. Auch wenn die sechs einschlägigen Texte dem Geo-Engineering überwiegend ablehnend gegenüber stehen, undifferenziert gehen sie das Thema nicht an. Die hochkarätigen Autoren (u.a. der Nobelpreisträger Crutzen) führen in die Thematik ein, ohne zu denunzieren und ohne den Anspruch auf allein seligmachende Wahrheit. Dass sogar vereinzelt Verweise auf gegensätzliche Positionen in anderen Artikeln gemacht werden, macht diesen Abschnitt zum Gegenteil dessen, was der Titel suggerieren könnte. Hier findet in auch für Laien gut verständlicher Sprache eine redliche Wissenschaftsdiskussion statt.
Was können die Leserinnen und Leser erfahren? Sie werden eingeführt in die Bedeutung der „Kippelemente“ (einem Begriff aus der Mathematik komplexer Systeme) für das Weltklima, in die Grundlagen des ethischen Diskutierens in naturwissenschaftlichen Zusammenhängen und in die diversen Methoden des Geo-Engineerings wie Sulfatinjektion in die Stratosphäre, Eisendüngung der Ozeane, Kohlendioxidabscheidung oder Solar Radiation Management. Das ist wahrhaft nicht wenig, und so kann auch nur von einer Hinführung zu den Themen gesprochen werden, die Literaturangaben bieten dann die Möglichkeit zur Vertiefung. Wer über Geo-Engineering diskutieren möchte, sollte diese gerade mal 70 Seiten gelesen haben, allein schon für sie lohnt sich die Anschaffung des Buches.
Auf den stark naturwissenschaftlich orientierten Abschnitt I folgen der politisch analysierende Abschnitt „Klimapolitik – Chefsache ohne Schub“ und der sich auf Rechtsfragen, gesellschaftliche Probleme und Einzelprojekte konzentrierende Abschnitt „Perspektiven & Innovation“, die all jene zum informativen Schmökern einladen, die sich für das große Thema Umwelt interessieren. Abschließend werden „Vor-Denker und Vor-Reiter“, Umweltinstitutionen und Ökologische Trends vorgestellt.

Keiner der insgesamt 32(!) Artikel ist länger als 12 Seiten, für Kurzsteckenfahrten in der Bahn ist das Buch also der ideale Reisebegleiter.

Harald Wölfel-Schramm

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