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Vandana Shiva: Biopiraterie: Kolonialismus des 21. Jahrhunderts.


Unrast Verlag, Münster, 2002, 156 Seiten, € 14.-

Die Trägerin des alternativen Nobelpreises Dr. Vandana Shiva aus Indien ist Direktorin der Research Foundation for Science, Technology and Ecology und eine der herausragenden Denkerinnen unsere Zeit zu ökologischen Themen, Nachhaltigkeit und Frauenrechten. Ihr weltweit viel beachtetes Buch "Biopiracy - the Plunder of Nature and Knowledge" liegt fünf Jahre nach der Originalveröffentlichung erstmals in einer deutschen Übersetzung vor.
Die Wissenschaftstheoretikerin analysiert koloniale wie neoliberale Begrifflichkeiten rund um so genannte Rohstoffe, so genannten Freihandel und so genannte Eigentumsrechte. Sie geht dabei auf Beispiele von zerstörerischem und lebensverachtendem Missbrauch ein und zeigt die Arroganz der westlichen Denkweise gegenüber nicht westlichen Menschen und Kulturen. Ihre Ansatzpunkte sind die Kulturpflanze und das Haustier; diese wurden von den Menschen über Jahrtausende gezüchtet und standen bisher allen Menschen zur Nutzung frei zur Verfügung. Heute werden Pflanzen und Tiere nach kleinen künstliche Veränderungen mit den Methoden der Gentechnologie nicht mehr als Lebewesen sondern als Produktionsmittel gesehen. Sie sind dann zur Nutzung nicht mehr frei verfügbar, sondern werden zu geistigem Eigentum. Die sozialen, ethischen, ökonomischen und kulturellen Konsequenzen daraus werden klar belegt. Jenseits von Weltanschauung und Glaubensfragen beweist Vandana Shiva auch auf molekularbiologischer Grundlage, daß die Ansatzweise der Gentechnik meist stümperhaft und die Misserfolge vorhersehbar sind.
Shiva handelt in der Tradition Gandhis, der sich in seinem gewaltfreien Kampf ungerechten Kolonialgesetzen widersetzte und für Selbstbestimmung, Wahrheit und die selbstständige Reorganisation eintrat. Sie kritisiert die Globalisierung nach GATT (WTO) und US-amerikanisches Patentrecht, das nicht zum Wohl der Menschheit sondern nur zur Monopolisierung des Handels, zur Vernichtung von Biodiversität und zur Konzentration von Arbeit und Kapital führe.
Man mag Vandana Shiva eine radikale Ökofeministin nennen. Ihre Sicht der Dinge ist aufrüttelnd, erschreckend und mit vielfältigen Konsequenzen beladen. Natur- und Geisteswissenschaftler, Ökonomen, und Politiker sollten dieses Buch unbedingt lesen.

Stefanie Goldscheider

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