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Waldböden

Ein Bildatlas der wichtigsten Bodentypen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz

Hrsg. von E. Leitgeb, R. Reiter, M. Englisch, P. Lüscher, P. Schad, K.H. Feger
WILEY-VCH 2012 387 Seiten; ca. 200 Fotos; reichlich Tabellen und Graphiken, Softcover; 24 x 17 cm; 59,00 €

Wer sich von diesem Buch eine leicht lesbare und buntbebilderte Einführung für Laien erwartet, sieht sich enttäuscht. Die 14 hochkarätigen Autoren aus Österreich, Deutschland und der Schweiz legen vielmehr ein profundes und schematisch strikt strukturiertes Werk vor, das primär für den akademischen Gebrauch bestimmt ist. Auch dem Titel „Bildatlas“ wird das Buch trotz der reichlichen und aussagekräftigen Fotos nicht gerecht, das erläuternde Material nimmt weit größeren Raum ein als die Bilder. Bei etwas weniger Bescheidenheit wäre der Titel „Handbuch“ angemessen gewesen.

 

Dem Informationsgehalt des Buches tut dies gut, zumal es „nebenbei“ noch eine Zusatzaufgabe erfüllt: Die in den beschriebenen Ländern verwendeten Systematiken weichen z.T. nicht unerheblich voneinander ab, hier finden sie sich jeweils gegenübergestellt (das kostet Text). So bietet dieses Buch eine einmalige „Übersetzungshilfe“ der divergierenden Nomenklatur. Wem solch eine Problematik bekannt ist, weiß diese Leistung zu schätzen.

 

Nach einem der Methodik gewidmeten Kapitel werden 14 Bodentypen mit 67 Subtypen gleichermaßen (der Subtyp jeweils auf 4 Seiten) vorgestellt, im Bild mit umgebendem Standort, Auflagehumus- und Mineralbodenhorizont; tabellarisch durch chemische Zusammensetzung, Nährstoffvorräte und Korngröße; graphisch durch Tiefenverläufe ausgewählter Bodenparameter. Der Text verweist auf Baumwachstum und Waldbehandlung und kommentiert das vorgestellte Datenmaterial. So immens die Datenfülle auch ist, wird doch keine Vollständigkeit beansprucht. Repräsentativ für die untersuchte Region dürfte sie aber allemal sein, Schlüsse auf nicht behandelte Sonderformen lassen sich aufgrund der Systematik ableiten. Ein knappes Glossar ist für nicht ganz unvorbelastete Einsteiger hilfreich, das Literaturverzeichnis ist auf aktuellem Stand.

 

An wen richtet sich ein solches Werk? Für akademisch Lehrende speziell aus Forst- und Agrarwissenschaft sollte es als Handbuch zur Standardausrüstung gehören. Allein die Fülle des Datenmaterials und dessen anschauliche Darstellung sprechen dafür, auch sei noch einmal an die „Übersetzungsfunktion“ erinnert. Geologen, Geographen und selbst Archäologen bietet es eine profunde Beschreibung weitgehend unberührter Böden. Außerhalb der akademischen Welt können auch Praktiker in der Forstwirtschaft davon profitieren, zumal der Textteil immer wieder Hinweise zur sinnvollen Nutzung des jeweiligen Bodentyps liefert. Und der interessierte Laie? Nun, gänzlich unbeleckt von chemischen und bodenphysiologischen Kenntnissen sollte er nicht sein, wenn er zu diesem Buch greift. Dann aber macht dieser Griff Sinn: In unseren Breiten ist der Waldboden der von Kulturmaßnahmen am wenigsten gestörte Boden. Wenn überhaupt, so lassen sich an ihm die natürlichen Strukturen und Prozesse der Bodenbildung beobachten. Hierzu liefert das Buch hinreichend Material.



Dr. Harald Wölfel-Schramm



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