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Das Tägermoos

Ein deutsches Stück Schweiz

Tobias Engelsing
Südverlag GmbH Konstanz, Juli 2016. Gebundene Ausgabe, 191 Seiten, zahlreiche Abbildungen. € 19,90


Das Buch wurde anlässlich einer Sonderausstellung im Rosgartenmuseum Konstanz herausgegeben. Das Tägermoos ist ein etwa 150 Hektar großes, knapp über dem Seewasserspiegel gelegenes, flaches und ursprünglich feuchtes Gelände auf Schweizer Gebiet westlich der Altstadt von Konstanz unmittelbar hinter der Grenze, über welches die Stadt Konstanz schon seit Jahrhunderten und über alle Krisenzeiten hinweg eingeschränkte Hoheitsrechte besitzt. Es wurde seit dem Mittelalter und bis in die Gegenwart von Gemüsebauern aus dem Konstanzer Stadtteil Paradies als Gemüsebauland bewirtschaftet, wofür es wegen des feinkörnigen Schwemmland-Bodens bestens geeignet ist. Die Rechtsform mit Nutzung über die Grenze hinweg ist ein staatsrechtliches Kuriosum. Der Rechtswissenschaftler und promovierte Historiker Dr. Tobias Engelsing, Leiter der Konstanzer Museen, beschreibt ausführlich und genau und dabei in gut lesbarer Form die komplizierte politische und staatsrechtliche Entwicklung dieses Gebiets seit Anfang des 15. Jahrhunderts bis in die Gegenwart, wobei er auch einige historische, teilweise kaum bekannte Dokumente und Abbildungen präsentiert. Dazu sind wie bei einer wissenschaftlichen Arbeit Anmerkungen und Literaturhinweise angegeben. Von der jüngeren Epoche seit etwa dem Jahr 1900 werden die Paradieser Bauersfamilien, die die Äcker besaßen und bewirtschafteten, und ihre Anwesen, Arbeitsmethoden und Geräte genauer beschrieben; auch manche persönliche Episoden werden erzählt. Dazu zeigt das Buch zahlreiche zauberhafte alte Fotos - meist in Schwarz/ Weiß - dieser inzwischen vergangenen Kultur und ihrer Bewohner. Die älteren Konstanzer werden sich noch an diese alten Häuser und Landschaften und das Erscheinungsbild der Gemüsebauern und Zöllner, die die Bauern mit ihren kleinen Fuhrwerken über die Grenze passieren ließen, und das gemütliche Gasthaus am Grenzübergang erinnern. Besonders interessant ist hierbei, wie diese Bewirtschaftung sogar über die beiden Weltkriege und die Zeit völliger Grenzschließung nach dem 2. Weltkrieg hinweg aufrecht erhalten wurde, zum Segen für die Konstanzer Bevölkerung. Das Buch schildert aber auch, wie das Gemüsebauland und die Bauernhäuser im Paradies in jüngster Zeit durch eine gewaltige, heftig umstrittene Fernstraße, die die Konstanzer nicht verhindern konnten, und neue Wohnbebauung weitgehend verschwunden sind.
Ein sehr schönes und interessantes Buch, welches jedem zu empfehlen ist, der Konstanz und die westliche Bodenseegegend mag und sich für seine Geschichte interessiert.



Michael Goldscheider


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