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Pfefferersatz - wichtige Scharfmacher im Mittelalter

von Stefanie Goldscheider

Wo der Pfeffer wächst

Vor der Entdeckung des Seeweges nach Indien und der Ansiedlung von Kolonien in Südostasien, war Pfeffer in Europa unerschwinglich teuer. Hinzu kam, daß die Herkunft und die Stammpflanze nicht genau bekannt waren, da über die arabischen Handelswege nur das getrocknete Produkt, die Pfefferkörner, angeboten wurden. Zu römischer Zeit schätzte man auch andere echte Pfefferpflanzen wie den Langpfeffer. Für die richtige Würze der Speisen und zur Anregung von Körper und Geist war Pfeffer aber so sehr gesucht, daß er nicht selten betrügerisch verfälscht wurde. Auch ein beabsichtigter Ersatz mit bekanntermaßen anderen scharf schmeckenden Gewürzen wie dem Mönchspfeffer war weit verbreitet. So kam es, daß verschiedene aromatisch-scharfe Pflanzenarten aus dem europäisch-afrikanischen Raum zum Einsatz kamen.

Mönchspfeffer oder Keuschlamm (Vitex agnus-castus)

Mönchspfeffer (Vitex agnus-castus) ist ein im Mittelmeerraum weit verbreiteter, auffälliger, bis 5 m hoher Strauch aus der Familie der Eisenkrautgewächse (Verbenaceae). Er hat hand- bzw. fingerförmig gefiederten Blätter und große violette Blütenrispen die kleine grauschwarze Samenkörner ausbilden. Mönchspfeffer wurde früher auch bei uns als Pfefferersatz genutzt und ist heute noch in Nordafrika gebräuchlich. Der Geschmack ist eher mild und leicht bitter. Die Samen enthalten Flavonoide, ätherische Öle, Bitterstoffe und Iridoide, die das Hormonsystem beeinflussen. Früher wurde Mönchspfeffer zur Dämpfung des Sexualtriebs bzw. zum Erhalt der Keuschheit eingenommen. Man verwendet Zubereitungen aus Mönchspfeffer heute erfolgreich bei hormonellen Störungen der Frau und beim prämenstruellen Syndrom.

 

Andere Pflanzen mit hormonartiger Wirkung:

Soja
Rotklee
Traubensilberkerze

Meleguetapfeffer, Guineapfeffer oder Paradieskörner (Aframomum melegueta)

Paradieskörner sind die aromatischen scharfen Samen der Waldpflanze Aframomum aus den feuchtheißen Regionen Westafrikas. Am Golf von Guinea in den heutigen Ländern Liberia, Elfenbeinküste, Togo, Nigeria und Kamerun haben Paradieskörner eine lange Tradition auch als Heilmittel. Die Pflanze ist botanisch mit Ingwer und Kardamom verwandt, gehört also zur Familie der Zingiberaceae. Der Meleguetapfeffer ist eine mehrjährige Staude und bildet dichte Rhizome wie der Ingwer. An den ca. 1 bis 2 m hohen schilfähnlichen Triebe entstehen große Rosa Blüten. Die kleinen Samen, die früher auch bei uns als Ersatz oder zur Verfälschung von Pfeffer verwendet wurden, schmecken aromatisch scharf. In West- und Nordafrika sind die Samen noch heute ein wichtiges Gewürz und Hauptbestandteil verschiedener Gewürzmischungen. Man verwendet sie außerdem in Bier, Wein und anderen Alkoholika. Die Wirk- und Geschmacksstoffe sind ätherische Öle, die antimikrobiell und fungizid wirken und die Verdauung anregen.

Verwandter der Paradieskörner: Ingwer, Kardamom

Weiter lesen: Pfefferähnliche Gewürze

Die Kurzporträts verschiedener verwandter und nicht verwandter Arten des Pfeffers im Einzelnen:
Afrikanischer Pfeffer, Anispfeffer, Bengalischer Pfeffer, Betelpfeffer, Brasilianischer Pfeffer, Cayennepfeffer, Grüner Pfeffer, Guineapfeffer, Jamaikapfeffer, Kubebenpfeffer, Langpfeffer, Meleguetapfeffer, Mönchspfeffer, Mohrenpfeffer, Nelkenpfeffer, Paradieskörner, Piment, Rauschpfeffer, Rosa Pfeffer, Roter Pfeffer, Sichuan- oder Szechuanpfeffer, Schwarzer Pfeffer, Tasmanischer Pfeffer, Wasserpfeffer, Weißer Pfeffer, Zitronenpfeffer

Buchtipps:
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