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Açai

Euterpe oleracea und E. precatoria, Arecaceae (Palmengewächse)

Acai - Euterpe oleracea Vorkommen und Beschreibung

Açai beziehungsweise die Açai-Palme ist im Amazonasbecken heimisch. Das portugiesische Wort wird Assai ausgesprochen. Zwei verschiedene Arten werden kommerziell wegen ihrer purpurfarbenen Beeren, den Açai-Früchten beerntet: Euterpe oleracea und Euterpe precatoria.

Euterpe oleracea, genannt "Açai de Pará" wächst - vor allem im brasilianischen Bundestaat Pará. Die Palme kommt überall im Tiefland, also im ausgedehnten Mündungs- und Überschwemmungsgebiet des Amazonas, sehr häufig vor. Açai-Palmen bilden Luftwurzeln aus und können so auch überflutet weiterwachsen. E. oleracea ist eine vielstämmige Palmenart mit durchschnittlich 20 Stämmen. Die einzelnen Stämme werden 3 bis 20 Meter hoch und nur 7 bis 18 cm dick.

E. precatoria bildet nur einen Stamm aus. Ihre Blätter sind 3,5 bis 4,5 Meter lang. Die Palme gedeiht auf höher gelegenen, nicht überschwemmten Flächen, an Hängen und auf Plateaus des gesamten Amazonas-Gebietes.

Wie bei Kokospalmen auch bilden sich bei Açai-Palmen zusammen mit den großen Blättern beziehungsweise Palmwedeln auch Blütenstände, an denen dann rund ums Jahr Früchte wachsen. Ein Fruchtstand bildet hunderte von Beeren aus (Bilder links) und sieht dem Fruchtstand einer Dattelpalme ähnlich.

An jeder Palme werden pro Jahr 2 bis 8 Fruchtstände reif, die 4 bis 6 kg Früchte tragen. Zur Ernte müssen Menschen auf die dünnen, schwankenden Palme klettern und den Fruchtstand abschneiden! Die Açai-Beeren sind saftig und dunkel violett, wenn sie reif sind. Sie werden im Durchmesser 1 bis 1,8 Zentimeter groß und enthalten einen Stein.

Insgesamt umfasst die Gattung Euterpe ungefähr 30 Arten. Sie haben in den Amazonas-Ländern, allen voran in Brasilien aber auch in Bolivien, Kolumbien, Peru, Ecuador, Venezuela, Surinam und Guayana ihr natürliches Verbreitungsgebiet.

Zur Gewinnung der Açai-Beeren werden die Palmen mittlerweile großflächig unter Bewässerung angebaut.

Verwendung:

Alle Teile der Açai-Palmen werden von den Einwohnern des Amazonas-Gebietes genutzt, Wurzeln und Blättern werden medizinisch verwendet. Inzwischen sind wissenschaftliche Beweise für die Wirksamkeit beispielsweise gegen Malaria und gegen Entzündungen erbracht worden. Açai-Palmen werden aber vor allem zur Gewinnung von Palmherzen einerseits und Açai-Früchten andererseits wild oder aus Kultur geerntet.

Palmsprosse oder sogenannte Palmherzen, auch "Palmito" genannt, sind die verbreiteteste Verwendung der Açai-Palme. Die weißen und als Delikatesse geschätzten Palmherzen werden allerdings von vielen verschiedenen Palmenarten erzeugt, auch von verschiedenen Açai-Arten. Dabei wird die einige Meter hohe Palme mit der Machete abgeschlagen, in handliche Stücke zerteilt und dann geschält. Das Innere wird zu den bei uns meist nur als Konserve erhältlichen weißen, geschmacklich und in der Konsistenz sehr guten Palmherzen verarbeitet. Bei der Açai Palme Euterpe oleracea ist das ökologisch weniger bedenklich als bei anderen Palmenarten, weil sie viele Stämme nebeneinander ausbildet und junge Stämme nachwachsen.

Das Ernteprodukt mit rasant wachsender Bedeutung in Brasilien und auf dem Weltmarkt sind aber Açai-Beeren. Die dunkel violett gefärbten Früchte werden frisch zu Fruchtmus und Fruchtextrakt oder gefriergetrocknet zu Pulver sowie zu Getränken verarbeitet.

Inhaltsstoffe:
Açai-Beeren sind nicht süß sondern sehr reich an Mineralstoffen und Spurenelementen. Sie haben einen erdig-metallischen Geschmack. Der kommt von einem hohen Gehalt an Kalzium, Eisen, Magnesium und Zink sowie Mangan und Kupfer. Mangan und Kupfer sind in hohen Dosierungen giftig, so dass Açai zur Nahrungsergänzung und nicht im Übermaß als Grundnahrungsmittel eingenommen werden sollte. Die Beeren sind ölig mit einem hohen Gehalt an ungesättigten Fettsäuren, vor allem Olsäure und Linolsäure. Der Kaloriengehalt der Verarbeitungsprodukte hängt im Wesentlichen mit dem hohen Ölgehalt zusammen. Açai ist reich an Ballaststoffen und arm an Kohlenhydraten. In erster Linie ist Açai eine exzellente Quelle für sekundäre Pflanzenstoffe. 90 Substanzen mit potentiell pharmazeutischer Bedeutung wurden identifiziert darunter Flavonoide wie Quercetin, und Orientin, Catechine, Resveratrol, Lignane und Anthocyane, sowie ungesättigte Fettsäuren, Quinone, Phytosterole darunter ß-Sitosterol.



Açai - Antioxidantien und Zellschutz

Die Hauptwirkung der Açai-Beeren ist antioxidativ. Dadurch ist sie hilfreich gegen hohe Cholesterinwerte, Bluthochdruck und Diabetes. Durch den sehr hohen Gehalt an Anthocyanen, der vergleichbar ist mit dem in Aroniabeeren, sind aber nicht alle Wirkungen von Açai zu erklären. Als "Superfoods" oder "Functional Food" bezeichnete Lebensmittel zeichnen sich durch einen hohen Gehalt an gesundheitsfördernden Substanzen aus. Häufig handelt es sich um Produkte, die Herz- und Kreislauf schützen, Tumorwachstum Krebs oder Alzheimer-Demenz bekämpfen helfen, die also nicht nur Vitamin- und mineralstoffreich sind, sondern auch medizinisch relevante Wirkstoffe enthalten, oft in hoher Konzentration. Beispiele dafür sind Chia-Saat mit Omega-3-Fettsäuren, Grüntee und Matcha mit den Catechinen, Rotwein mit OPCs und Resveratrol oder Granatapfel mit den Flavonoiden. Die Açai-Beere enthält alle diese Wirkstoffe in sich vereint und sie enthält Lignane. Nachweisbar sind die Hemmung von Tumoren und Entzündungen, eine Wirkung gegen Viren und eine Schutzwirkungen für das Herz sowie gefäßerweiternde Wirkungen.


Lignane

Lignane kommen in Pflanzen und in Pilzen vor. Besonders hoch ist der Gehalt in Leinsamen, Sesam und Kürbiskernen, in Spargel, Bohnen und Rotwein sowie im japanischen Ume-Likör. Einige traditionelle Heilpflanzen haben Lignane als wirksames Prinzip, wie die Mariendistel, die Mistel und die Brennnessel. Lignane sind hochwirksame Antioxidantien und senken den LDL-Cholesterin-Spiegel. Einige wirken gegen Hepatitis-Viren und andere Viren. Die Lignane aus Açai wirken gegen Plasmodien, die Erreger von Malaria.



Açai - Energy-Drinks und Superfoods

Bei den indigenen Völkern des Amazonas-Gebietes wird Açai traditionell in nahrhafte Getränke und in Hauptspeisen gemischt, beispielsweise in den täglichen Maniok-Brei. In ganz Brasilien sind aber auch Getränke aus Acai sehr beliebt, weil sie Energie spenden. Für die lokalen Produkte verwendet man das frische Acai. Zur Gewinnung werden die Beeren mit Wasser vermischt und auf diese Weise vom Samenkern getrennt und anschließend püriert. Açai wird in manchen Regionen und von manchen Menschen also in großen Mengen und praktisch täglich konsumiert. In unserer Ernährung kann haltbar gemachtes Acai-Pulver aus gefriergetrocknetem Fruchtmus verwendet werden. Es ist geeignet um Smoothies aufzuwerten, Nudel- oder Kuchenteig, Desserts, Quark und Joghurt zu färben beziehungsweise mit Antioxidantien anzureichern.


Açai, Anti-Aging und Kosmetik

Der Ölgehalt und die starke antioxidative und zellschützende Wirkung der Acai-Beere beziehungsweise des dunkelgrüne Acai-Öls aus Beere und Samen legt eine kosmetische Verwendung nahe. Das Acai-Öl wird dafür auf herkömmliche Weise aus den Früchten gepresst und enthält die wertgebenden und pharmazeutisch wirksamen Inhaltstoffe in konzentrierter Form. Anti-Aging-Mittel für die Haut haben als wichtige Eigenschaft den Schutz vor UV-Strahlung beziehungsweise die Vermeidung und Regeneration von Schäden an der Haut. Das Spenden von Feuchtigkeit ist eine weitere wichtige Eigenschaft für Antifaltencremes, Haar-Conditioner und Körperlotionen. Bislang gibt es kosmetische Produkte mit Acai vor allem in Brasilien.



Stefanie Goldscheider

über gesundheitsfördernde Polyphenole:
Moringa
Granatapfel
Die Kaktusfeige
Aronia

Grüntee-Catechine
Aktiver Schutz für das Herz: Coenzym Q10
Zur Förderung der Durchblutung: Ginkgo biloba


Quellen: - Zeitschrift für Phytotherapie 2012, Thieme - Haug