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CBD, Cannabidiol aus Nutzhanf - medizinisches Cannabis

Cannabis ruderalis, C. indica und C. sativa; Cannabaceae

CBD-BudsHanfblüten, die sogenannten Buds, waren einmal der Inbegriff der Illegalität und des Drogenkonsums. Das ist Vergangenheit. Hanfblüten, Hanföl und Harz gibt es nun auch völlig legal, abseits jeglichen Rausches. So existieren zahlreiche legale Cannabis-Sorten. Diese werden immer interessanter für Konsumenten und Anbieter legaler Arzneimittel. Sie wurden ursprünglich als Nutzhanf für den EU-Anbau gezüchtet. Die Frage der Legalität hat mit dem THC-Gehalt zu tun, der unter 0,2 % liegen muss. Nutzhanf zeichnet sich durch teilweise hohe Gehalte des nicht halluzinogenen CBD aus. CBD, das Cannabidiol ist die wichtigste der schmerzlindernden, krampflösenden und angstlösenden Substanzen der Hanfpflanze. CBD und andere Cannabinoide sind in allen Hanf-Arten und Hanf-Sorten enthalten. Wie der Nutzhanf enthält insbesondere der medizinische Hanf besonders hohe CBD-Gehalte und so geringe THC-Gehalte, dass die Pflanzen vollkommen legal angebaut werden können. Das Rauchen des CBD-Marihuanas oder CBD-Haschischs sowie die Einnahme des CBD-Öls bleibt bei diesen Sorten ohne jegliche halluzinogene Wirkung. Wegen der großen Nachfrage nach diesen natürlichen Wirkstoffen, die nicht süchtig machen, gibt es in einigen Ländern, in den USA, in Israel, in Spanien und in Holland intensive Züchtungsbemühungen an solchen Pflanzen.

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Hanfblüte und HanfblätterVorkommen und Beschreibung:

Nutzhanf ist eine sehr alte Kulturpflanze, die ursprünglich in Vorderasien, Indien und Südost-Russland beheimatet ist. Die großen, hochwüchsigen Pflanzen sind mit stabilen Stängeln ausgestattet sowie mit markanten Blättern und einem nicht minder markanten Duft. Der Duft des Hanfes kommt vom Harz, das sich in den weiblichen Blüten bildet. Blüten (buds) und Harz dienten und dienen traditionell als Heil-und Rauschmittel. Wachstum und Blüte der gesamten Hanfpflanze sowie die Bildung der Früchte und des Harzes erflogen in nur einem Jahr. Umso rascher ist das Wachstum. Hanf wurzelt mit seiner ausgeprägten Pfahlwurzel sehr tief und wird mindestens 1,5 teils bis zu 5 Meter hoch. Cannabis indica und Cannabis sativa sind an subtropisches, also an warmes Klima gut angepasst. Cannabis ist ausserdem eine Kurztagspflanze [1] und blüht nur bei genügend langen Nächten, also erst im Herbst! Um dieses Problem in gemäßigten Klimazonen zu umgehen, gibt es Kreuzungen mit Cannabis ruderalis [2]. Sie werden als selbstblühende Samen (autoflowering) bezeichnet. Weiterer Vorteil des Ruderalis-Hanfes ist sein sehr niedriger THC-Gehalt bei gleichzeitig hohem CBD-Gehalt. Die Wildpflanzen aller Cannabis-Arten, C. sativa, C. indica und C. ruderalis, sind zweihäusig, das heißt es existieren weibliche und männliche Pflanzen. Die männlichen Pflanzen und ihre Blüten bilden kein Harz. Zur Ertragsteigerung, insbesondere auf engstem Raum bevorzugt man feminisierte Sorten [3], die nur weiblich blühen. Der Anbau von Faserhanf ist weltweit verbreitet mit zahlreichen an verschiedene klimatische Bedingungen angepassten Sorten. Die Sorten und Herkünfte unterscheiden sich auch durch die unterschiedlichen Gehalte der über 100 Wirkstoffe.

Verwendung:

Genutzt werden neben den Stängeln zur Erzeugung von Hanffasern, auch die ölhaltigen Früchte beziehungsweise die Hanfsamen für Hanföl. Medizinisch werden die weiblichen Blüten bzw. deren in Drüsen produziertes Harz verwendet. Man unterscheidet heute den nicht halluzinogenen medizinischen Hanf mit CBD als Haupt-Cannabinoid vom halluzinogenen Rauschmittel, das aus anderen Sorten gewonnen wird.

Inhaltsstoffe:

In Cannabis Sorten wurden insgesamt mehr als 600 verschiedene Substanzen nachgewiesen. Die bedeutsamsten sind die Cannabinoide von denen man ungefähr 100 kennt. Cannabinoide sind einerseits das THC und andererseits das CBD - Cannabidiol. Natürlicherweise hat Hanf einen CBD-Gehalt von 0,5 bis 2 %. Es wurden inzwischen Sorten mit bis zu 15 % CBD gezüchtet . Weitere Anreicherungen erzielt man auch durch die sinsemilla Technik [4].





Altbewährte Nutzpflanze, neue medizinische Hoffnungen

Cannabidiol ist ein Trendprodukt, verspricht es doch Entspannung, Schlafförderung und Schmerzlinderung. Die schmerzlindernde Wirkung beruht auf nervenschützenden und entzündungshemmenden Mechanismen des CBD. So kann CBD allgemein bei Nervenschäden wie beispielsweise bei Wunden und Operationen und bei Entzündungen eingesetzt werden. Da Cannabidiol kein eigenes Suchtpotenzial hat, bietet es sich als Ersatz für Schmerzmittel aber auch als Ergänzung für Schlafmittel an. Cannabidiol ist in Form von CBD-Öl und CBD-Blüten sowie CBD-Harz frei verkäuflich. Es stehen verschiedene Konzentrationen zur Selbsttherapie und Einnahme als Tropfen oder in Verdampfern zur Verfügung.

CBD gilt als krampflösend, antiepileptisch und antidepressiv. Tatsächlich gibt es ein verschreibungspflichtiges Spasmolytikum mit CBD und THC das gegen Multiple Sklerose eingesetzt wird. Auch ein Arzneimittel gegen Epilepsie ist in den USA zugelassen und in Europa kurz vor der Zulassung, ebenfalls verschreibungspflichtig. CBD hat krebshemmende Eigenschaften und wirkt ausserdem gegen Begleiterscheinungen und Nebenwirkungen einer Chemotherapie wie Übelkeit und Erbrechen. Auch seine Wirkung in der Suchttherapie bei Abhängigkeit von Nikotin, Opiaten und THC ist von zunehmender Bedeutung.

 

[1] Kurztagspflanzen sind typisch für tropische und subtropische Regionen, in denen es während der sehr langen Vegetationszeit nur "kurze" Tage und gleich lange Nächte gibt. Diese Pflanzen blühen nur bei genügend langen Nächten, was für die Einbürgerung in unseren Breitengraden ein schwieriges Merkmal ist, wenn man Blüten, Samen und Früchte ernten möchte. Zu Anbauzwecken muss diese Eigenschaft, der Photoperiodismus, züchterisch verändert werden, so auch bei Baumwolle, Reis und Sojabohnen.

[2] Cannabis ruderalis ist eine Art Unkraut-Hanf, der ursprünglich weder zur Fasernutzung noch zur Samengewinnung angebaut wurde. (Auch andere heute bedeutsame Pflanzenarten wurden erst spät in Kultur genommen und waren davor Jahrtausende nur Unkraut, beispielswiese Hirse, und Hafer). Die kleinwüchsigen und ertragsschwachen C. ruderalis Kultivare haben den großen Vorteil, bereits nach wenigen Wochen zu blühen, unabhängig von der Tageslänge, der sogenannten Photoperiode. So lassen sich ausserhalb der tropischen Zone auch in nördlichen Breiten sicher Blüten und auch Samen erzeugen. Ruderal-Hanf und seine Sorten werden als selbstblühend (autoflowering) bezeichnet. Weiterer Vorteil von C. ruderalis, der dem ursprünglichen Unkraut eine immer größere Bedeutung verleiht, ist sein anderes Verhältnis der medizinisch wirksamen Cannabinoide. C. ruderalis hat einen sehr niedrigen THC-Gehalt bei gleichzeitig hohen CBD-Gehalten. Sehr üblich beim Anbau von medizinischem Hanf sind Kreuzungen aus C. ruderalis und C. sativa oder C. indica Sorten.

[3] Feminisierte Samen ergeben Pflanzen, die nur weibliche Blüten bilden. Sie entstehen auf natürliche Weise, also ohne Gentechnik, bei vielen zweihäusigen Arten durch Stress. Auch in Abwesenheit von männlichem Pollen und männlichem Erbgut bilden weibliche Pflanzen vereinzelt hermaphroditisch dennoch keimfähige Samen. Vorteil feminisierter Samen und Pflanzen für den Anbau ist, dass die Kraft der Pflanzen und des ganzen Bestandes größtenteils in die Bildung der Blüten (buds) und damit des Harzes geht. Man nennt das die Technik des Anbaus ohne Pollenspender und ohne Samenproduktion auch sinsemilla-Technik.

 

 


Buchtipps:

Dr. med Franjo Grotenhermen: Hanf als Medizin - ein praxisorientierter Ratgeber
Nachtschatten Verlag Solothurn, 3. Auflage 2017, 204 Seiten, s-w Abbildungen, Diagramme und Tabellen, € 24,80.
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Nachtschatten Verlag Solothurn, 2015, Gebunden, 161 Seiten, mit Abbildungen, Tabellen und Food-Fotos, € 24,80
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Literatur:
- Fintelmann, V; Weiss, R.F.; Kuchta, K.: Lehrbuch Phytotherapie; 13. Aufl. 2017; Haug Verlag, Stuttgart
- Frohne, D.: Heilpflanzenlexikon, 7. Auflage 2002; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart
- Rätsch, C.: Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen; 6. Auflage 2002; AT Verlag, Aarau