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Lavendel

Lavandula angustifolia, Lamiaceae

Lavandulae flos

von Stefanie Goldscheider
LavendelVorkommen und Beschreibung

Die Blüten des Echten Lavendel sind ein echtes Wundermittel. Der blauviolett blühende Zwergstrauch mit den nadelförmigen Blättern ist eine Charakterpflanze Südfrankreichs, insbesondere der Provence. Sein Duft ist unverkennbar. Wie bei vielen anderen Vertretern der Pflanzenfamilie der Lippenblütler (Lamiaceae) entsteht dieser Duft in mikroskopisch kleinen Drüsenhaaren beziehungsweise Öldrüsen auf Blättern und Blüten. Die Pflanzenfamilie der Lippenblütler umfasst viele wirksame Heilpflanzen und aromatische Gewürzpflanzen wie Thymian, Salbei und Rosmarin. Bei Sonne werden diese ätherischen Öle gebildet und erfüllen die Luft. Sie werden bei Berührung freigesetzt. Die Gattung Lavandula umfasst 39 Arten, die rund um das Mittelmeer, in Europa, Afrika und dem Nahen Osten sowie am Schwarzen Meer und auf den Kanarischen Inseln wachsen. Der Echte Lavendel (Lavandula angustifolia synonym vera oder officinalis) ist auf der europäischen Seite des Mittelmeeres heimisch, und gedeiht in kargen aber sonnigen Garrigues und Felsfluren. Zu erkennen ist der Echte Lavendel an den langen Blütenständen mit Einzelblütchen in Quirlen. Die Blütenstände sehen wie Ähren aus. Der Echte Lavendel wird großflächig kultiviert. Lavendel ist ein kleiner mehrjähriger Halbstrauch und nur in milden Lagen winterhart. Als Zierpflanze für den Garten gibt es viele robustere Sorten. Bedeutsam für den kommerziellen Anbau ist die Kreuzung aus dem echten Lavendel mit Lavandula latifolia. Diese Sorte trägt den Namen Lavandin. Lavandin hat größte Bedeutung für die Parfümerie und als Anti-Mottenmittel.

Verwendung:

Lavendelöl, das Destillat aus der ganzen Lavendel-Pflanze und Lavendelblüten werden medizinisch und kosmetisch auf sehr vielfältige Weise genutzt. Vom klassischen Duftsäckchen oder Duftkissen für den Kleiderschrank, das nicht nur Motten fernhält sondern darüber hinaus der Wäsche einen frischen Duft verleiht über Tee und Präparaten aus der Apotheke zur Beruhigung, Verdauungsförderung und Wundbehandlung. Lavendel wird innerlich und äußerlich sowie über die Nasenschleimhaut eingenommen. Lavendel ist eine der bedeutendsten Pflanzen in der Aromatherapie und in der Balneotherapie. Zu unterscheiden gibt es allerdings das wertvollere und daher therapeutisch verwendete echte Lavendel-Öl des wilden Lavendels und das Lavandin Öl aus einer Züchtung.

Inhaltsstoffe:

Echter Lavendel enthält 1-3 % ätherische Öle mit den Hauptbestandteilen Linalool und Linalylacetat, 12% Lamiaceen-Gerbstoffe vom Typ wie Rosmarin, Phytosterole, Flavonoide, Cumarine. Lavandin enthält zudem Kampfer und Cineol in hohen Anteilen.




Was kann Lavendel?

Vom Echten Lavendel stammt DER Wohlgeruch schlechthin: Ein Duft der Reinheit und Klarheit für Körper und Seele. Lavendelduft gehörte bereits untrennbar zur Römischen Badekultur. Im Mittelalter erkannte die berühmte Äbtissin Hildegard von Bingen die zutreffenden Verwendungen als Heilkraut gegen Schlafstörungen und seelische Probleme. Auch in der modernen Medizin ist der Echte Lavendel als wirksame Arzneipflanze anerkannt. Für Lavendel sind keine Gegenanzeigen und Nebenwirkungen bekannt. Hebammen verwenden Lavendelöl sehr gerne, da es in allen Phasen der Schwangerschaft und bei der Geburt eingesetzt werden kann.

Lavendel innerlich gegen nervösen Magen und Reizdarm

Die Anwendungsgebiete für Lavendel laut der heute gültigen Kommission E sind innere Anwendungen in Form von Teeaufguss aus Lavendelblüten oder in Form von Lavendelöl zum Schlucken und zwar gegen Unruhezustände, Einschlafstörungen und funktionelle Oberbauchschmerzen. Hier wird näher definiert, dass Lavendel gegen nervösen Reizmagen, Blähungen und nervöse Darmbeschwerden angezeigt ist. Hervorzuheben ist die Indikation gegen das Roehmheld-Syndrom. Dabei verursachen Blähungen in Magen und Darm durch den Druck auf das Zwerchfell indirekt Herzschmerzen. Durch Lavendel werden die Ursachen und Symptome wirksam und doch mild bekämpft.


Lavendel äußerlich für den Kreislauf und zur Wundheilung

Äußerlich wird Lavendel in der Balneotherapie als Badezusatz gegen funktionelle Kreislaufstörungen empfohlen. Belegt ist auch seine Wirkung zur Förderung der Wundheilung. Dazu tragen viele Eigenschaften des Lavendelöls bei: Es ist entzündungshemmend, regenerationsfördernd und schmerzlindernd. Antimikrobielle Wirkung gegen Pilzinfektionen und Bakterien sind ebenfalls nachgewiesen und das alles bei höchster Verträglichkeit. Zusammen mit Sanddornöl ist Lavendelöl eines der wenigen ätherischen Öle, das nicht die Haut reizt sondern lindert und deswegen bei Hautverbrennungen, Sonnenbrand und offenen Wunden sowie bei Insektenstichen eingesetzt werden kann.

Entspannung, Aromatherapie und Lavendelöl

Echtes Lavendelöl ist das Hausmittel der Wahl für ein Entspannungsbad am Abend. Es lässt uns besser abschalten, verbreitet eine klare, geordnete Stimmung, in der sich Ruhe einstellen kann. So fördert Lavendelöl auch einen gesunden Schlaf. Egal ob beim Nachtschlaf, dem Nickerchen am Nachmittag, dem Powernapping oder dem polyphasischen Schlaf, kommt es auf die Entspannung und Erholung an, egal zu welcher Tageszeit.

In der Aromatherapie wird Lavendelöl auch gegen Angstzustände und zum seelischen Ausgleich eingesetzt, denn es ist gleichzeitig entspannend und belebend. Es macht Raumluft, auch in Krankenzimmern, frisch und gesund und trägt zu Wohlbefinden und Genesung bei.

Autorin: Stefanie Goldscheider



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Quellen:
- Bühring, Ursel: Praxis-Lehrbuch der modernen Heilpflanzenkunde; 2. Auflage 2009; Sonntag, Stuttgart
- Fintelmann, V; Weiss, R.F.: Lehrbuch Phytotherapie; 11. Aufl. 2006; Hippokrates Verlag, Stuttgart
- Ingrid und Peter Schönfelder: Das neue Handbuch der Heilpflanzen;Kosmos Verlag Stuttgart, 2004
- Wichtl, M.: Teedrogen und Phytopharmaka, 4. überarb. Aufl. 2002; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart
- Zeh, Katharina: Handbuch Ätherische Öle, Jpy Verlag, Oy Mittelberg, 2005
- Zeitschrift für Phytotherapie, Hippokrates-Verlag
- Zimmermann, Eliane: Aromatherapie für Pflege- und Heilberufe, Sonntag-Verlag, 2006