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Agaricus blazei Murrill - Brasilianischer Mandelegerling

(syn. A. subrufescens oder A. brasiliensis)

von Stefanie Goldscheider



Agaricus blazei Murril - ABM

Pilze haben viele Namen, oft sehr phantasievolle. Dieser schöne, äußerst wohlschmeckende und obendrein heilkräftige Pilz wird in seiner Heimat in Brasilien als "Cogmelo de Deus" (= Pilz Gottes) bezeichnet. Er trägt international vielsagende Namen wie "Himematsutake" = Prinzessinnenpilz in Japan oder "Royal Sun Agaricus" (= königlicher Sonnenpilz) in England. Er ist auch als Mandelpilz bekannt, weil er ein Mandelaroma aufweist. Wegen seiner Zugehörigkeit zur großen Gruppe der Champignons (Gattung Agaricus) wird er als Brasil-Egerling oder als Brasilianischer Mandel-Egerling bezeichnet. Alles zutreffende Bezeichnungen für den exzellenten Speisepilz. Verwirrend ist allerdings die wissenschaftliche Benennung. Nach seinem vermeintlichen Erstbeschreiber Murrill, der ihn im Garten eines Mr. Blaze in den südlichen USA fand, ist der gebräuchliche Name Agaricus blazei Murrill oder kurz ABM. Später wurde allerdings festgestellt, dass ABM mit dem schon früher entdeckten und beschriebenen A. subrufescens identisch ist. Gebräuchlich ist auch ein dritter Name, der die Herkunft würdigt: A. brasiliensis.



Vorkommen & Beschreibung: Die Heimat des Mandel-Egerlings liegt im Bundesstaat Sao Paulo in Südbrasilien. Hier wächst er im feucht-warmen Hochland atlantisch geprägter Wälder auf Pferdeweiden. Sein Wärmebedürfnis ist höher als das unserer Egerlinge bezeihungsweise Agaricus-Arten. Agaricus blazei Murrill wird vor allem in Brasilien und in Asien in sehr großem Stil angebaut aber auch in den USA, Dänemark und den Niederlanden. Die recht schönen Fruchtkörper mit 15 cm Hutdurchmesser schmecken und riechen nach Mandel beziehungsweise nach Bittermandel. Agaricus blazei Murril gilbt bei Druck und beim Anschneiden (Bild oben). Gilbend sind auch einge unserer einheimischen - allerdings anders als A. blazei - giftigen Agaricus Arten, allen voran der stark gilbende Karbol-Egerling.

Verwendung:

In asiatischen Ländern insbesondere in Japan, Korea und China ist ABM aufgrund seiner vielfältigen Wirksamkeit als Antikrebsmittel zugelassen, genauso in den USA und in Brasilien. Daneben ist er in Brasilien ein sehr beliebter Speisepilz und ein traditioneller Vitalpilz, wird auf vielfältige Weise zubereitet gegessen und als Tee getrunken.

Inhaltsstoffe: ABM ist einer der eiweißreichsten Pilze überhaupt. Nährstoffvergleich Speisepilze. Der trockene Pilz enthält 45% bis 48 % Protein, 18% bis 41% Kohlenhydrate darunter die hochwirksamen Polysaccharide namentlich die β-D-Glucane. ABM enthält nur 8 % Ballaststoffe, 0,5 bis 3% Fett, vor allem Linolsäure. Der Pilz enthält Lektine, Vitamin D (Ergosterol), Blazein - ein Sterol (und weitere Sterole), Agaritin - ein aromatische Hydrazin und Mineralstoffe.
Im getrockneten oder frischen Pilz sind die medizinisch wirksamen Substanzen gleichermaßen enthalten.



ABM zur Immunstimulation, gegen Krebs und Tumoren

Agaricus subrufescens Zahlreiche Faktoren bezeihungsweise Inhaltsstoffe des Vitalpilzes ABM sind nachweislich in der Lage das Wachstum von Tumoren zu hemmen, Krebszellen zu bekämpfen und die Immunantwort des Körpers zu stärken. Die wissenschaftliche Beweislage für diese Effekte ist relativ umfangreich und Agaricus blazei Murril ist ein zugelasenes Anti-Tumor Präparat in einigen Ländern, darunter in den USA und Japan. Die beteiligten Wirkstoffe sind spezielle Zuckerverbindungen, namentlich die immunstimulierenden beta-Glucane und andere Polysaccharide sowie die speziellen Verbindungen aus Eiweiß und Zucker aber auch Vitamin D (Ergosterol) und krebshemmende Hydrazine (Agaritin). Sie alle beeinflussen verschiedene am Immunsystem beteiligte Prozesse im Körper. Bei der unspezifischen Immunabwehr werden Macrophagen (Fresszellen) aktiviert, welche Fremdköper in Geweben, darunter auch krebsauslösende, quasi auffressen. Man spricht von Phagozytose. ABM Extrakte fördern auch die spezifische Immunantwort [1], also die gezielte Bildung von Antikörpern. Agaricus blazei und seine Extrakte sind Angiogenesehemmer [2], das heißt sie vermindern das Einwachsen von Blutgefäßen in Tumoren. Nachweislich setzten Substanzen aus A. blazei die Apoptose [3], den natürlichen Zelltod in Gang. So hemmen sie das Tumorwachstum und die Metastasenbildung.

Agaricus blazei Murrill - Wirkungen und klinische Studien

In der Volksmedizin Brasiliens wird der "Cogmelu de Deus" gegen gefährliche Infektionskrankheiten aber auch gegen Diabetes und Osteoporose sowie gegen einen erhöhten Cholesterinspiegel, gegen Kreislaufprobleme, Herzerkrankungen und Arteriosklerose und sogar gegen Hepatitis eingesetzt. Auch die Erfahrungsmedizin anderer Länder macht sich die zahlreichen Wirk- und Inhaltstoffe dieses außergewöhlichen Vitalpilzes zu Nutze. Tatsächlich zeigen erste klinische Studien Effekte wie die Senkung des systolischen und des diastolischen Blutdrucks. Einzelne Studien konnten die Senkung des Cholesterinspiegels nachweisen oder antiallergische Effekte. Berichte gibt es auch zur antimikrobiellen Aktivität von ABM gegen Bakterien und Viren, genauer gesagt gegen Streptokokken, Polioviren und Herpesvirus.


Autorin: Stefanie Goldscheider


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https://www.vitalpilze-naturheilkraft.de/lexikon/agaricus-blazei-murrill/


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Anhang

[1] - Die spezifische oder adaptogene Immunantwort beruht auf der Fähigkeit des Immunsystems der Wirbeltiere zu lernen und sich anzupassen. Eindringlinge in den Körper aller aller Art - wie Viren, Bakterien oder fremde Substanzen - werden vom erworbenen Immunsystem aktiv durch Killerzellen entfernt. Das Immunsystem muss diese Angreifer erkennen und Abwehrmechanismen in Gang setzen. Die Abwehr wird formiert aus den sogenannten Antikörpern (Immunglobuline). Antikörper wiederum werden gebildet aus weißen Blutkörperchen und zwar den B-Lymphozythen (B-Zellen) und den T-Lymphozyten (T-Zellen). Die T-Zellen bilden zusätzlich Gedächtniszellen, die ein späteres Eindringen desselben Erregers (Antigens) sehr schnell erkennen, was die spezifische Immunantwort verbessert.

[2] - Die Angiogenese ist das Wachstum von Gefäßen, also von Venen und Arterien, zwecks Blutversorgung. Die Angiogenese ist ein wichtiger Faktore zur Wundheilung aber auch zum Wachstum von Tumoren, denn diese wuchernden Strukturen wollen ebenfalls mit Blut versorgt werden. Gelingt es, die Angiogenese in Tumoren zu hemmen, ist der Krebs unter Kontrolle, das Tumorwachstum insgesamt gehemmt. Angiogenesehemmer sind also sehr vielversprechene Substanzen in der Krebsforschung, beziehungsweise wirksame Anti-Krebsmedikamente.

[3] Die Apoptose ist der vorprogrammierte Zelltotd, ein Selbstmordprogramm für kranke und entartete Zellen aber auch zur ganz normalen Verjüngung und Erneuerung von Organen und Geweben. Die Apoptose verhindert das Ausbreiten von Krankheiten und Zellwucherungen und ist ein wichtiger Mechanismus der Krebsprävention. Die Apoptose wird auf natürliche Weise selbst von kranken Zellen eingeleitet oder vom Immunsystem veranlasst. Es gibt Substanzen, welche die Apoptose anregen und deswegen als Krebsmedikamente im Einsatz sind.



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Quellen und Literatur zu Pilzen und Heilpilzen

- Heilende Pilze, Jürgen Guthmann, Quelle & Meyer 2016

- Mykotherapie für Tiere. Vitalpilze: Heilkraft, Wirkung und Anwendung, Wanda May Pulfer, Thieme 2019.

- Zeitschrift für Phytotherapie, Hippokrates-Verlag 2007, Aktuelle Inhaltsstoffe aus höheren Pilzen in der wissenschaftlichen Forschung zu Immunsystem und Stoffwechsel.

- Medicinal Mushrooms. Recent Progress in Research and Development. Dinesh Chandra Agrawal, Muralikrishnan Dhanasekaran, Springer Nature Singapore Pte Ltd. 2019.
- Growing Gourmet and Medicinal Mushrooms, Paul Stamets, 3rd ed. 2000, Ten Speed Press

- Vitalpilze - Naturheilkraft mit Tradition - neu entdeckt. GfV Gesellschaft für Vitalpilzkunde, 2009