ErnährungGesundheitÖkologieGartenFairer Handel


10 Gründe für Bioprodukte

von Stefanie Goldscheider

  1. Bioprodukte enthalten weniger oder keine chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel und deren Abkömmlinge, die sich bei der Aufnahme aus belasteten Nahrungsmitteln im Körper ansammeln können und zu verschiedenen gesundheitlichen Störungen führen können.
    In der modernen Landwirtschaft werden immer neue, jedoch in ihrer Gefährlichkeit verminderte Pestizide ausgebracht. Die Giftigkeit der einzelnen Behandlung oder die Belastung eines einzelnen Nahrungsmittels mit Pestiziden ist sicher zumindest in Europa weniger das Problem. Die ständige Einnahme und Ablagerung in Knochen und Fettgewebe kleinster Mengen verschiedener Wirkstoffe, deren Langzeit- und Kombinationswirkung im menschlichen Organismus ist aber weitgehend ungeklärt.
  2. Die Bauern und Landarbeiter sind keinen giftigen, gefährlichen, erbgutschädigenden Chemikalien ausgesetzt.
    Moderne Landwirte arbeiten in klimatisierten Traktorkabinen und sind den chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln nicht mehr ganz direkt ausgesetzt, jedoch ist das nur in Industrieländern der Fall. Außerdem muss angerührt, gereinigt und entsorgt werden und es passieren Unfälle.
  3. Der Konsum von Bioprodukten ist der sicherste Weg, genetisch veränderte Organismen GVO (engl. GMO) weitgehend zu vermeiden und damit die noch unbekannten gesundheitlichen Risiken vorab zu vermeiden.
    Lebensmittel aus genetisch veränderten Organismen wie Soja aber auch Tomaten haben eine veränderte, neue Proteinstruktur (Teile Ihrer Gene wurden durch Transfer aus anderen Organismen wie z.B. Bakterien verändert). Durch ihre ertragsteigernden Eigenschaften werden sie im großen Ausmaß angebaut und die neue Proteinstruktur wird weltweit verbreitet. Ein sehr großes und unabsehbares Risiko entsteht auch daraus, dass sich diese neuen Organismen unkontrolliert in der Wildflora ausbreiten. Dadurch ergeben sich gesundheitliche, ökologische und ökonomische Risiken. Es verändern sich Inhaltsstoffe, deren Wirkung auf den ökologischen Kreislauf genauso unabsehbar sind wie die Wirkung im menschlichen Organismus. Mögliche Folgen sind u.a. Allergien und Resistenzen.
  4. Die Risiken der Überproduktion wie sie z.B. durch die BSE-Krise offenbart wurden, werden vermindert.
    Auch wenn Kühe mehr Milch geben nachdem sie Tiermehl als Eiweißersatz gefressen haben, Hühner mehr Eier legen, wenn sie in ihren Legebatterien ständig mit Antibiotika gefüttert werden, Schweine mehr Fleisch ansetzen nachdem ihnen doppelte Schinken oder eine zusätzliche Rippe angezüchtet wurden. Auch wenn alle Tomaten gleich rot, rund und fest sind (aber geschmacklos), GVO Soja im unkrautfrei gespritzten Acker höhere Erträge bringt und tropische Früchte billige Massenware sind (weshalb die Umwelt und die Bevölkerung der Länder gravierende Schäden davontragen) so sind doch die negativen Auswirkungen zu groß und unabsehbar um sie gänzlich zu ignorieren.
  5. Bioprodukte werden in nachhaltigen, arbeitsintensiveren und umweltschonenden Anbausystemen erzeugt, die Ressourcen schonen und die Umwelt nicht mit chemisch-synthetischen Substanzen anreichern.
    Biolandwirtschaft zeichnet sich aus durch organische Düngung (Mist, Gründüngungspflanzen), abwechslungsreiche Fruchtfolgen (Getreide zur Unkrautunterdrückung, Hackfrüchte zur intensiven mechanischen Unkrautbekämpfung, Hülsenfrüchte zur biologischen Stickstoffnachlieferung), Nützlingsschonung und -förderung (Hecken, Brutplätze, keine Behandlung mit Pestiziden, Ackerrandstreifen) kleinere, arbeitsintensivere Kulturen (mehr Handarbeit). Das verbraucht keine Energie zur Stickstoff- und Düngemittelsynthese, stellt Lebensraum für Wildtiere und Pflanzen bereit, schont Grundwasser, Boden und Luft vor Eintrag an chemisch-synthetischen Substanzen und schafft Arbeitsplätze.
  6. Die Kosten zur Sanierung der Umwelt bzw. die Folgekosten der Umweltverschmutzung sind geringer.
    Die direkten Kosten der EU-Subventionen zur Stützung der Überproduktion, zur Einlagerung und dann zur Beseitigung der Produkte verschlangen Jahrzehnte lang einen Großteil der EU-Gelder. Die indirekten- oder Folgekosten von Umweltvbelastungen durch Überproduktion sind schwer abzuschätzen und nicht zu beziffern. Es sind dies beispielsweise die Kosten für Trinkwasseraufbereitung, die Schäden durch ein vermindertes Artenspektrum für den ökologischen Kreislauf (Nützlinge, Vögel), die Gesundheitskosten durch Allergien und Erbgutschädigung, die globalen Folgen für Wasser, Luft und Biodiversität.
  7. Biologisch erzeugte Produkte können mehr Vitamine, Mineralstoffe und Enzyme enthalten und damit die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln überflüssig machen.
    Konventionell mit synthetischen Düngemitteln erzeugte Produkte wachsen meist schneller, werden größer und enthalten oft mehr Wasser. Es werden ihnen meist nur die für das Wachstum unmittelbar benötigten Mineralstoffe im Überfluss angeboten. Solche Stoffe, die das Pflanzenwachstum nicht direkt fördern geraten dabei leicht in Mangel (Magnesium, Selen). Deswegen sind mit weniger Stickstoffdüngung gewachsene Lebensmittel oft reicher an wertgebenden Inhaltsstoffen.
  8. Bioprodukte schmecken besser (intensiver, süßer) sind fester, halten länger frisch.
    Vor allem durch andere, nicht so ertragreiche Sorten (Obst und Beeren), organische und damit vollständigere Düngung (Kartoffeln und Gemüse), geringere Erträge, mehr Sonne, humusreicheren Boden sind biologisch erzeugte Produkte geschmackvoller, inhaltsstoffreicher und haltbarer als zu schnell gewachsene, wasserhaltigere konventionelle Produkte. Neu gezüchtete Sorten können teilweise aber auch geschmackvoller und inhaltsstoffreicher sein als es die alten Sorten waren.
  9. Bioessen ist ein verantwortungsvoller Beitrag zur eigenen Gesundheit und zur Verminderung von Zivilisationskrankheiten wie Allergien, Asthma, Neurodermitis, deren Zunahme in der Bevölkerung mit der Zunahme von Schadstoffen in der Nahrungskette und in der Umwelt im Zusammenhang steht.
    Bewusstes essen und gesunde Nahrung sind unstrittig wichtig für unser Wohlbefinden, unser Immunsystem und unsere körperliche Gesundheit. Dazu gehört eine ausgewogene Versorgung mit allen Nährstoffen ebenso wie das Vermeiden von Substanzen die im Körper gespeichert werden oder ihre unerwünschte Wirkung tun. Kurzfristige toxische oder allergische Reaktionen und langfristige Hemmung und Belastung der Körperfunktionen werden aber nicht allein durch den Konsum von konventionell erzeugten Lebensmitteln verursacht, sondern auch durch Zusatzstoffe. Die Umweltgifte, die wir über Wasser und Luft zu uns nehmen und die ebenfalls nicht nur aus der landwirtschaftlichen Produktion stammen, tun ein übriges.
  10. Bioprodukte sind ein großer Beitrag zum Umweltschutz, zur Erhaltung von Natur und Landschaft mit sauberen Gewässern, sauberer Luft, einheimischen Tier- und Pflanzenarten.
    Die Probleme, die intensive, konventionelle Landwirtschaft verursacht, wie Artenschwund, Bodenerosion, Gewässerverunreinigung, Luftverschmutzung und deren weitreichende Konsequenzen für unsere Landschaft und Gesundheit lassen sich allesamt abmildern durch weniger intensive Produktion, kleinere Strukturen und ökologische Kreisläufe in der Tier- und Pflanzenproduktion. Die Erhaltung gesunder, vielfältiger Lebensräume sollte ein wichtiger Aspekt beim Konsum von Lebensmitteln sein.


Mehr ökologische Themen in Biothemen: