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Legehennenhaltung Teil 2

von Rüdiger Sudhop

Die Haltungsverfahren

Im ersten Teil dieses Artikels wurden die verschiedenen Stalltypen beschrieben. Dieser Teil beschreibt die eigentliche Hühnerhaltung, also die Fütterung und das Management. Der 3. und letzte Teil dieser Legehennenreihe wird sich mit den Unterschieden zwischen den Verfahren beschäftigen.

Huhn, Licht und Hühnerstall.

Zu Anfang einige Anmerkungen zum Licht. Manch einer mag sich fragen, welche besondere Beziehung das Huhn zum Licht hat? In freier Natur bestimmen die im Lauf der Jahreszeiten kürzer und länger werdenden Tage den Lebensrhythmus der Tiere. Im Frühjahr (bei länger werdenden Tagen) legen die Hennen Eier und brüten die Küken aus, im Herbst (wenn die Tage kürzer werden) legen die Tiere Reserven für den Winter (die härteste Zeit mit den kürzesten Tagen) an, die Küken wachsen. Im Frühjahr beginnt alles wieder von vorn. Bei der Hühnerhaltung wird dieser Rhythmus nachgeahmt. Die Eintagsküken kommen bei langer Lichtdauer (ca. 16 h) in den Aufzuchtstall. Innerhalb der ersten 8-10 Lebenswochen verringert sich die Tageslänge auf ca. 8-9 Stunden. Es wird für die Tiere also Winter und die Zeichen stehen auf Reserven anlegen und Wachstum. Wenn die Junghennen 17-19 Wochen alt sind (zur Umstallung in den Produktionsstall und Legebeginn), beginnt die Erhöhung der Tageslänge. Diese ist in der 25-29. Lebenswoche bei einer Tageslänge von 14-16 Stunden abgeschlossen. Innerhalb der Legeperiode darf die Lichtdauer nicht verringert werden, da die Hühner dann ihre Legetätigkeit einstellen würden. Erst dieses Lichtprogramm macht es möglich, daß es über das ganze Jahr hinweg frische Eier gibt.



BILD 1. LICHTKURVE


Das Lichtmanagement ist prinzipiell bei jeder Haltungsform gleich. Egal, ob die Legehennen im Käfig, in einer Voliere oder im Bodenhaltungsstall leben, beziehen die Junghennen ihren neuen Stall im Alter von 17-19 Wochen bei einer Tageslänge von ca. 8 Stunden. In den nächsten 10 bis 12 Wochen verlängern sich die Tage auf 14-16 Stunden täglich. Auf diese Weise werden die Hennen zum Eierlegen angeregt, da die Tage länger werden (siehe oben). Aus diesem Grund läßt sich das Tageslicht aus allen Hühnerställen bei Bedarf heraus halten.

Huhn, Futter und Hühnerstall

Legehennen bekommen meist ein Mischfutter vorgelegt, welches ihren Nährstoffbedarf abdeckt. Dieses Mischfutter ist ein Eintopf, der aus Mais, Weizen, Gerste, Sojaschrot und Kalk (beispielsweise Muschelkalk) bestehen kann. Manchmal gibt es dazu auch Grit, also kleine Steine. Ein Huhn frißt und braucht Steine um damit in seinem Kropf Körner zu zerkleinern. Deshalb gibt es meistens Grit, wenn in der Futtermischung auch ganze Körner enthalten sind. Der Hühnerstall übt auf die Futterzusammensetzung im Allgemeinen keinen Einfluß aus. Die im Käfig lebende Henne bekommt also

Geht es dagegen um die tägliche Futteraufnahme (Also das was das Huhn täglich frißt), so läßt sich feststellen, daß es hier zwischen den verschiedenen Haltungsformen erhebliche Unterschiede gibt. Die geringste Futteraufnahme haben die Hühner im Käfig. Sie fressen täglich 115-120 g Futter. Die Tiere, die in alternativen Haltungsformen gehalten werden, verbrauchen pro Tag etwa 10%-20% mehr Futter. Zwischen Boden-, Volieren- und Freilandhaltung gibt es dabei kaum Unterschiede.



BILD 2. FUTTERVERBRAUCH




Huhn, Eier und Hühnerstall

Interessant ist, daß sich das Haltungsverfahren auch auf die Legeleistung der Hennen auswirkt. Es zeigte sich um Laufe der Zeit, daß die in alternativen Verfahren [1] gehaltenen Tiere weniger Eier legen als die in Käfigen lebenden Hühner. Die nachstehende Abbildung verdeutlicht dies anhand einiger Ergebnisse von Legeleistungsprüfungen.


BILD 3. LEGELEISTUNG

Auch das Gewicht des einzelnen Eies variiert mit der Haltungsform. Die schweren Eier fallen bisher im Käfig an. Hennen in Boden-, Freiland oder Volierenhaltung legen eher leichtere Eier. Dies mag an der höheren Bewegungsaktivität der in alternativen Haltungssystemen lebenden Hühner liegen. Sie setzten daher weniger Nährstoffe aus dem Futter in Eier um.

Legenhennenhaltung in Deutschland

Wie verteilen sich die Legehennen auf die verschiedenen Stallformen?

In Deutschland gibt es etwa39 Mio. Legehennen [2]. Davon leben 80,8% in Käfigställen. Weitere 9,4% werden in Bodenhaltung gehalten. 9,2% leben in Freilandhaltung.


Woher kommen die Eier, die wir in Deutschland essen?

Heute kommen etwa 63% der hier bei uns gegessenen Eier aus eigener Produktion (Unabhängig von der Haltungsform). Der Rest wird importiert. Im Jahre 2001 waren die Hauptlieferländer die Niederlande mit 85 %, Frankreich mit 4 - 5 % und Belgien mit 3-4 % vom Importvolumen [3].

Das dürfte sich jedoch spätestens Ende 2006 ändern. Denn mit dem Verbot der Käfighaltung in Deutschland erwarten die Experten, daß nur noch 1/3 der in Deutschland verzehrten Eier auch aus Deutschland kommen und sich die Eierimporte entsprechend erhöhen.

Bewertung

Zusammenfassend läßt sich sagen, daß jedes der genannten Haltungsverfahren die körperlichen Bedürfnisse des Huhnes erfüllt, sich aber trotzdem unterschiedlich auf das Tier auswirkt. In der Voliere und auf dem Boden ist der Futterverbrauch höher und die Legeleistung niedriger als im Käfig. Außerdem sind Hühner in alternativen Haltungssystemen eher durch Krankheiten gefährdet. Möglicherweise bietet sich die Kleinvoliere – egal wie sie zukünftig auch aussehen mag - als guter Kompromiß an. Denn sie kombiniert die Vorteile aller beschriebenen Haltungssysteme miteinander.


Anhang
[1] Boden-, Volieren- und Freilandhaltung
[2] Quelle: Stat. Bundesamt, 2003
[3] IPSA Vechta

Dipl.-Ing. agr. Rüdiger Sudhop

 


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