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Japanische und Chinesische Gärten

Vollkommenheit des Natürlichen

von Stefanie Goldscheider

Japanischer Garten - natürlich wie die Natur ©663highland

Die prägenden Elemente und der Reiz, sowie die große Schönheit fernöstlicher Gartenkunst werden am deutlichsten erkennbar im Vergleich mit ihrem krassen Gegensatz - den historischen europäischen Parks und Gartenanlagen, die sich mit dem Lineal geplant, symmetrisch und statisch, ja leblos präsentierten.

Berühmte japanische Gärten fügen sich in die Landschaft ein. Mit scheinbar ungeordneten Formen und natürlichem Wuchs der Pflanzen bilden diese Gärten reale Natur nach (Bild links). Steine und Pflanzen sind aber nicht nur reine Zierde sondern Bausteine voll symbolischer Kraft. Der Wechsel der Jahreszeiten bringt dynamische Veränderungen in den japanischen Garten, so auch die berühmte Kirsch- oder Pflaumenblüte. Es werden nur einheimische Pflanzenarten verwendet, was bei der Artenfülle Asiens kaum eine Einschränkung ist.

Der Japanische Garten - Ästhetik und Bedeutung

Kiesflächen und Steine

Japanische Gartengestaltung ist eine Kunstform, die sich über die Jahrtausende veränderte. Die Anfänge im Altertum waren Steine als Gebetsstellen. Geräumte, mit Kies bedeckte Flächen gab es bei Shinto-Schreinen und in Höfen buddhistischer Tempel. Religiöse und kulturelle Einflüsse auf die Gartengestaltung kamen aus China (Geomantie bzw. Fengshui) und aus Indien in Form des Buddhismus.

In geheiligten Gärten, die religiösen Zwecken dienen, genauso wie in weltlich-profanen Schaugärten, sind gerechte Kiesflächen und Steine bis heute die wichtigsten Bausteine eines Japanischen Gartens, unabhängig von den verschiedenen Stilrichtungen der Epochen.

Steine oder Felsen symbolisieren Berge, Inseln, Felsküsten oder Wasserfälle. Kiesel und Sand werden beispielsweise zu Strudeln oder Wellen gerecht und versinnbildlichen Wasserflächen (Bild rechts).


Hügel und Teiche

©663highland Unterschiedliche Bäume symbolisieren Hügel und Berge

Neben schroffen Bergen und Wasserfällen sind auch sanfte Hügel und Teiche Grundelemente eines japanischen Gartens. Ihre Bedeutung liegt im Kontrast und der Ergänzung, dem Prinzip von yin und yang folgend. Auch sie können als Miniatur oder symbolisiert dargestellt werden, Hügel etwa durch getrimmte Azaleensträucher Berge durch große Zedern (Bild rechts). Gerechter Kies symbolisiert das Gewässer. Bäume und Sträucher werden aber auch eingesetzt um Perspektive und Fernwirkung zu schaffen. Solche Effekte lassen sich erzeugen indem unterschiedlich große oder gestutzte Bäume mit unterschiedlichen Blattgrößen und -farben geschickt platziert werden. Auf diese Weise kann ein Teich zur Meeresküste stilisiert werden, wenn die Ufervegetation entsprechend sturmgepeitscht formiert ist (Bild unten).

Pflanzen und Jahreszeiten

Japanischer Garten in prächtiger HerbstfärbungWichtig sind auch die jahreszeitlichen Aspekte im Japanischen Garten. Blühende Pflanzen im Frühjahr und Sommer genauso wie laubabwerfende Ahorne oder Ginkgos im Herbst oder rote Kamelienblüten im Winter sind Sinnbild der Vergänglichkeit und genauso wichtig wie immergrüne Kiefern, die Ausdauer verkörpern. Auch für die Bäume gilt, dass sie ein natürliches Aussehen haben sollen, das allerdings gerne ähnlich der Bonsai-Technik durch Formierung künstlich nachgeahmt wird (Bild links).

Konzept und Anleitung

Das Konzept japanischer Gärten ist stets der Nachbau von realer Landschaft als Miniatur, egal ob in einem Trockengarten oder in einem Park mit Teich oder Wasserlauf. Um den Betrachter richtig an den Garten heranzuführen und um seine Blicke zu lenken werden Wege und Brücken, Mauern und Zäune gebaut. Wasserbecken, Steinlaternen, Pagoden und Pavillons dienen neben ihrem eigentlichen Zweck in erster Linie als Schmuckelemete.

Die Symbolsprache bei der Gartengestaltung ist sehr differenziert. Die räumliche Anordnung von Felsen und Hügeln sowie Feinheiten ihrer Oberflächen und Farben müssen bei der Anlage bedacht werden.

Aus der Heian-Zeit gibt es mit dem Sakuteiki das älteste Buch zur Gartengestaltung. Es ist noch heute die Grundlage japanischer Gartenkunst und enthält präzise Anleitungen.

Buchtipps

Gärten im Japan-Stil
Jean Paul Pigeat
Ulmer Verlag Stuttgart, 2007. 168 S., 168 Farbfotos, 21 Farbzeichnungen, kartoniert, € 29,90
Ein Buch mit beeindruckenden Großaufnahmen von Gärten aller japanischer Stilrichtungen, von den großen Wandelgärten bis hin zu den minimalistischen Kiesgärten der Zen-Kultur. Unabhängig von ihrer Größe werden in japanischen Gärten Naturstimmumgen gestaltet. Anhand von Beispielen aus Japan und Frankreich macht Jean-Paul Pigeat die japanische Gartenseele deutlich und bietet Anleitung, sie auf westliche Verhältnisse zu übertragen, ohne sie nur leblos zu kopieren. Das Buch ist sehr empfehlenswert!
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Niwaki - Japanische Gartenbäume schneiden und formen
Jake Hobson
Ulmer Verlag Stuttgart, 2010. 144 S., aus dem Englischen übersetzt von Angelika Franz, 236 Farbf., 180 Zeichn., geb. mit SU. € 39,90
Bäume auf japanische Art � Bäume gestalten für extravagante Gärten � Schnitttechniken erstmals Schritt für Schritt anschaulich erklärt Wolkenbäume, Big Bonsai oder Maxi Bonsai. Diese Begriffe stehen alle für Niwaki, die japanische Kunst, Bäume in Form zu bringen. Anschauliche Schritt für Schritt-Anleitungen zeigen den Weg: � einen jungen Baum zu einem idealen Gartenbaum zu erziehen (Niwaki) � Gehölze zu runden Formen zu schneiden (Karikomi) � Kiefernnadeln zu außergewöhnlichen Mustern auszudünnen (Momiage) � ausufernde Bäume in neue Formen zu bringen (Fukinaoshi) Die notwendigen Techniken.
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Chinesische Gärten - Einflüsse auf die Gärten der Welt

chinesischer Garten

Chinesische Gärten wirken mit ihren bizarren Felsenarrangements und Grotten und ihrer verspielten Architektur für nüchterne Betrachter oft kitschig und überladen. Auf den ersten Blick bestehen sie mehr aus vielen zusammengedrängten Gebäuden denn aus Garten in unserem Sinn. Chinesische Gärten enthaltenen keine Rasenflächen sondern sind gepflastert. Und doch stammen die wichtigsten Einflüsse auf die Gartengestaltung und die wichtigsten Gartenpflanzen der Welt aus China.

Die Philosophie

Die unter dem Begriff fengshui bekannten Prinzipien insbesondere zu den Himmelsrichtungen und zu den Fließrichtungen von Wasser aber auch zur Platzierung von Steinen und zur Auswahl von Bäumen beruhen auf chinesischen philosophischen Theorien zu Yin und Yang sowie den 5 Elementen. Fengshui war ebenso prägend für die natürlich und vollkommen wirkenden Japanischen Gärten. Beide Gartenstile, so unterschiedlich sie erscheinen, bilden reale Natur in Miniatur nach und sind gleichzeitig voller Symbolik. Die gewaltigen Felskompositionen chinesischer Gärten sind Abbild der genauso bizarren chinesischen Natur, mit ihren steil und hoch aufragenden Bergen, die stets als heilig und schön angesehen wurden.

Die Pflanzen und ihre Bedeutung

Der einheimische biegsame Bambus hält Taifunen stand und versinnbildlicht genau diese Standhaftigkeit, ebenso wie uralte Kiefern oder die gegen Ende des Winters an kahlen, knorrigen Ästen erblühende Pflaumen. Die Lotosblume (Bild rechts), die Seerosen ähnelt und aus dem schlammigem Grund der Teiche mit makelloser Blüte an der Wasseroberfläche erscheint, steht für die Reinheit der Seele. Die herbstblühenden, heilkräftigen und würzigen Chrysanthemen fanden ihren Weg in die Ziergärten erst nachdem man ihre Bedeutung in Arzneitiegeln und Kochtöpfen entdeckt hatte.
Doch auch viele andere chinesische Pflanzen, allen voran die Päonien haben es in China und weltweit zu großer Berühmtheit gebracht und sind aus Gärten und Blumengeschäften nicht mehr wegzudenken.


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