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Tomaten

von Stefanie Goldscheider

Alte Tomatensorten zeichnen sich durch eine Vielfalt an Größen, Formen und Farben der Früchte aus aber auch durch unterschiedlich ausgeprägtes Aroma. Der wissenschaftliche Name Lycopersicon spec. weist auf den heute populärsten Inhaltstoff der Tomate hin: das Lycopin.Tomaten sind Nachtschattengewächse, gehören zur Familie der Solanaceae.

Obwohl Tomaten aus Mittel- und Südamerika stammen, gibt es heute Liebhabersorten aus aller Herren Länder. Die Tomaten wurden über Generationen nach Geschmack, originellem Aussehen und Anbaueignung in Hausgärten durch Auslese gezüchtet und erhalten. Alte Tomatensorten sind samenfest und keine Hybriden, das heißt, aus den Samen wächst wieder der gleiche Typ Tomate.

Einen Versuch wert sind die aromatischen Fleischtomaten aus Südosteuropa und aus Frankreich. Diese eher spät reifenden Tomaten sind meistens an ein warm-sonniges Klima angepasst und bei uns etwas empfindlich. Abwechslungsreich sind aber auch die farbigen Tomatensorten, die bei Reife gelb, grün, weiß oder pink sind. Allerdings sind einige eher dekorativ als geschmackvoll. Für den eigenen Garten sind schließlich früh reifende, unempfindliche Tomatensorten, für den Balkon auch kleinwüchsige Tomaten oder die süß-aromatischen Kirschtomaten bzw. Cocktailtomaten besonders interessant. Alle Tomatensorten wachsen besonders gut in einem Hochbeet.



Lycopin

Der rote Farbstoff Lycopin aus Tomaten gehört zu den Carotinoiden. Lycopin kommt besonders reichlich in roten Tomaten, Wassermelonen und in Hagebutten vor. Lycopin ist als starker Radikalfänger bzw. als Antioxidans in der heutigen Ernährung so wichtig, dass sein Gehalt in Obst und Gemüse züchterisch erhöht wird. Lycopin ist wirksam gegen aggressive Formen von Prostatakrebs und gilt allgemein als krebshemmend. Daneben senkt Lycopin den Cholesterinspiegel und wirkt Arteriosklerose entgegen. Seine antioxidative Wirkung verhindert unter anderem die Bildung und Ablagerung von Plaques in den Blutgefäßen. Besonders wirksam ist Lycopin nach dem Erhitzen zusammen mit Fett und Öl.


Fleischtomaten

Schwarze Krim

Die Schwarze Krim ist eine alte russische Tomatensorte mit unvergleichlichem Geschmack. Die Tomatenpflanze ist leider etwas empfindlich gegenüber der Krautfäule (Phytophtora infestans). Auch die die schwarz-roten, sehr großen, dünnschaligen Fleischtomaten-Früchte der Krimtomate oder Black Russian sind empfindlich und platzen im reifen Zustand leicht im Regen auf. Sie müssen frühzeitig, noch mit grünbrauner Färbung geerntet werden, weil sie sonst viel zu weich werden. Die Schwarze von der Krim wächst mittelkräftig und muss am Stab erzogen und immer gut angebunden werden, damit die vielen großen Tomaten nicht herunterbrechen. Die Schwarze von der Krim braucht guten Boden und gedeiht nicht im Topf bzw. entwickelt nur im Boden ihr volles Aroma. Eine Frucht der Schwarzen von der Krim wird bis zu 400 Gramm schwer (Bild oben, rechts). Die Tomaten sind flachrund und häufig etwas unförmig. sie behalten einen grünen Kragen.

Das ausgeprägte Aroma des braunroten Fleisches sollten sich Tomatenliebhaber auf keinen Fall entgehen lassen. Empfehlenswert ist der Anbau unter Dach oder an der geschützten Hauswand.

Kleines Ochsenherz

Die französische Fleischtomate Kleines Ochsenherz trägt außergewöhnlich große Früchte, die eine eindrucksvolle Herzform haben. Eine Frucht des Kleinen Ochsenherzens kann über ein Pfund wiegen. Die reifen Früchte sind von schönem Hellrot (Bild ganz oben, links) und ihr Fleisch ist ausgesprochen fest und trocken, mit sehr wenigen Kernen. Das kleine Ochsenherz eignet sich deswegen hervorragend für Pizza oder Carpaccio, also zum Schneiden in feine Filetscheiben, wenn der Saft stören würde.
Die Tomatenpflanze benötigt lange, stabile Stecken zum Festbinden, damit die schwern Früchte nicht herunterbrechen. Auch muss die Tomatenpflanze frühzeitig und immer wieder gründlich ausgegeizt werden. Leider ist auch das Kleine Ochsenherz eine eher empfindliche Tomatensorte und gedeiht deswegen besser unter Dach. Die hochwüchsige Pflanze erlaubt frühzeig das Entfernen der unteren Blattpartien, woduch die Gefahr der Krautfäule vermindert werden kann.


Runde frühe Tomaten

Green Zebra

Bei der amerikanischen Tomatensorte Green Zebra sind bereits die gelb-grünen Früchte genussreif (Bild rechts). Green Zebra ist eine sehr frühe Sorte und produziert über einen langen Zeitraum mittelgroße Tomaten. Sie wächst wie alle hier genannten Sorten indeterminiert. Sie wächst also unbegrenzt weiter, so dass ein Einkürzen Mitte bis Ende August sinnvoll ist. Die gestreiften Früchte sind erstaunlich aromatisch und mit ihrem ansprechenden Aussehen für alle Zubereitungen von Tomatensalat sowie für die mexikanische Sauce Mocho verde geeignet, weniger jedoch für rote Tomatenoße und -suppe.

Phytoresista

Die Tomatensorte Phytoresista trägt ihren Namen wegen ihrer guten Resistenzeigenschaften. Es handelt sich dennoch um eine alte Sorte, die von einem privaten Züchter erhalten wurde. Die Pflanze wächst schlank und eher schwach und lässt sich leicht eintriebig erziehen. Es muss nur wenig ausgegeizt werden. Phytoresista trägt in regelmäßigen Abständen gleichmäßig große, runde, attraktive Früchte, die gleichmäßig ausreifen. Obwohl die eher großen Tomaten besonders süß sind, platzen sie dennoch nicht bei Regenwetter. Die Tomatensorte ist wegen ihres lockeren Wuchses wenig krankeitsempfindlich. Zudem können die unteren Blattpartien früh entfernt werden, denn die Tomaten reifen mittelfrüh. Phytoresista ist sehr ertragreich und schmeckt viel besser als ihr Name klingt. Die Tomate ist besonders für den Freilandanbau als wohlschmeckende Sorte unbedingt zu empfehlen.

Busch- oder Strauchtomate

Kremser Perle

Die Kremser Perle ist eine kompakt wachsende Buschtomate. Sie gedeiht auch in einem größeren Blumentopf auf dem Balkon. Die gedrungene, kräftige Pflanze ist sehr unempfindlich. Die Kremser Perle trägt reich und früh. Über Monate können kleine, runde, feste, gleichmäßig rote Tomaten geerntet werden. Die Früchte sind süß und aromatisch und dennoch sehr unempfindlich. Selbst bei schlechtem Wetter werden sie nicht fleckig, platzen nicht und sind robust gegen Krautfäule.

Obwohl es sich um eine Buschtomate handelt, die ohne Stab wachsen kann, ist das Anbinden im Freiland wegen eventueller Stürme dennoch empfehlenswert.

Kirsch- oder Cocktailtomate

Zuckertomaten

Gute Cocktailtomaten haben sehr süße Früchte. Sie tragen Früchte in der Größe von Tischtennisbällen und das reichlich durch die ganze Tomatensaison. Die Kirsch- und Cocktailtomaten wachsen stark und müssen ausgegeizt werden. Dennoch können sie in einem großen Topf auf dem Balkon gedeihen. Bei Cocktailtomaten deren Fruchtstände relativ locker aufgebaut sind, kann mehr Luft an Blätter und Früchte. Solche Tomaten sind auch weniger empfindlich gegenüber der Krautfäule. Es ist aber von Vorteil sie streng eintriebig am Stab zu erziehen und die Blütenstände einzukürzen. Die runden, festen, dunkelroten Früchte (Bild ganz oben, unten links) sind sehr süß und aromatisch. Leider platzen sie, wenn sie reif sind, leicht im Regen auf. Die reifen Früchte sind eine Delikatesse im Salat. Sie verbessern den Geschmack von Suppen und Saucen.

Gartenpflanzen und Saatgut



Samenfeste Sorten

Samenfeste Sorten vermehren sich selbst aus den Samen der Früchte des Vorjahres. Das ist heute im intensiven Gemüsebau nicht mehr üblich. Hier überwiegen Hybridsorten, die nur durch gezielte Kreuzungen erzeugt werden können. Sie können nicht nachgebaut werden. Wer einmal eine sonnengereifte, alte Tomatensorte gekostet hat, wird kaum mehr zu einer handelsüblichen greifen. Alte, samenfeste Tomaten überzeugen mit ursprünglichem Duft, unvergleichlichem Aroma, satten Farben wie Grün, Rot, Weiß, Gelb oder Schwarz und fester Konsistenz.. Samenfest bedeutet: aus den Tomatensamen dieser alten Sorten können im Folgejahr neue Pflanzen mit den gleichen Eigenschaften nachgezogen werden. Mit den normal erhältlichen Tomatensorten, welche in der Regel immer Hybridzüchtungen sind (F1), ist die Weitervermehrung nicht möglich. Von solchen Hybridsorten weitervermehrte Pflanzen sind in Wachstum und Eigenschaften nicht einheitlich und nicht vorhersagbar.



Weitere Früchte und Gemüse der Solanaceae: Physalis, Gojibeeren

Als krebshemmend bekannte Früchte: Granatapfel

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