ErnährungGesundheitÖkologieGartenFairer Handel


Hanf

Cannabis sativa L. ssp. indica (Lam.); Cannabaceae

(Cannabis herba)

Vorkommen und Beschreibung

Cannabis stammt aus Vorderasien, Indien und Südost-Russland. Die Pflanze ist einjährig, raschwüchsig, tiefwurzelnd, wird ca. 2 m hoch oder höher, ist zweihäusig, das heißt bildet weibliche und männliche Pflanzen mit unterschiedlichen Blüten aus. Der Cannabis Anbau ist weltweit verbreitet mit zahlreichen an verschiedene klimatische Bedingungen angepassten Sorten. Die Sorten und Herkünfte unterscheiden sich auch durch sehr hohe Gehalten des berauschenden THC oder durch sehr niedrigen Gehalte wie im Faserhanf.

Verwendung:

Medizinisch werden die weiblichen Blüten bzw. deren in Drüsen produziertes Harz verwendet. Ebenfalls von pharmazeutischer Bedeutung ist das Samenöl.

Inhaltsstoffe:

Im Harz sind ungefähr 60 Cannabinoide. Das wichtigste und einzig psychotrop wirksame Cannabinoid ist das Delta-9-Tetra-Hydrocannabinol (THC). Es sind auch antagonistisch wirksame Substanzen enthalten wie das Cannabidiol (CBD), das ebenfalls von medizinischem Interesse ist. Außerdem Ätherische Öle mit Terpenen und Sesquiterpenen.





Eine altbewährte Heilpflanze

Cannabis ist wahrscheinlich die bekannteste Heilpflanze der Welt. Ihre vielfältige Anwendung zu medizinischen Zwecken hat eine ungefähr 5000 Jahre alte Tradition in China. Auch in Indien, der arabischen Welt und Europa reicht die pharmazeutische Nutzung bis in die Antike zurück. Bereits in den alten Schriften ist Cannabis sowohl als Heilpflanze gegen Entzündungen, Infektionskrankheiten oder Stoffwechselstörungen als auch als Rauschmittel beschrieben. Im 19. Jahrhundert wurde Cannabis auch in der modernen westlichen Medizin gegen eine Vielzahl von Erkrankungen eingesetzt. Wissenschaftlich belegt war bereits die beruhigende, krampflösende und schmerzstillende Wirkung des Harzes. Beim Rauchen einer höheren Dosis der getrockneten Blüten (Marihuana) oder des abgestreiften Harzes (Haschisch) tritt allerdings auch unverzüglich die erwünschte oder unerwünschte Rauschwirkung in Form von Schwindel, Lachen, Halluzinationen und einer veränderten Wahrnehmung auf.

Zur Zeiten der Cannabis-Prohibition wurden synthetische Medikamente als Analoge zum wirksamen Cannabinoid THC entwickelt. Bei Krebspatienten während der Chemotherapie gegen Übelkeit und Erbrechen sowie bei Aids-Patienten gegen Gewichtsverlust durch Appetitlosigkeit konnte unter medizinisch begründeten Umständen das Präparat Dronabinol, das dem THC entspricht, verschrieben werden. Deutsche Ärzte können seit 1998 das Dronabiol auch gegen weitere Krankheiten verschreiben. In Frage kommen dabei die Glaukom-Therapie, verschiedene Schmerzen, Bewegungsstörungen, Asthma und Depressionen. Der Einzelwirkstoff ist allerdings etwa 50 mal teurer als die gleiche Menge Wirkstoff in Marihuana und wird wesentlich schlechter vertragen. Es bleibt abzuwarten, ob auch die millionenfach erprobte Methode, das pflanzliche Präparat zu verabreichen, nämlich Marihuana zu rauchen, wieder legalisiert wird. Erlaubt und verschreibungsfähig ist seit 2015 das Cannabidiol CBD, das nicht berauschend ist, aber zur Schmerzlinderung und Depressionsbekämpfung sowie gegen Schlafstörungen und Angstzustände legal eingenommen werden kann.

Wirkung der Cannabis-Sorten Indica, Sativa und Ruderalis auf den Menschen

Als älteste Heilpflanze der Welt gibt es von Cannabis zahlreiche Kultivare und Sorten. Auch THC-freie Sorten sind längst etabliert.

Cannabis ist also nicht gleich Cannabis. So erzielen die verschiedenen Sorten der Hanfpflanze verschiedene Wirkungen.

Sativa: Cannabis Sativa wirkt anregend bis motivierend, fördert die Kreativität, reduziert das Übelkeitsgefühl und ist appetitanregend. Daher findet die Cannabis-Sorte Sativa Einzug bei der Behandlung von typischen Symptomen in der Chemotherapie, HIV-/Aids-Therapie,  bei Migräne oder Depressionen.

Indica: Cannabis Indica hat entzündungshemmende und schmerzlindernde Eigenschaften. Zudem ist die Cannabis-Sorte Indica ähnlich wie Sativa appetitanregend.  Cannabis Indica reduziert Stress sowie Ängste und wirkt muskelentspannend, weswegen es gegen Muskelschwund, Tremor-Symptome, Muskelspasmen, Parkinson oder auch gegen rheumatische sowie arthritische Steifheit eingesetzt werden kann.

Ruderalis: Cannabis Ruderalis ist bekannt für einen verhältnismäßig hohen Gehalt des Cannabinoids “CBD” und verhältnismäßig geringen Gehalt an THC. Daher ist Cannabis Ruderalis für therapeutische Zwecke besonders gut geeignet. Man vermeidet psychotrope Auswirkungen.


Lesen Sie zu anderen entspannenden, stressreduzierenden und schlaffördernden Arzneipflanzen:

- Die Passionsblume


Buchtipps:

Dr. med Franjo Grotenhermen: Hanf als Medizin - ein praxisorientierter Ratgeber
Nachtschatten Verlag Solothurn, 3. Auflage 2017, 204 Seiten, s-w Abbildungen, Diagramme und Tabellen, € 24,80.
Umfassend, wissenschaftlich fundiert und aktuell informiert der bekannte Cannabis-Experte über den praktischen Umgang mit Cannabis und dem Wirkstoff THC bzw. Dronabiol bei medizinischen Indikation. Mehr...


Dr. med Franjo Grotenhermen, Markus Berger, Kathrin Gebhardt
Nachtschatten Verlag Solothurn, 2015, Gebunden, 161 Seiten, mit Abbildungen, Tabellen und Food-Fotos, € 24,80
Ein vielversprechender Wirkstoff in Cannabis ist das nicht berauschende aber vielseitig wirksame Cannabidiol, besser bekannt als CBD. Der medizinische Ratgeber gibt Aufschluss und zeigt Anwendungen sowie Rezepte zur eigenen Herstellung mit der legalen Substanz.. Mehr...


Literatur:
- Fintelmann, V; Weiss, R.F.; Kuchta, K.: Lehrbuch Phytotherapie; 13. Aufl. 2017; Haug Verlag, Stuttgart
- Frohne, D.: Heilpflanzenlexikon, 7. Auflage 2002; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart
- Rätsch, C.: Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen; 6. Auflage 2002; AT Verlag, Aarau