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Kamille

Matricaria chamomilla syn. Chamomilla recutita (L), Asteraceae

(Matricariae flos, Chamomillae aetheroleum)

von Stefanie Goldscheider
Vorkommen und Beschreibung

Die Echte Kamille ist eine stark aromatisch duftende Heilpflanze. Sie stammt ursprünglich aus dem östlichen Mittelmeerraum und Vorderasien. Kamille hat sich weit verbreitet, weil sie weltweit angebaut wird. Sie ist auch in Deutschland heimisch. Die einjährige Kamille ist ein typischer Kulturfolger des Getreideanbaus. Der Korbblütler mit den vielen kleinen Samen hatte sich über Jahrhunderte mit dem Getreide mit ausgesät. Durch die immer perfektere Saatgutreinigung und durch den breiten Einsatz von Herbiziden hat Kamille als Begleitpflanze auf Äckern stark abgenommen. Auch Brachflächen, die Rückzugsgebiete der Kamille sowie vieler Blütenpflanzen, Insekten und Vögel haben in der heutigen Landwirtschaft kaum noch einen Platz.. Dies erschwert längst die Wildsammlung von Kamillenblüten. Umso bedeutender ist der feldmäßige Anbau der Kamille. Längst gibt es spezielle Sorten von Kamille, die den hohen Anforderungen an die Inhaltstoffe von Arzneipflanzen genügen. Kamille wird bis heute in Ungarn auch wild gesammelt, in Ägypten, Argentinien und in Ost und Südeuropa angebaut. Kamille höchster Qualität kommt häufig aus deutschem Anbau.

Verwendung:

Die Echte Kamille ist ein Klassiker unter den Heilpflanzen. Die wirksamen Teile der altbewährten Pflanze sind die Kamillenblüten beziehungsweise die Blütenköpfe. Es bestehen keine Zweifel an der starken und breiten Wirkungskraft der Echten Kamille, weder in der Wissenschaft noch in der Erfahrungsmedizin, Homöopathie oder Volksheilkunde. Kamillenblüten werden innerlich und äußerlich angewendet als Tee, Tinktur, Extrakt, Salbe und Sitzbad oder Dampfbad zur Inhalation sowie für die Rollkur. Die bedeutendste Wirkung ist die Entzündungshemmung. Angezeigt ist Kamille gegen Reizmagen und Gastritis, bei Sodbrennen und Magengeschwüren, zur Wundheilung und Heilung der Schleimhäute wie Mundschleimhaut und Zahnfleisch, in Nase und Rachenraum oder den Atemwegen sowie im Genital- und Analbereich. Kamille ist krampflösend und blähungstreibend sowie verdauungsfördernd und wird gegen Magen- und Darmkrämpfe sowie bei Menstruationsbeschwerden eingesetzt.

Inhaltsstoffe:

3 bis 10 % Schleimstoffe. Das Ätherische Öl der Kamille ist dunkelblau und enthält Bisabolole insbesondere alpha-Bisabolol und Chamazulen. Sesquiterpenlactone mit Matricin, Apigenin, außerdem Flavonoide, Cumarine.



Kamille - Naturheilmittel für den Magen

Kamille ist für unseren Magen die Arzneipflanze der Wahl, bei praktisch allen Beschwerden von Sodbrennen und Reizmagen bis Gastritis und Magengeschwür. Die Inhaltstoffe der Kamille zeigen dabei ein perfektes Zusammenspiel aus Schutz, Linderung, Krampflösung, Heilung, und Verdauungsförderung, Insbesondere die ätherischen Öle der Kamillenblüten wirken im Magen und Darm, in der Speiseröhre und im Zwölffingerdarm entzündungshemmend aber auch antibakteriell. Kamille als Rollkur in Form von starkem Kamillentee aus Kamillenblüten in Arzneiqualität oder als Tinktur schütz nachweislich vor Magengeschwüren und kann diese sogar kurieren. Dazu wird 2 bis 3 fach stärkerer Kamillentee aus hochwertigen Kamillenblüten auf nüchternen Magen getrunken. Im Liegen rollt man sich nach jeweils 5 Minuten vom Rücken auf die rechte und die linke Seite sowie auf den Bauch. So kommt die Kamille direkt an der Magenschleimhaut und am Magengeschwür an und fördert mit Schleimstoffen, entzündungshemmenden und antibakteriellen Faktoren die Wundheilung. Kamille wirkt aber auch krampflösend und ist das Mittel der Wahl bei Reizmagen und Dyspepsie. Kamillentee trägt wesentlich zur Gesundung bei Magenkrämpfen und Magen-Darminfekten sowie Darmentzündungen und Colitis bei. Durch den Schutz der Magenschleimhaut, die verdauungsfördernde und blähungstreibende Wirkung ist Kamille auch zur Linderung von Sodbrennen geeignet. Tee und Extrakte der Kamillenblüten schützen Magen und Speiseröhre mit ihren Schleimstoffen vor den Säureangriffen der eigenen Verdauungssäfte beim Aufstoßen und Hochsteigen von saurem Mageninhalt, dem sogenannten Reflux.



Entzündungen und Entzündungshemmer

Entzündungen gibt es in unserem Körper an praktisch allen Organen. Von der Haut und den Schleimhäuten, der Lunge, den Augen und Ohren bis zum Herzmuskel, aber auch der Blase und den Nieren oder Nerven, den Sehnen und dem gesamten Bewegungsapparat kann sich alles entzünden. Entzündungen sind von sehr unterschiedlicher Art. Sie können durch Allergene, Gifte und Fremdkörper verursacht sein, durch Krankheitserreger, Wunden, Reibung, Strahlung, Überlastungen und Fehlsteuerungen. Eigentlich ist eine Entzündung etwas Wichtiges, nämlich die Antwort des Immunsystems auf Schadfaktoren. Mit der Immunreaktion kommt es zu Erwärmung bis hin zu Fieber, und zu Rötung und Schwellung bis hin zu starken Schmerzen. Dies führt dazu, sich gegen Auslöser zu wehren oder die Erreger abzuwehren. Ein funktionierendes Immunsystem kann also mit der Entzündung größere oder ausufernde Schäden an Gewebe und Organen meist verhindern und sogar beheben. Vielfach bekämpfen Entzündungen ganz unbemerkt eventuelle Herde von Krebs indem sie das befallene Gewebe absterben lassen. Leider können Entzündungen aber nicht nur akut sein und wieder abklingen sondern auch sehr lange dauern und sogar chronisch werden. Auch können sie den ganzen Körper befallen und nicht nur lokal begrenzt sein. Und - Entzündungen können zu Krebs entarten - so auch bei Sodbrennen oder Gastritis.

Um Entzündungen zu heilen ist es notwendig nicht nur die Symptome zu bekämpfen. Neben der Schmerzlinderung ist es wichtig, die auslösenden Faktoren in den Griff zu bekommen.

Man kennt prinzipiell verschiedene entzündungshemmende Medikamente - sogenannte Antiphlogistika. Manche Entzündungshemmer sind auch als Antirheumatika bekannt. Entzündungshemmer wirken auf unterschiedliche Weise und bewähren sich bei unterschiedlichen Erkrankungen verschieden gut. Im Körper laufen nämlich neben Schmerz, Schwellung, Rötung und Erwärmung auf zellulärer und physiologische Ebene Vorgänge ab, auf die eingewirkt werden kann. So verändert sich das Blutbild und die Zahl der Blutkörperchen. Es werden Botenstoffe beziehungsweise Hormone freigesetzt wie die Histamine und Prostaglandine.

Die bekanntesten Entzündungshemmer sind Cortison sowie Ibuprofen und Aspirin. Sie hemmen die Produktion der schmerzauslösenden Prostaglandine sehr wirkungsvoll bei akuten Schmerzen. Ihr Nachteil sind teilweise gravierende Nebenwirkungen. Es gibt aber auch eine große Anzahl pflanzlicher Entzündungshemmer wie Arnika und Kamille, Johanniskraut, Weidenrinde und Cannabis aber auch Kurkuma und Rosmarin, die zur Behandlung chronischer Erkrankungen häufig bessere dauerhafte Erfolge bringen.


Kamille zur Wundheilung an Haut und Schleimhäuten

Die Äußerliche Anwendung von Kamille reicht von der kosmetischen Verwendung in Gesichtscremes zur Pflege von empfindlicher Haut oder gegen Akne und unreine Haut bis zur Behandlung von schlecht heilenden tiefen Wunden und Entzündungen am ganzen Körper. Solche Haut- und Schleimhautinfekte können viral, bakteriell oder durch Pilze verursacht sein und im Mund, Genital- und Analbereich aber auch an allen anderen Körperteilen auftreten. Kamille wirkt unter anderem gegen Streptokokken, Staphylokokken, Trichonomaden und gegen Candida. Für Haut und Schleimhäute am ganzen Körper ist die Kamille zur Förderung der Wundheilung in Form von Crèmes, Tinkturen, Badezusätzen, als Kompresse, Spülung und für Sitzbäder geeignet. Neben der Wundheilungsförderung bewirkt Kamille auch die Schmerzlinderung, die Desinfektion und das Abtrocknen nässender Wunden sowie die Förderung der Geweberegeneration. Anwendungsgebiete sind Hämorrhoiden, Abszesse und Furunkel sowie Mund und Zahnfleischentzündungen. Eigentlich ist auch die Wirkung gegen Gastritis und Magengeschwüre eine äußerliche Anwendung der Kamille. Durch Teetrinken und Rollkur gelangen die Kamillen-Wirkstoffe direkt an die Wunde. Eine Aufnahme der Wirkstoffe über den Darm ins Blut ist nicht erforderlich.

Kamille hat praktisch keine Nebenwirkungen und wird allgemein sehr gut vertragen.


Autorin: Stefanie Goldscheider

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Quellen:
- Bühring, Ursel: Praxis-Lehrbuch der modernen Heilpflanzenkunde; 2. Auflage 2009; Sonntag, Stuttgart
- Fintelmann, V; Weiss, R.F.: Lehrbuch Phytotherapie; 11. Aufl. 2006; Hippokrates Verlag, Stuttgart
- Frohne, D.; Jensen: Heilpflanzenlexikon; 7. Aufl. 2002; Wissenschaftliche Verlags GmbH, Stuttgart
- Jänicke - Grünwald - Brendler: Handbuch Phytotherapie, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart, 2003
- Ingrid und Peter Schönfelder: Das neue Handbuch der Heilpflanzen;Kosmos Verlag Stuttgart, 2004
- Wichtl, M.: Teedrogen und Phytopharmaka, 4. überarb. Aufl. 2002; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart
- Zeitschrift für Phytotherapie, Hippokrates-Verlag