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Nachtkerze und Nachtkerzenöl

Oenothera biennis L., Onagraceae, Nachtkerzengewächse

(Oenothera biennis oleum)

Vorkommen: Die Nachtkerze Oenothera biennis ist eine krautige Pionierpflanze aus Amerika, die weltweit verwildert wächst und auch in Deutschland eingebürgert ist. Die Nachtkerze gedeiht auf Ödland oder an Bahndämmen, wird aber auch für medizinische Zwecke angebaut, wofür Sorten zur Verfügung stehen. Die zweijährige oder ausdauernde, 1m bis 1,5 m hoch wachsende Pflanze bildet im ersten Jahr nur eine Blattrosette aus. Nachtkerzen haben dicke Pfalhlwurzeln, die bis 1,5 m tief reichen und als Gemüse gegessen werden können. Die gelben duftenden Blüten öffenen sich abends und locken Insekten an. Wertvoll sind aber vor allem die kleinen Samen der Nachtkerze, die in länglichen Kapseln gebildet werden und zu den teuersten Ölfrüchten zählen.
Verwendung: Das aus den Samen der Nachtkerze durch Extraktion oder mechanische Pressung gewonnene fette Öl - das Nachtkerzenöl.
Inhaltsstoffe: Im Nachtkerzenöl über 80 % mehrfach ungesättigte Fettsäuren. Ungefähr 65 bis 85 % Linolsäure und ca. 8 bis 14% gamma-Linolensäure (Gammolensäure), Rest Ölsäure und Palmitinsäure.

Gamma-Linolensäure

Nachtkerzenöl ist eines der wenigen Pflanzenöle, welches Gamma-Linolensäure (GLA bzw. GLS) enthält. Gamma-Linolensäure ist eine essenzielle Fettsäure und zu sehr geringen Anteilen in Muttermilch, nicht aber in Kuhmilch enthalten. Essenzielle Fettsäuren regulieren unter anderem die Feuchtigkeit der Haut, sind also für die Schönheit, die von innen kommt, mitverantwortlich. Gamma-Linolensäure ist für normale Körperfunktionen unentbehrlich. Sie ist eine Vorstufe verschiedener Gewebehormone, nämlich der Prostaglandine. Prostaglandine erweitern beispielsweise die Blutgefäße, hemmen die Cholesterinsynthese und Entzündungen.

Darüber hinaus hat gamma-Linolensäure in den letzten Jahren bei der Behandlung verschiedener Krankheiten therapeutische Bedeutung gewonnen.

Nachtkerzenöl gegen Hautkrankheiten

Einen hohen Bedarf haben Patienten mit Neurodermitis, da durch einen Enzymdefekt ein Mangel an Gamma-Linolensäure besteht. Die Wirksamkeit der gamma-Linolensäure gegen Ekzeme, also Akne, Dermatitis und Psoriasis wurde in klinischen Studien belegt. Die Symptome wie trockene und gerötete Haut, Juckreiz und Schuppung werden durch die Einnahme von 2 bis 3 g Nachtkerzenöl pro Tag merklich gelindert.

Nachtkerzenöl und Hormonhaushalt

Eine andere Indikation für eine Behandlung mit Gamma-Linolensäure ist PMS, das prämenstruelle Syndrom. Das körperliche Wohlbefinden und die psychische Verfassung vor der Menstruation können offenbar durch die Einnahme von Gamma-Linolensäure verbessert werden. Die Wirkungsweise scheint komplex zu sein und hängt ebenfalls mit dem Fettstoffwechsel und dem Hormonhaushalt zusammen.

Auf jeden Fall ist die Einnahme von Nachtkerzenöl zur Nahrungsergänzung gesund, nebenwirkungsfrei und ohne Kontraindikation.


Autorin: Stefanie Goldscheider


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Literatur:
- Ternes, Täufel, Tunger, Zobel: Lexikon der Lebensmittel und der Lebensmittelchemie, WVG, 2006
- Van Wyk, C. Wink; M. Wink: Handbuch der Arzneipflanzen; Wissenschaftliche Verlags GmbH, 2004
- Koula-Jenik, Kraft, Miko, Schulz: Leitfaden der Ernährungsmedizin, Elsevier, München, 2006
- Ingrid und Peter Schönfelder: Das neue Handbuch der Heilpflanzen;Kosmos Verlag Stuttgart, 2004
- Brendler, Gruenwald, Jaenicke: Heilpflanzen-CD-ROM, Medpharm Scientific Publishers, 2003
- Jänicke - Grünwald - Brendler: Handbuch Phytotherapie, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, 2003