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Chaga

(Inonotus obliquus)

von Stefanie Goldscheider

Chaga an Birkenstamm

Der Schiefe Schillerporling (Inonotus obliquus) ist ein Heil- und Vitalpilz. Besser bekannt ist er unter dem Namen Chaga, gesprochen Tschaga. Der Name Chaga kommt aus dem Russischen. Der Pilz wächst auch in Deutschland. Für unsere Vorfahren in der Jungsteinzeit war eine besondere Eigenschaft des Chaga von großem Nutzen: Der korkartige, eher harte Baumpilz gehört zu den Arten, mit denen Feuer entfacht werden kann. Tatsächlich ist der Chaga mit dem Zunderschwamm verwandt. Chaga ist ein Porling und wächst auf Birken, die er zerstört. Er darf nicht mit dem Birkenporling verwechselt werden, der aber keine Ähnlichkeit im Aussehen besitzt (Bild rechts unten). Die Urbevölkerung Nordamerikas genauso wie Balten, Osteuropäer und Russen verwenden und schätzen den Chaga seit Jahrhunderten zur Vitalisierung und als Medizin. Birkenporling an Birke Insbesondere die russische Volksmedizin kennt viele Anwendungen des traditionellen Heilpilzes. Meist wird aus Chaga Tee gemacht. Chaga-Aufguss ähnelt in Aussehen und sogar im Geschmack Kaffee oder Schwarztee. Chaga-Tee schmeckt gut, aromatisch und leicht süßlich. Behandelt werden unterschiedliche Erkrankungen des Herzens, des Magens, des Darms, der Leber und der Haut sowie Tuberkulose und Tumore. Chaga und seine Extrakte werden in der begleitenden Krebstherapie eingesetzt.

 


Vorkommen und Merkmale: Das natürliche Verbreitungsgebiet des Schiefen Schillerporlings bzw. Chaga erstreckt sich über Europa, Nord- und Südamerika, Japan, Sibirien, Nordrussland und den Iran. Besonders häufig ist der Pilz in ausgedehnten Mooren mit Birkenwäldern. Chaga ist ein Parasit und ein Erreger von Weißfäule. Er beginnt sein Wachstum an lebenden Wirtsbäumen, vor allem an Birken. Der Wachstumszyklus des Chaga ist sehr interessant. Aus der Borke des befallenen Baumes kommt nach Jahren ein krebsartig aussehendes Gebilde zum Vorschein (Bild ganz oben). Es ist hart und unförmig, außen schwarz und spröde und innen braun und krümelig. Es ist die imperfekte Form [1] des Pilzes und fungiert als mehrjähriges Überdauerungsorgan, auch genannt Sklerotium [2]. Das Sklerotium wächst sehr langsam, dafür jahrelang und tötet dabei den Baum schließlich ab. Diese imperfekte Form ist steril beziehungsweise asexuell. Die Größe des Chaga Sklerotiums kann 10 bis 30 cm Durchmesser erreichen. Es kann bis zu 5 Kilogramm schwer werden. Im morschen Stamm wächst schließlich, ausgebreitet unter der Rinde, die Fruchtschicht. Diese perfekte Form bildet die sexuellen Sporen zur Fortpflanzung. Die Fruchtschicht ist einjährig und erscheint schließlich in Form sogenannter Stemmleisten, welche die tote Rinde durchbrechen. Aus den schief-stehenden Poren (Schiefer Schillerporling) entlässt der Fruchtkörper des Chaga schließlich seine Sporen, dann stirbt der Pilz ab. Diese generative Form von Chaga ist in unseren Wäldern selten, weil kranke und tote Bäume meist ausgeräumt werden.

Verwendung:

Der Chaga wird in Form des Sklerotiums, also der imperfekten Form geerntet und verwendet. Die häufigste Verwendungsform ist Tee-Aufguss aus zerkleinertem Chaga.

Inhaltsstoffe: Der harte Pilz besitzt keinen Nährwert und hat praktisch keine Kalorien. Er ist mit 15 % sehr mineralstoffreich mit viel Kalium, Natrium, Magnesium und Mangan. Bedeutsam sind seine wasserlöslichen Extrakte, die Polysaccharide beziehungsweise beta-Glucane, die Polyphenole, darunter die dunkel färbenden Melanine und die Triterpene. Die einzigartigen Triterpene vom Lanostan-Typ mit Lanosterol, Inotodiol und Trametenol-Säure in Chaga sind von besonderem medizinischen Interesse. Aus der medizinischen Forschung bekannte typische Pflanzen-Triterpene sind ebenfalls in Chaga hoch konzentriert, vor allem das Betulin aus der Birke.



Der Heilpilz zur Darmsanierung

chaga, geschitten

Die traditionell wichtigste Wirkung des Chaga ist die Heilung von Magen- und Darmerkrankungen. Der sehr wohlschmeckende Tee, der wie Kaffee aussieht, saniert das Verdauungssystem. Mit Chaga werden Magenschleimhautentzündungen und Magengeschwüre sowie Entzündungen von Zwölffingerdarm, Dünndarm, Dickdarm und Mastdarm behandelt. Chaga ist bei Colitis ulcerosa angezeigt und bei allen Veränderungen der Darmschleimhaut sowie bei Polypen im Darm. Durch die schützende, sanierende Wirkungsweise ist die vorbeugende Wirkung gegen Magenkrebs und Darmkrebs zu erklären, denn diese entzündlichen Erkrankungen sind ein Risikofaktor für Krebs. Die Darmsanierung mit Chaga wird auch im Zusammenhang mit den Erfolgen bei der Behandlung von Hauterkrankungen gesehen, gegen Ekzeme und Schuppenflechte sowie zur Wundheilung.

Antioxidativ, entzündungshemmend, immunstimulierend

Chaga ist schon allein wegen seines Wachstums ein ungewöhnlicher Pilz: Groß wie eine Melone aber in asexueller Form - wie Organismen zu Urzeiten der Evolution. Der eher unauffällige pilzliche Parasit ist mit konzentrierten Wirkstoffen aus seinem Wirt der Birke plus seinen eigenen artspezifischen Wirkstoffen ausgestattet. Chaga vereint in sich Substanzen mit unterschiedlicher Wirkung in besonders leicht löslicher und vom Körper aufnehmbarer Form. Chaga hat unvergleichlich hohe Gehalte an antioxidativen Polyphenolen, darunter das dunkel gefärbte Melanin. Sie schützen Zellen vor Strahlung und anderen Schadauslösern wie Chemikalien. In ähnlicher Weise wirken auch die Sterole Lanosterol und Ergosterol. Chaga gilt als wirksam zur Immunstimulation, zur Entzündungshemmung und zur Infektionsabwehr. Er wirkt gegen Grippeviren und gegen grippale beziehungsweise virale Infekte.

Chaga gegen Tumore

Zur Vorbeugung und begleitenden Therapie von Krebserkrankungen sowie zur Hemmung des Tumorwachstums oder der Metastasenbildung sind ungiftige und nebenwirkungsfreie Lebens- und Heilmittel von größtem Nutzen und Interesse. Schon lange Zeit im Fokus, mit ihren das Immunsystem fördernden, entzündungshemmenden und antimikrobiellen Inhaltsstoffen, sind Vitalpilze. Auf direkte Weise stark krebshemmend ist zudem das nur in Chaga gefundene Sterol Inotodiol. Der durch Melanin dunkel gefärbte Chaga ist sehr stark antioxidativ wirksam. Dazu kommt seine Schutzwirkung für die Verdauungsorgane. Insgesamt kann damit eine krebshemmende oder das Tumorwachstum verlangsamende Wirkung erzielt werden. Die Krebsarten bei denen Chaga zum Einsatz kommt, oft begleitend zur Chemotherapie oder nach der operativen Entfernung von Tumoren, sind Magen- und Darmkrebs, Hautkrebs sowie das Hodgkin-Lymphom.

Die krebsauslösenden Vorgänge im Körper, das Wachstum von Tumoren und die Bildung von Metastasen sind durch Prozesse und Rückkopplungen gesteuert, die immer detaillierter erforscht werden und Ansatzpunkte für Therapien liefern. Bekannt ist, dass Naturheilmitteln, die oft hunderte von Substanzen enthalten, komplexe Wirkungsweisen an unterschiedlichen Wirkorten im Organismus entfalten. Oft ist die Wirkung besser, als es wissenschaftlich nachweisbar ist.


Autorin: Stefanie Goldscheider


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Anhang

[1] Die imperfekte Form von Pilzen, auch als Nebenfruchtform bezeichnet, ist im Gegensatz zur Hauptfruchtform stets steril. Von bis zu 30 000 Pilzen (von geschätzten 1,5 Millionen Arten) kennt man nur diese imperfekte Form. Die Nebenfruchtform vermehrt sich ohne Sporen, also allein durch asexuelle Teilung. Man nennt diese Pilze Fungi imperfecti. Von Chaga kennt man aber auch die sexuelle Hauptfruchtform mit Sporen.

[2] Der Begriff Sklerotium kommt vom griechischen Wort sklerós, welches "hart" bedeutet. Sklerotium ist der Fachbegriff für eine verhärtete Überdauerungsform beziehungsweise das Speicherorgan einiger Pilzarten. Besonders auffällig und groß wird dieses Sklerotium beim Chaga. Bei einem Sklerotium handelt es sich um stark verdichtete Myzel-Stränge. Das Skerotium ist rein vegetativ also - anders als ein Same - asexuell. Das bekannteste Sklerotium im Pilzreich ist das Mutterkorn. Der korngroße, schwarze, harte und vor allem giftige Befall mit dem Pilz Claviceps purpurea wird vor allem in Roggen beobachtet, kommt aber auch in allen anderen Getreidearten sowie Gräsern vor. Die Alkaloide des Mutterkornpilzes verursachen Krämpfe, Lähmungen, Halluzinationen und können tödlich sein! Auch weitere Pilzkrankheiten an Pflanzen werden von Pilzen verursacht, die bei günstigen Bedingungen aus Sklerotien auswachsen. Doch auch einige Speisepilze, darunter Seitlinge und Morcheln bilden Sklerotien als Überdauerungsform und sind ungiftig!



Erscheint am 9. April 2018:

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Von Stefanie Goldscheider

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Quellen und Literatur zu Inonotus obliquus und Heilpilzen

- Heilende Pilze, Jürgen Guthmann, Quelle & Meyer 2016

- Mycelium running. How mushrooms can help save the world. Paul Stamets, 2005, Ten Speed Press

- Growing Gourmet and Medicinal Mushrooms, Paul Stamets, 3rd ed. 2000, Ten Speed Press