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Welche Siegel garantieren Bio-Qualität?

von Franziska Lemuk

Bio liegt im Trend. Aus einer kleinen Bewegung ist ein Massenphänomen geworden. Mit dem breiten Zuspruch der Konsumenten und dem Einzug in die Supermärkte entstanden eine Vielzahl neuer Bio-Siegel und Zertifikate, die Produkte als „Bio“ kennzeichnen. Doch was ist eigentlich Bio – und welche Qualitätskriterien liegen den Siegeln zugrunde?

Deutsches Biosiegel und EU-Verordnung

staatliches BiosiegelBio, das ist zunächst, was gesetzlich definiert ist. Um den ökologischen Anbau einheitlich zu standardisieren und den Verbrauchern Überblick zu verschaffen, wurde 2001 das bekannte sechseckige Deutsche Bio-Siegel ins Leben gerufen (Bild rechts). Obwohl es 2012 vom grünen EU-Biosiegel (Bild rechts unten) mit der Ehrenform aus EU-Sternen abgelöst wurde, prangt es immer noch auf vielen Produkten, da es für viele Verbraucher nach wie vor für Qualität steht. In jedem Fall gilt für alle Produkte, die unter der Bezeichnung „Bio“ über die Ladentheke gehen, die EG-Öko-Verordnung der EU. Diese setzt hohe Maßstäbe an Nachhaltigkeit, Schonung der Ressourcen, Reduktion der Umweltbelastung und artgerechte Tierhaltung. Grundlage für Futter und Nährstoffe soll der eigene Betrieb sein, um einen möglichst geschlossenen Nährstoffkreislauf zu gewährleisten. Eu-BiosiegelChemische Pestizide und Gentechnik werden beim Anbau ausgeschlossen. Das EU-Bio-Siegel ist für Bioprodukte gesetzlich vorgeschrieben und muss mit einem Kontrollstellencode auf der Verpackung ausgewiesen werden, der es ermöglicht, die Herkunft der Produkte nachzuverfolgen. So weit, so eindeutig. Doch wie Bio ist das Siegel wirklich?

Nur „Bio light“?

Die EU-Richtlinien setzen Mindeststandards und bringen europaweite Anbauinteressen auf einen gemeinsamen Nenner. Viele Kritiker sprechend bei der EU-Verordnung daher von „Bio light“ - mit dem hohen Idealen der ursprünglichen Ökobewegung hat sie nur die Grundlagen gemein. So müssen laut EG-Öko-Verordnung nur 95 Prozent der Zutaten landwirtschaftlichen Ursprungs aus ökologischem Anbau stammen, um ein Produkt „Bio“ zu nennen. Außerdem sind weiterhin 47 Zusatzstoffe für Bioprodukte zugelassen. Das sind zwar deutlich weniger als die 316 Zusatzstoffe, die in regulären Produkten zugelassen sind, doch befinden sich auf der Liste auch äußerst strittige Stoffe wie das Nitritpökelsalz, das vielfach für krebserregend gehalten wird. Ein weiteres Beispiel für die vergleichsweise lockere Regelung der EU ist die Ausnahmeregelung für Saatgut: Ist zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht ausreichend Bioqualität am Markt, dürfen die Samen für Bioprodukte aus konventionellem Anbau stammen (wobei Gentechnik und chemische Vorbehandlungen ausgeschlossen bleiben).

Besonders beim Tierschutz offenbaren sich Unterschiede, da die Definition von artgerechter Tierhaltung der EU vielen Tierschützern nicht weit genug geht. So erlaubt das Deutsche Biosiegel beispielsweise doppelt so viele Legehennen auf gleichem Raum als andere Siegel und schließt lange Tiertransporte vor der Schlachtung nicht aus.

Kann man den Biosiegeln der Diskounter trauen?

Neben dem EU-Biosiegel setzen viele Hersteller auf eigene Labels, um Bioprodukte kenntlich zu machen. Wie im Bioladen sind die Produkte meist etwas teurer und versprechen nachhaltigen Konsum und eine gesunde Ernährung. Kein Wunder, immerhin ist Bio in den letzten Jahren von einer kleinen Nische für umweltbewusste Genießer zu einer großen Branche geworden, die Umsatz und Arbeitsplätze schafft – und zwar längst nicht mehr nur in der Landwirtschaft, sondern auch in Herstellung und Vertrieb oder gar in Forschung und Wissenschaft. Verständlich, dass auch die großen Lebensmittelketten da mitmischen wollen und die neuen Bio-Labels nur so aus dem Boden schießen. So gibt es „Aldi Bio“, „Naturgut“ von Penny, „REWE Bio“, „Biotrend“ bei Lidl, „BioBio“ bei Netto und „Grünes Land“ bei Metro. Sehr zur Verwirrung der Verbraucher, die sich längst fragen, ob überall Bio drin ist, wo es draufsteht. Grundsätzlich gilt: Auch für diese Eigenmarken gilt die EG-Öko-Verordnung der EU. In den meisten Fällen erfüllen diese Marken schlicht und einfach diese Richtlinien und gehen nicht darüber hinaus, auch wenn sie scheinbar eigene Qualitätskriterien formulieren.

Hundert Prozent Bio, bitte!

Wer hundert Prozent echtes Bio will, der sollte sich daher an die großen, unabhängigen Ökosiegel halten. Diese haben vielfach strengere Auflagen als die Mindeststandards der EU. Vor allem aber stellt biologischer Anbau für diese Organisationen kein Verkaufsargument dar, sondern ist Teil einer Unternehmensphilosophie, die sich auch über die Produkte hinaus für Nachhaltigkeit, Umweltpolitik und Tierschutz engagiert. Dabei setzt jedes Ökosiegel eigene Schwerpunkte. Den folgenden drei begegnet man in deutschen Geschäften am häufigsten.

Bioland

Mit über 5.000 Mitgliedsbetrieben ist Bioland der größte Öko-Anbauverband in Deutschland. Die Mitglieder haben sich der Kreiswirtschaft verpflichtet, die eine nachhaltige Bewirtschaftung der Ackerböden in den Mittelpunkt stellt. Dazu gehört ein Verzicht auf Kunstdünger, Pestizide und Gentechnik, die ausschließliche Verwendung von Bio Saatgut sowie eine schonende Verarbeitung aller Produkte. Für die Tierhaltung und für Betriebe, die Fleisch verarbeiten, herrschen strenge Auflagen. Allgemein gilt: Biotiere haben generell mehr Platz, mehr Auslauf und Möglichkeiten für ein artgerechtes Leben. Zum Beispiel bekommen bei Bioland nicht mehr als 140 Legehennen auf einen Hektar Nutzfläche – zum Vergleich: Die konventionelle Legehuhnhaltung erlaubt bis zu 500 und auch die EG-Öko-Verordnung liegt mit 230 Hühnern pro Hektar deutlich darüber. Alle Bioland-Tiere werden 100 % biologisch ernährt und in den Fleischprodukten muss vollständig deklariert werden, was drinsteckt.

Naturland

Das Ökosiegel Naturland verfügt über ähnlich strenge Auflagen für die Herstellung von Lebensmitteln. Darüber hinaus findet es auch im Bereich Textilien, Holzverarbeitung und anderen Bereichen Anwendung. Viele internationale und tropische Produkte aus fairem Handel sind Naturland-zertifiziert. Eine Besonderheit des Naturland-Siegels ist der ganzheitliche Ansatz: Nicht nur die Herstellung selbst, sondern auch die Verarbeitung und die Verbreitung aller Produkte sollen Kriterien der Nachhaltigkeit genügen. Somit wird versucht, den ganzen Wirtschaftskreislauf zu erfassen und insgesamt ökologischer zu gestalten. Ein wichtiger Bestandteil dieses Engagements stellt der aktive Umweltschutz dar, der sich für den Erhalt von Luft, Boden und Wasser einsetzt. In Sachen Viehzucht und Tierhaltung folgen die Kriterien des Vereins den Standards der EG-Öko-Verordnung.

Demeter

Demeter ist das Ökosiegel mit den strengsten Vergabekriterien und steht für eine biologisch-dynamische Landwirtschaft in der Tradition von Rudel Steiner. In dessen anthroposophischer Philosophie steht das harmonische Zusammenspiel von Mensch und Natur im Zentrum, bei dem auch kosmische Einflüsse eine Rolle spielen. Hauptaugenmerk liegt auf der Pflege eines fruchtbaren Ackerbodens, dessen Qualität nicht ausgebeutet, sondern immer weiter verbessert werden soll. Durch eigens hergestellte Präparate aus Heilpflanzen, Mist und Mineralien wird dies nachhaltig gefördert. Auch in Sachen Tierhaltung sind die Demeter-Kriterien die striktesten und reichen von der Beschaffenheit der Ställe bis zur genauen Art der Fütterung. Sie setzt 100% Biofutter, Naturheilverfahren bei Erkrankungen und einen aktiven Tierschutz voraus. So ist die schmerzhafte Enthornung von Rindern aus Haltungsgründen zwar laut Öko-Verordnung nicht routinemäßig vorgesehen, doch nur bei Demeter ist sie ausdrücklich verboten.



Bioland, Naturland und Demeter sind die drei größten Biosiegel in Deutschland. Darüber hinaus gibt es viele weitere, die teilweise eher regional aktiv sind oder sich auf bestimmte Aspekte konzentrieren. Eine gute Übersicht mit weiteren „echten“ Biosiegeln gibt es auf der Seite biodukte.de, auf der man auch gleich den nächsten Bioladen in seiner Nähe finden kann.

 

 

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