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Baumwolle und Naturtextilien

von Stefanie Goldscheider

Baumwolle - Stoff, der unter die Haut geht

Baumwolle hat ein positives Image und gilt als natürlich und hautfreundlich - zu Recht und zu Unrecht. Baumwolle ist eine Naturfaser mit hervorragenden Eigenschaften. reife Baumwolle an der Pflanze Sie ist hautsympathisch, weich, strapazierfähig, atmungsaktiv und waschbar. Doch leider enthält ein herkömmliches Baumwoll- T-Shirt auch einen erheblichen Anteil an Chemie. Bei der Ausrüstung oder Veredelung der Baumwollfaser werden oftmals Fomaldehyde oder Schwermetalle mit allergenem und krebserzeugendem Potenzial verwendet und können beim Tragen der Kleidung direkt auf und durch unsere Haut gelangen.

Negative Schlagzeilen macht auch der konventionelle Baumwollanbau. Die intensive Bewirtschaftung der großflächigen Monokulturen hat bei der Faserpflanzen Nummer 1 besonders dramatische Nebenwirkungen. Über 10 % aller weltweit eingesetzten Pestizide, darunter einige der gefährlichsten Nervengifte, werden allein im Baumwollanbau ausgebracht. Enorme Mengen an Süßwasser werden verbraucht und vergiftetes Grundwasser wird hinterlassen um billigste T-Shirts mit geringer Haltbarkeit anzubieten. Verschlimmert wird diese Bilanz durch ausbeuterische Arbeitsbedingungen und Kinderarbeit in so genannten Billiglohnländern. Hier werden moderne Sklaven gehalten um die Preise für Textilien noch weiter zu senken.

Die direkten und indirekten Folgen herkömmlicher Anbau- und Verarbeitungsmethoden gehen wahrlich unter die Haut. Doch anders als bei Nahrungsmitteln, die längst überall auch in Bio erhältlich sind, ist die Verbreitung von Naturtextilien aus Biobaumwolle noch gering.



Geschichte der Baumwolle

Die Baumwollpflanze

Die Baumwollfaser

Transgene Baumwolle

Konventioneller Baumwollanbau

Bio-Baumwolle

Eigenschaften von Baumwollfasern

Naturtextilien



Von den ersten Textilien zur Welt-Naturfaser

Baumwolle wird seit mindestens 5000 Jahren zu Stoffen und Kleidung verarbeitet. Gewebe und Schnüre aus den weltweit beheimateten Pflanzen wurden sowohl in Asien als auch in der Neuen Welt unabhängig voneinander erfunden. Die Maya im heutigen Mexiko und die Inka in Peru bauten ab ungefähr 5000 v. Chr. bereits planmäßig Baumwolle an. Ähnliches weiß man aus Indien und Pakistan.

In Deutschland wurde die Baumwolle erst im Mittelalter bekannt, hatte aber Jahrhunderte lang kaum Bedeutung. Leinen, Hanf und Wolle waren hier bis ins 19. Jahrhundert die wichtigsten Lieferanten für alle Textilien. In England wurde ab dem späten 17. Jahrhundert Baumwolle versponnen und verwebt. Sie stammte aus Baumwollplantagen im Süden der USA. Damals musste die leichte reißfeste Faser noch in Handarbeit von den zahlreichen Samenkörnern getrennt werden. Das änderte sich mit der Erfindung verschiedener Maschinen Ende des 18. Jahrhunderts in England. Die Spinnmaschine (Spinning Jenny) und der mechanische Webstuhl begründeten die industrielle Revolution in ganz Europa und machten tausende von Heimwerkern arbeitslos. Die Entkörnungsmaschine (Cotton Gin) (Bild links) war die Grundlage für den weltweiten Siegeszug der Baumwolle und verschaffte ihr bald darauf einen Marktanteil von 80 % aller Fasern.

Auch heute noch, Jahrzehnte nach der Erfindung von Synthetikfasern, hat Baumwolle einen weltweiten Anteil von 40 % aller Textilien.

Baumwolle löste weitreichende kulturelle und technische Veränderungen aus. Es entstand eine Textilindustrie und später eine Modebranche, in der weitere innovative Erfindungen gemacht wurden.  So stellte man immer neue Fasern  und Garne her, kreierte daraus neuartige Stoffe und Mischgewebe mit neuen funktionalen Eigenschaften. Zudem sorgten kreative Schneider und Modeschöpfer für immer neue Muster und Schnitte  und  weltweit bunte und vielfältige Mode.




Die Baumwollpflanze

Baumwolle (Gossypium spec.) gehört zur Familie der Malvengewächse (Malvaceae) und bildet Blüten, die Hibiscus, Eibisch und Stockrose ähneln (Bild rechts, Baumwollblüte). Die Wildarten der Gattung Gossypium sind mehrjährige Büsche bis Bäume und kommen in den warmen Sommerregengebieten der Tropen und Subtropen vor. Die anspruchslosen Altweltarten G. herbaceum aus Afrika und G. arboreum aus Indien haben nur noch regionale Bedeutung. Kultivare der Neuweltarten G. barbadense aus Peru, die die hochwertigste Faser liefert und vor allem von G. hirsutum werden heute weltweit angebaut. Nach Jahrtausende langer Auslese sowie durch herkömmliche Kreuzungs- und Züchtungsmethoden verfügt man über ein großes Sortiment an Kultursorten, die meistens einjährig angebaut werden.

Eine Besonderheit ist die 'farbig gewachsene Baumwolle', die aus Peru stammt und die es zur Zeit der Inka in vielen natürlichen Farbtönen gegeben hat. Das Besondere daran ist, dass die Farbtiefe mit den Waschgängen zunimmt! Heute sind nur noch grüne und braune Varianten bekannt.


Flauschiges an giftigem Kraut

Bei Baumwolle gewinnt man die Faser aus den Früchten beziehungsweise Samen - ganz anders als bei den ursprünglich in Europa genutzten Faserpflanzen Flachs, Hanf und Nessel.

Die Baumwollfrucht ist eine Kapsel, die aufspringt, wenn sie reif ist (Bild rechts). Es quellen dann 20 bis 40 stark behaarte Samen heraus - die Saatbaumwolle. Die Samenhaare bestehen im Wesentlichen aus Zellulose. Je länger diese Haare sind, desto wertvoller ist die Baumwolle und desto feiner kann sie versponnen werden. Die so genannte 'Stapellänge', wie auch die Farbe und der Glanz der Faser sind abhängig von der Baumwollart, Baumwollsorte und den Anbau- sowie Erntebedingungen.
Die schwarzen Samen selbst sind ölhaltig und werden zu Öl gepresst - dem Baumwollsaatöl. Da die ganze Baumwollpflanze das giftige 'Gossypol' enthält, muss das gewonnene Öl vor dem Verzehr raffiniert werden. Es wird überall in den Erzeugerländern als Speiseöl verwendet. Pressrückstände und auch das Kraut der Pflanzen sind ebenfalls giftig, allerdings nicht für Wiederkäuer und Kamele, an die es problemlos verfüttert werden kann.

Baumwolle und Gentechnik

Wegen des großen Saatgutbedarfs zur jährlichen Aussaat ist Baumwolle ein lukratives Geschäft für internationale Saatgutkonzerne. Aus diesem Grund ist Baumwolle, wie einige andere Weltkulturpflanzen auch (Soja, Mais, Reis), Gegenstand gentechnischer Veränderungen: - Ein häufig in Nutzflanzen eingebautes patentiertes Gen des Saatgutmultis Monsanto bewirkt deren Tolerenz gegen ein Unkautvernichtungsmittel (Herbizid), das Pflanzen normalerweise komplett abtötet. So muss weder Unkraut gehackt werden noch müssen andere Herbizide eingesetzt werden. Angeblich soll sich durch das neue Gen die Anwendung von Herbiziden in transgener Baumwolle insgesamt vermindern lassen.
Doch ist das Gegenteil der Fall:

  • Die Verträglichkeit der GMO-Baumwolle gegenüber dem Wirkstoff Glyphosat erlaubt seinen verstärkten Einsatz. So nahm der Umsatz von des totalherbizids Glyphosat kräftig zu. Es wird unter dem Namen 'Roundup' zusammen mit dem transgenen "Roundup-Ready"-Saatgut vom gleichen Konzern im Paket vertrieben. Inzwischen ist Roundup zu einem weltweiten Problem für das Grundwasser geworden. Es hat andere Pflanzen rsistent gemacht, so dass immer größere Mengen davon versprüht werden. Seine Schädigung des Bodenlebens nimmt zu.
  • Baumwoll-Arten besitzen eine natürliche hohe Giftigkeit durch das in ihnen enthaltene Gossypol. Trotzdem wird die Baumwollpflanze von unterschiedlichen Schadinsekten heimgesucht. Zur Insektenabwehr wurde ihr bei Monsanto ein artfremdes Gen eines Bakteriums - des Bodenbakteriums Bacillus thuringiensis (Bt) - eingebaut, das bewirkt, dass die sogenannte "Bollgard-Baumwollpflanze" ein weiteres Toxin produziert, gegen den "Bollworm".

  • Allerdings ist dieses neue Gift nur gegen eher harmlose Schadinsekten der Baumwolle wirksam - und gegen verschiedene Nützlinge. Doch transgene Baumwolle neigt dazu, die Baumwollkapseln abzuwerfen bevor sie reif sind, was zu totalen Ernteausfällen führen kann.Todesfälle und Allergien bei Baumwoll-Anbauern in den USA, vergiftete und verendete Schafe und tausende von Selbtmorden unter indischen Baumwollbauern veranlassten Monsanto zu Entschädigungszahlungen. Es sollte nicht publik werden, daß transgene Bollgard-Baumwolle plötzlich ihre Kapseln abwirft oder sich besonders anfällig gegenüber Pilzkrankheiten zeigt.

Zu befürchten ist aber vor allem die Auswirkung des Bt-Toxins auf Nutzinsekten und andere pflanzen- oder insektenfressende Tiere rund um die Baumwollplantagen. Eine Gefahr ist auch die Einkreuzung des Bt-Gift-Gens in die natürliche Vegetation. Dann wären plötzlich alle Pflanzenfresser in Gefahr sich beim normalen Grasen zu vergiften. Gentechnisch veränderte-Baumwolle ist weltweit auf mehr als der Hälfte aller Fächen im Anbau.

Konventioneller Baumwollanbau - Tragödien von Verwüstung und Tod

Bewässerungslandwirtschaft und Salzwüsten

Baumwolle hat trotz tiefreichender Wurzeln einen relativ hohen Wasserbedarf. Für hohe Erträge ist neben Wasser viel direkte Sonnenstrahlung notwendig. Will man die weiße Zellulosefaser gewinnen, so ist andererseits jeder Regenschauer in die nach und nach sich öffnenden Kapseln abträglich für die Qualität.

Aus diesem Grund wird Baumwolle häufig in den sommertrockenen Subtropen angebaut und dabei stark bewässert. Am Aralsee führte dies beispielsweise zum Absinken des Wasserpegels um 20 Meter, zur extremen Salzanreicherung im See und zu Mangel an Trinkwasser. Das dramatische Schwinden des einstmals viertgrößten Binnensees hatte und hat bis heute fatale Folgen für die 20 Millionen Einwohner der Region, die traditionell vom Fischfang und der Landwirtschaft leben konnten. Versalzung und Versteppung der trockengefallenen Böden haben Armut und Hunger hinterlassen.

Der Anbau der Baumwolle für eine einzige Jeans verschlingt übrigens bis zu 8000 Liter Wasser (Angabe von PAN, Pestizid Aktions Netzwerk).

Monokulturen und Pestizideinsatz

Unter feucht-heißen Bedingungen vermehren sich Krankheiten und Schädlinge rasant. Deswegen werden hier regelmäßig unspezifisch wirkende Pestizide gespritzt. Verschlimmert wird der Befallsdruck in großflächigen Monokulturen, die Jahr für Jahr auf den gleichen Fächen angelegt werden. Gegen Insekten in Baumwolle werden weltweit ein Viertel aller Insektizide, darunter einige der gefährlichsten Nervengiften angewendet. Akute Vergiftungen und tödliche Unfälle sind auch in den Baumwollplantagen im Süden der USA an der Tagesordnung, wo die Pestizide mit dem Flugzeug ausgebracht werden. Die langfristigen schädigenden Wirkungen des Pestizideinsatzes auf Menschen äußern sich seit Mitte der 1970er Jahre beispielsweise am Aralsee in Form von Infektionskrankheiten wie Tuberkulose und Hepatitis, Atemwegserkrankungen, Krebs, hoher Kindersterblichkeit und Missbildungen.


Massenware Baumwolle

Zur Kostensenkung und Produktivitätssteigerung wird die weiße Naturfaser oft maschinell geerntet. Davor ist es notwendig das grüne Kraut durch den Einsatz von Entlaubungsmitteln abzutöten (Bild rechts). Die Erntequalität wird durch den Maschineneinsatz allerdings nicht verbessert, denn auch unreife oder verdorbene Baumwoll-Fasern sowie Kapsel- oder Blattstücke werden von den Maschinen mit erfasst. So wird verständlich warum T-Shirts, die für sehr wenig Geld zu kaufen sind, nach einmaligem Tragen und Waschen bereits alt aussehen.

Baumwollbauern in der Schuldenfalle

Die dramatischen Folgen des herkömmlichen Baumwollanbaus führen vielerorts in die Sackgasse. Immer weiter steigende Kosten für noch mehr Pestizide gegen die immer weiter zunehmende Zahl an resitenten Schädlingen verschlingen 50% bis 70% der Erlöse. Das ökologische Desaster und die Überschuldung der Baumwoll-Bauern erfordern eine andere Produktionsweise. Doch auf ausgelaugten Böden mit einer artenarmen oder toten Flora und Fauna ist es schwer ein natürliches biologisches System neu zu etablieren.

Biologischer Baumwollanbau - kleine und große Erfolgsgeschichten

Die Prinzipien des Bioanbaus

Die Säulen jeder biologischen und nachhaltigen Wirtschaftsweise sind ein fruchtbarer Boden sowie eine artenreiche Umwelt mit Blütenpflanzen, Insekten, Vögeln und anderen Tieren in einem natürlichen Gleichgewicht. Unterschiedliche Pflanzenarten bieten Versteck, Brutgelegenheit und Nahrung für verschiedene insektenfressende Tierarten. Diese wiederum sorgen dafür, dass Schädlinge nicht überhand nehmen. Ein gesunder und belebter Boden trägt zu gutem Wurzelwachstum und besserer Toleranz der Kulturpflanze gegenüber Insektenfraß und Dürre bei. Für eine Bio-Zertifizierung müssen die Flächen deswegen mindestens drei Jahre lang nach den Regeln des biologischen Landbaus ohne chemisch-synthetischen Pestizide und Düngemittel bewirtschaftet worden sein. Der Einsatz gentechnisch veränderter Organismen, also auch von Gen-Baumwolle, ist grundsätzlich verboten.

Anbau von Biobaumwolle

Hirse oder Reis unterbricht die Vermehrung von Baumwollschädlingen. Es ist aber auch notwendig Schadensschwellen (1) zu erkennen und zu beurteilen um rechtzeitig beispielsweise mit Pheromonfallen (2) gegen Insekten vorzugehen oder mechanisch Unkraut zu hacken. Mischkultur mit Leguminosen wie beispielsweise mit Erdnüssen oder Soja, erschließt Nährstoffe und stellt Stickstoff für die Baumwollpflanze bereit. Die Düngung mit organischen Abfällen aus der Ölpressung oder mit Kuhmist verbessert das Bodenleben und erhöht den Humusgehalt im Boden. Wird die Baumwolle nicht oder weniger bewässert, so ist ihr Wachstum begrenzt. Die Vermehrungszyklen von Krankheiten und Schädlingen können so auf natürliche Weise unterbunden oder verkürzt werden. Allerdings ist meist auch die Erntemenge geringer.

 

Handernte für hohe Baumwollqualität

Beim kontrolliert biologischen Anbau dürfen keine Entlaubungsmittel eingesetzt werden. Deswegen wird mehrfach von Hand geerntet (Bild links, BioRe). So wird sichergestellt, daß nur voll ausgereifte Kapseln mit weißen, langen und dauerhaften Samenhaaren in die Weiterverarbeitung gelangen.

Die Saatbaumwolle muss vor Ort entkernt und zu Ballen verpresst werden, bevor sie gelagert oder verschickt werden kann.

Der Qualität solcher Baumwolle entsprechend, ist der für die Bauern erzielbare Preis pro Kilogramm höher, was den geringeren Ertrag meist ausgleichen kann. Die Abnehmer der kbA-Bamwolle zahlen zusätzlich Bio-Prämien von 20 bis 40 % für den Mehraufwand aus.

In den USA und der Türkei, die eine Vorreiterrolle einnahmen, wurden Ende der 1980er Jahre erste Versuche mit dem biologischen Baumwollanbau gemacht. Heute wird in 24 Ländern der Erde auf allen Kontinenten unter den jeweiligen Standortverhältnissen erfolgreich Bio-Baumwolle produziert.

Die gesamte Ernte an Baumwolle aus kontrolliert biologischem Anbau (kbA) lag im Jahr 2001 bei knapp 6.000 Tonnen, gerade einmal 0,03 % der Weltproduktion. Fünf Jahre später im Jahr 2006 waren es knapp 60 000 Tonnen. Seit 2009 sinkt der Anteil des Biobaumwollanbaus wieder, weil die Textilindustrie zu wenig Biobaumwolle nachfragt.

Eigenschaften von Baumwolle

Kleidungsstücke aus Baumwolle können sehr viel Feuchtigkeit aber auch Salze, Säuren und Hautfett aufnehmen. Sie fühlen sich noch trocken an, wenn sie 20 % ihres Gewichtes an Wasser aufgesogen haben und tropfen erst, wenn sie zu mehr als 65 % vollgesaugt sind. Baumwollfasern sind nass noch reißfester als trocken, weswegen sie sehr gut waschbar sind. Weiße oder farbechte Baumwollartikel können gekocht und heiß gebügelt werden, Eigenschaften, die im Hinblick auf die Hygiene bedeutsam sind. Baumwolltextilien sind kaum wärmeisolierend, dafür aber atmungsaktiv. Sie fühlen sich weich an, sind sehr angenehm auf der Haut zu tragen, verfilzen nicht und laden sich nicht elektrostatisch auf. Allerdings sind Baumwollfasern kaum elastisch und knittern stark. Sie gehen beim Waschen ein.

Naturtextilien

100 % Baumwolle ?

Vor dem Spinnen oder Zwirnen der Garne (Bild links) für die jeweils gewünschte Verwendung müssen die Baumwollfasern aufbereitet werden. Auch die gewebten oder gewirkten Stoffe werden für ihre unterschiedliche Funktionalität veredelt. Ob Frottee, Jersey oder Satin, ob flauschige Unterwäsche oder strapazierfähige Jeans, die konventionelle Textilveredelung umfasst oftmals den Zusatz von Substanzen, die das Aussehen sowie die Verarbeitungs- und Gebrauchseigenschaften verbessern. Man spricht auch von der so genannten Ausrüstung. Damit sind hunderte bis tausende von Substanzen gemeint, die meist ein gut gehütetes Geheimnis der Textilindustrie bleiben.

Ohne jede Deklaration können bis zu 20 % an Zusatzstoffen im Endprodukt enthalten sein. Die Belastung der Umwelt durch die einzelnen Verfahrensschritte werden dabei genauso wenig offen gelegt wie die Verträglichkeit für Haut und Organismus oder das Allergien auslösende Potenzial der in den Textilien verbleibenden Substanzen.


Die Ausrüstung ist in erster Linie eine Kostenfrage. Mit etwas Forschung und Erfindergeist können praktisch alle Verfahrensschritte bei der Veredelung der Textilien ohne gefährliche Chemikalien durchgeführt werden. Doch leider geht der Trend in eine andere Richtung. Zunehmend werden Textilien in Billiglohnländern, die praktisch keine Standards für Umweltverträglichkeit oder Arbeitssicherheit vorgeben, gefertigt.

Ganz anders ist dies bei einigen Herstellern von Naturtextilien. Sie setzten ökologische und soziale Standards für die gesamte textile Kette vom Baumwollanbau über das Stricken, Wirken, Weben, Färben, Nähen und Bedrucken.

100 % Baumwolle !

Hersteller von Naturtextilien vermeiden den Einsatz der umweltbelastenden optischen Aufheller und chlorhaltigen Bleichmittel und bleichen auf Sauerstoffbasis. Zum Färben werden schwermetallfreie Farbstoffe ohne allergenes Potential verwendet. Formaldehydhaltige Kunstharze für die Pflegeleicht-Ausrüstung sind tabu und werden durch mechanische Verfahren ersetzt. Mit Hitze, Feuchtigkeit und Druck kann Schutz gegen das Einlaufen erzielt werden. Man nennt die natürlichen Verfahren auch Sanforisieren oder Krumpfen. Das Kalandern zur Erzeugung von Glanz oder das Rauen zur Erzeugung flauschiger Kleidungsstücke geschieht bei Naturtextilien ebenfalls chemiefrei auf mechanisch-physikalischem Weg.

antimikrobielle Ausrüstungzur Vermeidung unangenehmer Gerüche steht im Verdacht die natürliche Hautflora zu schädigen und gefährliche Bakterien resistent gegen Antibiotika zu machen. Sie vermindert den Tragekomfort, die natürlichen hygienischen Eigenschaften und die Haltbarkeit der Baumwolltextilien.

Der Verzicht auf gefährliche Chemikalien beeinträchtigt weder die Farbauswahl, noch die Passform oder den Tragekomfort. Im Gegenteil sind Naturtextilien häufig aus fließenden, farbechten Stoffen hochwertig verarbeitet und halten auch nach vielen Wäschen die Form.


Das traditionsreiche Mode-Versandhaus Witt Weiden bietet seit über 10 Jahren Naturtextilien aus 100 % Biobaumwolle unter der Marke Pure Wear an, die unter sozialverträglichen Arbeitsbedingungen gefertigt werden.



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Baumwoll-Seite für Kinder - Baumwoll-Pflanze
- Naturfasern
- Geschichte der Baumwolle, der Mode, der Jeans
- Wasserverbrauch und Bodenversalzung in Baumwollplantagen
- Pestizide & Gentechnik bei Baumwolle
- Biobaumwolle - Fairer Handel - Naturtextilien



Anhang
(1) Schadensschwelle meint im agronomischen Sinn die durch Beobachtung und Messung ermittelte definierte Anzahl beispielsweise von Unkräutern pro Quadratmeter oder einer Insektenart pro Pflanze, ab der eine Behandlung notwendig und wirtschaftlich wird um größere Schäden an der Kulturpflanze zu vermeiden.
(2) Pheromonfallen dienen dem Zweck, Insekten mittels Sexuallockstoffen zu verwirren und so an der Befruchtung oder Eiablage und damit der Vermehrung zu hindern.


Andere Naturfasern:
- Kapok - der Seidenwollbaum
- Hanf - die Faserpflanze