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Gesund und fit mit Spirulina
Von Stefanie Goldscheider
Nutzen oder Risiko?
Spirulina ist in aller Munde.
Was die einen als gegenstandslosen Mumpitz abtun, ist für die anderen
die Heilung aller Leiden von Zerschlagenheit bis Aids. Über heilkräftige
Pflanzen, Bewährtes aus der Hausapotheke und Exotisches aus anderen
Kulturkreisen ist seit jeher viel zu lesen. Zur Förderung von Verdauung
und Schlaf, zur Immunabwehr, zur Regulierung des Blutdrucks, für
alles scheint mehr als nur ein Kraut gewachsen zu sein. Und Spirulina?
In Deutschland ist das Schlechtreden von Spirulina und anderen Algen durch
verallgemeinernde Falschmeldungen zu beobachten. In deutschen pharmazeutischen
und medizinischen Veröffentlichungen wird die Alge voller wertvoller
Inhaltsstoffe bis heute kaum erwähnt. Japanische, französische,
russische und amerikanische Forscher hingegen attestieren vielfältige
positive Wirkungen für Gesundheit und Wohlbefinden sowie zur Leistungssteigerung.
Sie untersuchen das enorme Potential von Spirulina bei der Bekämpfung
schlimmer Krankheiten. Grund genug, die Fakten über das pflanzliche
Naturprodukt genauer zu beleuchten.
Die Kapitel behandeln:
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Botanik und Ökologie
Spirulina - eine energiereiche Uralge
Die spiralförmige Mikroalge Spirulina
zählt zu den Cyanobakterien, die man auch Blaualgen
nennt. Die ältesten fossilhaltigen Sedimentgesteine der Erde beweisen,
daß Cyanobakterien bereits vor 3,5 Milliarden Jahren auf der unwirtlichen,
noch unbelebten Erde als erste grüne Lebewesen des Planeten entstanden.
Ihre Errungenschaft war die Erfindung des Chlorophylls, das sie zur Photosynthese
und damit zur Synthese von organischer Substanz und zur Produktion von
Sauerstoff befähigte.
Die machtvolle Substanz Chlorophyll aus den Uralgen ist bis heute in allen
grünen Pflanzen vorhanden. Die lebensspendende Sonnenenergie wird
aber auch noch durch weitere Farbpigmente außer dem grünen
Chlorophyll genutzt - nämlich durch das gesundheitlich wertvolle
Beta-Carotin und das pharmazeutisch interessante Phycocyanin.
Spirulina hat einen außergewöhnlich hohen Gehalt an diesen
Farbpigmenten. Zudem enthält sie eine ganze Palette an Vitaminen
und Mineralstoffen, gesundheitsfördernde Enzyme
und Antioxydantien und den höchsten Proteingehalt
aller natürlichen Nahrungsmittel.
Ökologie
der Blaualgen
Die Vorfahren der heutigen Blaualgen
besiedelten für Milliarden von Jahren alleine die Erde und lebten
unter lebensfeindlichen Bedingungen. Wegen ihrer bis heute weiten geographischen
Verbreitung von der Antarktis bis in die Wüste und der vielfältigen
Lebensräume, die sie besiedeln, verdienen sie besondere Beachtung.
Viele Cyanobakterien können Stickstoff aus der Luft fixieren, was
keine Pflanzenart und keine Tierart selbst kann. Diese besondere Fähigkeit
macht man sich in nachhaltigen Systemen in Südostasien für den
Reisanbau zu Nutze. Hier muss kein synthetischer Stickstoff gedüngt
werden. Aus dem selben Grund können Blaualgen auch als erste Organismen
nackte Felswände, junges Lavagestein, Wüstenböden und die
Ozeane besiedeln. Sie tun dies oft in Symbiose mit Pilzen, höheren
Pflanzen oder Schwämmen.
Viele Blaualgen wachsen noch immer unter extrem unwirtlichen Bedingungen,
unter denen die meisten anderen Organismen nicht existieren könnten.
Sie leben beispielsweise in heißen Schwefelquellen oder aber in
sehr warmen Salz- und Sodaseen.
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Bedeutung
von Spirulina
Die
Mikroalge Spirulina gedeiht in salzigem, stark alkalischem
Wasser und kommt wild in verschiedenen Sodaseen vor allem in Zentral-
und Ostafrika vor (Bild links, blaue Punkte). Flamingos leben in großen
Kolonien an diesen Seen. Sie filtern mit ihren speziellen Schnäbeln
Spirulina aus dem seichten Wasser. Von den gesunden Farbstoffen
in der winzigen Alge erhalten sie die schöne Färbung ihres Gefieders
(Bild oben). Die Bevölkerung am Tschadsee in Afrika
und am Texcoco-See in Mexiko nutzt und nutzte Spirulina
traditionell zum Verzehr.
Heute wird Spirulina in sogenannten Wasserfarmen
(Bild links, rote Punkte) in tropischen und subtropischen Gebieten in
natürlichen Seen oder in speziell dafür angelegten Becken kultiviert.
Zum optimalen Wachstum benötigt Spirulina neben sehr viel Sonne und
Wärme nur mineralsalzhaltiges Wasser mit hohen pH-Werten von 9 bis
11. Solches Brackwasser gibt es in den heißen
Ländern oft im Überfluss, im Gegensatz zum wertvollen Süßwasser
für die Bewässerung in der Landwirtschaft oder für Trinkwasser.
Dieser Aspekt ist von zentraler Bedeutung für die Welternährung
und die globale Flächennutzung. Von immenser
Bedeutung für das globale Klima ist auch die Tatsache, daß
bei der Produktion von hochwertigem Eiweiß
aus Spirulina keine klimawirksamen Gase, wie beispielsweise Methan bei
der Rindfleischproduktion, ausgestoßen werden, sondern im Gegenteil
sehr viel CO2 verbraucht
wird.
Gesundheitswert
Nähr- und Wirkstoffe von Spirulina
Spirulina wird oft als Supernahrung bezeichnet. Bei keinem anderen
Nahrungsmittel, ob tierisch oder pflanzlich, ist der Eiweißgehalt
so hoch und die Nährstoffzusammensetzung so vollständig. Besonders
die Nährstoffe, die durch die heutige Ernährung oder die Belastung
im Alltag leicht im Mangel sind, wie Eisen, Selen,
die Vitamine A und B12, sind in
Spirulina reichlich vorhanden. Auch der relativ hohe Kaliumgehalt bei
gleichzeitig niedrigem Natriumgehalt machen die Alge interessant. Der
Tagesbedarf an einigen Mineralstoffen kann schon
bei 10 g Einnahme zu einem erheblichen Anteil gedeckt werden, und das
bei minimaler Kalorien- und Fettzufuhr. Mit nur 36 Kalorien in 10 g ist
Spirulina deswegen auch für Menschen interessant, die fasten oder
abnehmen möchten.
Ein Risiko bei der Einnahme besteht praktisch nicht, denn die Erfahrungen
mit Spirulina für die menschliche Ernährung sind in manchen
Kulturen Jahrhunderte und Jahrtausende alt.
Bestimmte andere gesundheitsfördernde Substanzen, die man zusammenfassend
als Antioxydantien bezeichnet und denen eine entscheidende
Rolle beim Anti-Aging und in der Prävention von Krebs zugesprochen
wird, sind in Spirulina reichlich vorhanden. Ebenso finden sich Substanzen
(Sulfolipide und Polysaccharide), die in verschiedenen pharmakologischen
Tests vielversprechende Aktivität gegen diverse Krankheitserreger,
darunter auch das HIV-Virus und Herpes zeigen.
Da Spirulina keine harte Zellwand aus Zellulose hat, ist die Alge leicht
verdaulich. Alle Vitamine und Mineralstoffe
werden in idealer Dosierung leicht vom Körper aufgenommen, da sie
organisch gebunden sind.
Protein
Spirulina hat mit über 60 % den höchsten Proteingehalt aller
natürlichen Nahrungsmittel. Wichtig für die Verwertbarkeit des
Proteins ist aber auch die Zusammensetzung der essentiellen, d.h. nicht
vom Körper herstellbaren Aminosäuren. Die Eiweißwertigkeit
von Spirulina ist vergleichbar mit der von Fleisch. Das Spirulina-Eiweiß
ist aber viel gesünder, denn es belastet den Körper nicht mit
Cholesterin. Allerdings deckt man seinen Proteinbedarf wesentlich schmackhafter
aus anderen Quellen.
Vitamine
Spirulina enthält eine reiche Palette an Vitaminen (Tabelle 1). Die
Poweralge deckt mit 2 bis 3 g Einnahme pro Tag den Bedarf bei Vitamin
A und B12.
Vitamine und Mineralstoffe sowie all die anderen wertgebenden Inhaltsstoffe
in natürlichen Nahrungsmitteln sind biologisch gebunden. Diese komplexen
und harmonischen Strukturen sind vom Körper besser zu verwerten als
synthetische Monosubstanzen. Gleichzeitig sind sie verträglicher
für Magen und Darm. Der Körper sucht sich aus dem weit bekömmlicheren,
vielfältigen Angebot diejenigen Komponenten heraus, die er wirklich
braucht. Die Gefahr von toxischen Überdosierungen wie beispielsweise
bei der Substitution mit isoliertem Vitamin A besteht
so praktisch nicht.
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Vitamin
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Durchschnittsgehalt *
in 100 g
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| Beta Carotin (Provitamin
A) |
170 - 280 mg
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| Thiamin (B1) |
2,5 - 3,5 mg
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| Riboflavin (B2) |
3,6 - 4 mg
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| Niacin (B3) |
14 - 15 mg
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| Pantothensäure (B5) |
0,1 - 0,5 mg
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| Pyridoxin (B6) |
0,5 - 0,8 mg
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| Cobalamin (B12, bioaktiv) |
70 µg
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| Vitamin E (alpha-Tocopherol) |
1,5 mg
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Tab. 1:
Vitamine in Spirulina, *verschiedene Quellen
Vitamin A
Vitamin A, dessen pflanzliche Vorstufe das Beta-Carotin ist, ermöglicht
uns das Sehen und die sogenannte Dunkeladaption der Netzhaut. Ein Mangel
daran, wie er besonders in Entwicklungsländern
häufig ist, kann zur Erblindung und zum Tod führen.
Doch Karotin ist auch ein wichtiges Hautschutz-Vitamin. Durch seine
protektive Wirkung verleiht es der Haut gesundes Aussehen und Elastizität.
Spirulina enthält 20 mal mehr Beta-Carotin als Karotten. Das liegt
am extrem hohen Chlorophyllgehalt von Mikroalgen im Vergleich zu allen
größeren Pflanzen mit massiven, lichtundurchlässigen Strukturen
wie Blättern, Wurzeln und Früchten.
Beta-Carotin wird aufgrund seiner antioxidativen Wirkung
auch zur Krebsprävention und prophylaktisch gegen degenerative Erkrankungen
eingesetzt.
Vitamin B12
Nur Mikroorganismen können Vitamin B12 synthetisieren. Deswegen ist
es in den meisten pflanzlichen Lebensmitteln mit Ausnahme fermentierter
Produkte wie Bier, Sauerkraut und Sojasoße kaum vorhanden. Strenge
Vegetarier können mit der Zeit einen Mangel an diesem Vitamin, das
für die Blutbildung essentiell ist, entwickeln.
Vitamin B12-Mangel ist verantwortlich für perniziöse Anämie
und neurologische Ausfälle, aber auch für den Folsäurehaushalt.
Ein Mangel an Folsäure während der Schwangerschaft wird mit
Aborten und Missbildungen bis hin zu Neuralrohrdefekten in Verbindung
gebracht.
Eine Kombination der Vitamine B12, B6 und Folsäure wird neuerdings
auch zur Prävention der Arteriosklerose eingesetzt.
Mineralstoffe und Spurenelemente
Die Nährstoffdichte der kleinen grünen Spirulinapillen ist sehr
hoch. Für alle Personen, die einen höheren Bedarf an Nährstoffen
haben, Stress und hohen Anforderungen ausgesetzt sind, ist Spirulina eine
geeignete Nahrungsergänzung. Leistungs- und Ausdauersportler, geistig
und körperlich arbeitende Menschen, Schwangere, Stillende, Kinder
im Wachstum, Rekonvaleszente und Senioren können ihre Leistungsfähigkeit
und Gesundheit mit der Einnahme von Spirulina steigern. Selbst als Astronautennahrung
oder zur Ausrüstung von Expeditionen ist die Mikroalge im Gespräch.
Algen nehmen Mineralstoffe und Spurenelemente direkt aus dem Wasser
auf. Deswegen schwanken die Gehalte von Spirulina je nach Mineralstoffgehalt
des Wassers, in dem sie wachsen. Eine Mischung aus mineralsalzhaltigem
Süß- und Meerwasser ist das ideale Nährmedium zur Erzielung
höchster Qualität und Ausgewogenheit. All die Spurenelemente
des Wassers finden sich auch in den Algen wieder. Neben den in der Tabelle
2 aufgeführten Mineralstoffen enthält Spirulina auch noch Barium,
Bor, Chrom, Kobalt, Mangan, Molybdän, Titan und Vanadium. Der Jodgehalt ist anders als bei Meeresalgen sehr niedrig.
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Mineralstoff
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Durchschnittsgehalt *
in 100 g
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| Kalzium |
400 - 700 mg
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| Magnesium |
400 - 480 mg
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| Kalium |
1400 - 1700 mg
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| Eisen |
50 - 100 mg
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| Selen |
100 - 300 µg
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| Jod |
0,5 mg
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| Zink |
1,8 - 3,0 mg
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| Natrium |
900 mg
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Tab. 2:
Mineralstoffe in Spirulina, *verschiedene Quellen
Zum Beispiel Eisen
Spirulina hat einen herausragenden Eisengehalt in gut verträglicher
und leicht resorbierbarer Form. In der Alge stecken 25 - 50 mal so viel
Eisen wie in Fleisch.
Eisenmangel ist der weltweit häufigste Mineralstoffmangel. Bis zu
80 % der Weltbevölkerung leiden daran, ungefähr
ein Drittel ist sogar anämisch. Müdigkeit, Blässe und Schwindel
gelten als Warnsymptome. Störungen des Immunsystems durch mangelhafte
Blutbildung mit Verzögerung der körperlichen und geistigen Entwicklung
von Kindern sind weitere Folgen. Der Eisenbedarf, besonders von Frauen,
kann kaum über die normale Nahrung gedeckt werden. Eisenpräparate
werden zudem oft schlecht vertragen und gelten inzwischen teilweise als
gefährlich.
Eisen ist in fast allen Lebensmitteln enthalten, jedoch meist nur in geringen
Mengen. Fleisch gilt allgemein als guter Eisenlieferant. Man müsste
aber täglich 750 g davon essen. In Innereien ist mehr Eisen enthalten,
doch sprechen andere Gründe gegen den häufigen Verzehr. Für
Vegetarier sind grüne Gemüse, Vollkornprodukte und Saaten als
gute Eisenlieferanten geeignet. In der Schwangerschaft, bei Blutverlusten
oder Diäten reicht das aber nicht zur Deckung des Bedarfs aus.
Antioxidantien
Die kleinen lichtdurchlässigen Blaualgen bestehen zu großen
Teilen aus Chlorophyll und anderen aktiven Komponenten wie Carotinoide,
Phycocyanin und Enzyme. In Hochdosierung (siehe Tabelle 3) enthält
die Superalge Substanzen, die für Vorbeugung und Therapie verschiedener
Krankheiten inzwischen ins wissenschaftliche Interesse gerückt sind.
Deswegen bedeuten einige Tabletten Spirulina für die Gesundheit mehr
als eine große Portion Salat.
| Pigment |
Karotten
|
Kopfsalat
|
Spirulina
|
| Beta-Carotin |
7,6 mg
|
1,1 mg
|
170-280 mg
|
| Xanthophylle |
Spuren
|
-
|
15-17 mg
|
| Phycocyanin |
-
|
-
|
9 g
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Tab. 3:
Gehalt an Pigmentfarbstoffen in 100 g im Vergleich.
Quellen: Souci-Fachmann-Kraut, u a.
Karotin - nicht nur für
die Hasen
Mit Beta-Carotin, dem wichtigsten pflanzlichen Farbpigment, sieht man
besser. Doch Pflanzen, die dieses für Menschen essentielle Vitamin
zur eigenen Lichtabsorbtion synthetisieren, können noch mehr. Eine
ganze Farbpalette an Pigmenten steht ihnen zur Photosynthese zur Verfügung.
Diese sogenannten Carotinoide haben auch im menschlichen Organismus
wichtige Funktionen:
Auf zellulärer Ebene arbeiten sie als Radikalfänger oder Antioxydantien.
Sie absorbieren aggressive Substanzen, die ansonsten Schaden an Membranen,
oder der DNA anrichten könnten. Krankheiten, die durch solche freie
Radikale ausgelöst werden können, sind vielfältig. Sie
betreffen den Alterungsprozess und degenerative Erkrankungen wie Rheuma
und Arthrose.
Ein Zusammenhang zwischen geringer Krebsrate und hoher Carotin-Zufuhr
aus Gemüse ist wissenschaftlich erwiesen. Einige Gramm Spirulina
enthalten bereits die zur Vorbeugung gegen verschiedene Krebsarten empfohlene
Menge von 15 mg Carotin.
Phycocyanin
Der blaue Pigmentfarbstoff Phycocyanin ist im Gegensatz zu den Carotinen
wasserlöslich. Phycocyanin gilt als potenter Entgifter und Radikalfänger
in der Leber und den Nieren, deren Funktion er unterstütz und deren
Zellen er schützt. Diese Organe sind selbst an der Entgiftung von
Nahrung und Blut beteiligt und deswegen hohen Konzentrationen an schädlichen
Stoffen ausgesetzt.
Vielleicht liegt der erfolgreiche Einsatz von Spirulina bei Opfern der
Strahlenkrankheit in Russland im hohen Phycocyaningehalt begründet.
Die Blutbildung und die Immunabwehr der behandelten Kinder in Tschernobyl
konnten verbessert werden. Solche Ergebnisse, die eine Stimulation des
Immunsystems und der Bildung von roten und weißen Blutkörperchen
durch Spirulina zeigen, gibt es auch aus Japan, Mexiko und den USA.
Das Wirkungsspektrum der verschiedenen Antioxydantien und insbesondere
dieses in Blaualgen vorkommenden Farbstoffs ist aber noch weitgehend
unerforscht.
Andere Vitalstoffe
Enzyme
Enzyme sind sehr wirksame und zugleich äußerst spezifische
Biokatalysatoren. Sie sind ein Merkmal des Lebendigen und wie die Pigmente
auch zählen sie zu den Proteinen. Sie organisieren und beschleunigen
chemische Umsetzungen, das heißt alle Stoffwechselvorgänge
und Regulationsmechanismen im Körper. Man kennt Tausende von verschiedenen
Enzymen und unzählige Vorgänge, die sie steuern. Unerhitzte
Lebensmittel enthalten stets Enzyme und gelten nicht zuletzt deswegen
als gesund. Allerdings sind die Wirkungen bei ihrer Zufuhr über
die Nahrung nur in wenigen Fällen erforscht.
Gamma-Linolensäure
Die Gamma-Linolensäure in Spirulina ist eine seltene Fettsäure vom Omega-6-Typ,
die sonst nur noch in Hanföl,
Nachtkerzen- und Borretschöl vorkommt. Die Mikroalge enthält
5 bis 6 % Fett, davon mehr als die Hälfte ungesättigte Fettsäuren
und fast 1 % Gamma- Linolensäure.
Fettsäuren, so auch Linolensäure, sind für den Menschen
unverzichtbar. Sie sind wesentlicher Bestandteil aller biologischen
Membranen, die wiederum für die Funktion aller Zellen sowie den
Informationsfluss zwischen den Zellen und damit auch den Nerven essentiell
sind. Auch Hormone, die ebenfalls viele Körperfunktionen steuern,
sind aus Fetten aufgebaut.
Einen besonders hohen Stellenwert für die Gesundheit haben Fettsäuren
aus Fischen. Man nimmt blutdrucksenkende und entzündungshemmende
Eigenschaften an und nutzt sie medizinisch zur Prävention von koronaren
Herzkrankheiten und Rheuma.
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