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Lupinen

Von Stefanie Goldscheider

Eiweißpflanze mit Zukunft - die Lupine

Lupinen (Lupinus spec.) sind vielen von uns nur als Wildblumen bekannt. Durch ihre großen und oft farbenprächtigen Blütenstände (Bild links) sind sie an Straßenböschungen und Wegrändern besonders auffällig. Imker schätzen Lupinen als Bienenweide, Gärtner zusätzlich als Bodenverbesserer. Landwirte kennen sie seit über einem Jahrhundert als wertvolle Futterpflanze für alle unsere Nutztiere.
Produkte aus pflanzlichem Eiweiß sind vor allem für die zunehmende Zahl der Milchallergiker und der Vegetarier auf dem täglichen Speiseplan unverzichtbar. Die proteinreichsten Nahrungspflanzen der Welt sind Hülsenfrüchte, also Erbsen, Linsen und Bohnen aber auch Lupinen und Soja. Die Beliebtheit der Sojaprodukte insbesondere des Tofu ist auch in Deutschland stetig im Ansteigen begriffen, wenn auch die Diskussion um transgenes Soja und dessen allergenes Potential Bedenken aufwirft.
Die hohe Qualität der Lupinen für die Ernährung waren schon früh bekannt. Inzwischen sind Lupinen zu einem konsumfähigen Lebensmittel mit sehr vielfältigen Anwendungen vom Snack über Mehle in der Bäckerei, den Milchersatz bis zu modernen kalorien- oder fettreduzierten Diätprodukten geworden.

Botanik und Ökologie der Lupine

Lupinen für Ernährung und Gesundheit

Verwendung der Lupine

Lupinenprodukte



Botanik und ökologische Bedeutung der Lupine

Lupinen gehören zur Ordnung der Hülsenfrüchte (Leguminosae), die weltweit mit zahlreichen Gattungen und ca. 13 000 Arten in 3 Familien vertretenen ist. Alle Leguminosen können mit Hilfe von spezifischen Bakterien an ihren Wurzeln aus dem Stickstoff der Luft wertvolles Protein machen. Dieses Protein befindet sich in Knöllchen (Bild rechts) und kann von der Pflanze genutzt werden weswegen alle Hülsenfrüchte besonders eiweißreich sind. Die Symbiose aus Bakterium und Pflanze (Bild rechts) ist ein hocheffektives natürliches System, welches eine Syntheseleistung vollbringt (Protein aus Luftstickstoff), die sonst nur in großen technischen Anlagen und unter hohem Energieverbrauch durchgeführt werden kann. Kein höheres Lebewesen, ob Pflanze oder Tier, kann selbst Protein erzeugen oder Luftstickstoff nutzen. Deswegen ist die ökologische Bedeutung von Arten der Hülsenfrüchte mit ihren effektiven Knöllchenbakterien weltweit sehr groß. Die positiven Wirkungen für den Boden und die nachfolgenden Kulturen wie beispielsweise Getreide nennt man Vorfruchtwert. Lupinen haben einen sehr hohen Vorfruchtwert, da sie beträchtlichen Mengen der wertvollen Stickstoffknöllchen im Boden hinterlassen, die den Einsatz von Stickstoffdüngern überflüssig machen. Weitere positive Eigenschaften der Hülsenfrüchte sind die tiefe Durchwurzelung und damit Lockerung des Bodens durch die Pfahlwurzeln und der Aufschluss schwerlöslicher Mineralstoffe. Leguminosen und ganz besonders Lupinen bereiten ür andere Pflanzen wieder verfügbar.

Lupinen für Ernährung und Gesundheit

Lupinen weltweit

Die Gattung der Lupinen (Lupinus) kommt in zwei verschiedenen Genzentren im Mittelmeerraum und in der neuen Welt vor. Von den weltweit ungefähr 200 Arten werden drei auch als Lebensmittel genutzt und dies seit mindestens 2000 Jahren. Traditionell wurden die Lupinensamen gewässert und dann, in Salzlake oder Essig und Öl eingelegt, als Snack gegessen. Auch wurden und werden Lupinen als Kaffeeersatz verwendet. Im alten Ägypten und im alten Griechenland, aber auch bei den Indianern in Südamerika waren sie ein Grundnahrungsmittel und wurden in Mischkultur mit Getreide bzw. Mais und Quinoa angebaut.
Wilde Lupinen sind bitter und enthalten Alkaloide (1). Doch wurden schon sehr früh bitterstoffarme sogenannte Süßlupinen ausgelesen und für den Anbau weitervermehrt. Dank der Pflanzenzüchtung gibt es heute praktisch alkaloidfreie Sorten und die früher angewendeten Verfahren der Entbitterung (2) wurden überflüssig. Süßlupinen, deren europäische Vertreter meist weiß blühende (Lupinus albus, Bild rechts), gelb blühende (Lupinus luteus) oder blau blühende, schmalblättrige Lupinen (Lupinus angustifolius) sind, sind auch ungekocht nicht giftig, anders als viele andere Hülsenfrüchte. Sie enthalten auch keine wertmindernden Inhaltsstoffe (3) wie Bohnen oder Soja.

Diätprodukt und bei zahlreichen Stoffwechselerkrankungen und Allergien

Hülsenfrüchte sind allgemein gesund und die beste Alternative bei einer cholesterinfreien und dennoch vollwertigen und eiweißreichen Ernährung. Allerdings enthalten sie wie Fleisch Harnsäure bildenden Purine. Lupinen haben einen sehr niedrigen Puringehalt im Vergleich zu anderen Hülsenfrüchten oder tierischen Eiweißquellen. Das macht sie zu einem interessanten Lebensmittel bei Rheumatischen Erkrankungen. Zudem enthalten Lupinenprodukte beträchtliche Mengen (3,4µg) des sonst nur in tierischen (Leber), fermentierten (Quark, Bier) oder bakteriellen (Spirulina) Produkten vorkommenden Vitamin B12. Wie alle Hülsenfrüchte sind Lupinen glutenfrei und damit für Weizeneiweißallergiker und Zöliakie-Patienten bestens geeignet. Auch für Menschen mit Laktose-Intoleranz also einer Unverträglichkeit für Milchzucker, sind die laktosefreien Lupinen geeignet. Zudem haben Lupinen, wie auch die anderen Hülsenfrüchte, einen sehr niedrigen glykämischen Index (= GLYX), d.h. ihre Kohlenhydrate sind nicht schnell verfügbar, sie erhöhen nicht den Blutzuckerspiegel und müssen von Diabetikern nicht angerechnet werden.

Kalorienarm und mineralstoffreich


Hülsenfrucht Eiweiß Kohlenhydrate Fett Rohfaser Mineralstoffe
Lupine
36 - 48
5
4 - 7
15 - 18
4 - 5
Sojabohne
35 - 45
14,8
18-20
6,0
4 - 5
Erbse
23 - 26
40
1,5
6,8
2,7 - 3,7
Bohne 21 34 - 45 1,6 18 - 23 3,9
Tabelle 1: Sameninhaltsstoffe von verschiedenen Hülsenfrüchten (% der Korntrockenmasse). Quellen:
Lexikon der Lebensmittel und der Lebensmittelchemie, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 4. Auflage 2005
Der kleine Souci Fachmann Kraut, Lebensmitteltabelle für die Praxis, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 3. Auflage 2004

Der Proteingehalt von Lupinen ist sehr hoch. Die ernährungsphysiologische Wertigkeit des Lupinenproteins obendrein besser als die von Bohnen oder Erbsen. Dies liegt an den hohen Anteilen der limitierenden Aminosäuren (4) Lysin, Methionin und Tryptophan, die nur in Soja noch höher sind. Die Kombination mit Getreide oder Mais ergibt höchste Eiweißwertigkeit. Das Fett der Lupinenkörner ist ebenfalls hochwertig und enthält als wesentliche Bestandteile Ölsäure und Linolsäure sowie Lecithin. Lupinen müssen jedoch nicht wie Sojabohnen vor der Verarbeitung zu Mehl oder Lupinenquark = Lupinentofu (5) erst entfettet werden. Süßlupinen enthalten die Radikalfänger und Antioxidantien beta-Karotin und Vitamin E, außerdem den B-Vitamin-Komplex. Lupinen sind im Vergleich mit anderen Hülsenfrüchten besonders reich an Ballaststoffen. Zur weiteren Verarbeitung und für Konsumzwecke ist das Entfernen der Schale oder sogar die Extraktion des Lupineneiweiß deswegen Standard. Die so gewonnene Kleie der Lupine findet zur Anreicherung in Diätprodukten Verwendung. Der Mineralstoffgehalt (hier als Rohasche deklariert) ist - wie generell


Moderne Verwendung von Lupinen

Die Verwendungsmöglichkeiten für Süßlupinen (Bild links, Lupinus albus, Bild rechts L. angustifolius) sind sehr vielfältig. Wie Soja können Lupinen zu Milch und Tofu aber auch zu Proteinkonzentraten verarbeitet werden.
In der modernen Ernährung kann das Süßlupinenmehl zu verschiedenen Teig- und Backwaren beigemischt werden. So werden Verarbeitungseigenschaften, Struktur und Nährwert von Teigen in der Brot- oder Nudelindustrie verbessert. Beeinflusst werden vor allem die Wasserbindung, die Stabilität von Rührmassen und die Frischhaltung der Produkte - Effekte, die auf der natürlichen emulgierenden Wirkung des Süßlupinenmehls beruhen. Wie beim Einsatz von Eiern werden auch durch Lupinenmehl beispielsweise Hefegebäck, Biskuit, Pfannkuchen oder Waffeln nicht nur locker sondern auch gelb gefärbt.


Produkt Eigenschaften und Verwendung
Süßlupinenmehl, getoastet (4) Das gelbe, emulgierende und wasserbindende Mehl macht Teige geschmeidiger, sorgt für saftigere, haltbarere Brote und Dauerbackwaren und kann Eier und Milch in Pfannkuchen, Hefegebäck oder Biskuit ersetzten.
Süßlupinenmehl, nicht getoastet Das enzymaktive Mehl beschleunigt die Teiggährung und macht die Backwaren feinporiger und zarter, die Krume heller und eignet sich deswegen ganz besonders für helle oder weiße Brötchen, Toastbrote und Baguettes.
Süßlupinenkleie, getoastet Zur Anreicherung mit Ballaststoffen von Broten, Keksen, Müslis und Diätprodukten
Süßlupinenschrot, getoastet Der nussige Geschmack und die gelbe Farbe sowie der hohe Eiweißanteil erlauben die Aufwertung und geschmackliche Verbesserung von Backwaren vergleichbar mit der Anreicherung durch Ölsaaten und Nüsse.
Süßlupinenproteinkonzentrat, getoastet Das gelbe, emulgierende und wasserbindende Proteinkonzentrat (Eiweißgehalt 60%) eignet sich zur Proteinanreicherung und kann Eier und Milch in Backwaren ersetzten und ergibt hochwertige Backteige (Tempura).

Süßlupinenmehl für Konsumenten sowie Mehle und andere Rohstoffe für die weiterverarbeitende Industrie aus geschälten, getoasteten (6) oder ungetoasteten Süßlupinen stehen inzwischen auch in Bio -Qualität zur Verfügung und können bei spezialisierten Herstellern bezogen werden.

Fazit

Aus Lupinen hergestellte Produkte sind proteinreiche und vielfältige Lebensmittel für eine cholesterinarme Ernährung, für Vegetarier, Veganer, Milchzucker-, Weizeneiweiß oder Soja-Allergiker, Zöliakie-Patienten und Diabetiker. Die Grundstoffe Lupinenmehl, Lupinenmilch (7) und Lupinentofu, Lupinenkonzentrat schmecken neutral und anders als Soja nicht "bohnig". Sie eignen sich deswegen hervorragend für eigene Geschackskreationen in süß oder pikant. Aus Lupinen können phantasie- und geschmackvolle Produkte wie Brotaufstriche, vegetarische Wurst und Burger, Gebäcke, Teigwaren oder Süßspeisen gemacht werden.

Ausblick

Die Bedeutung der Lupine könnte weltweit und in Europa zunehmen, da das Aminosäurespektrum und das Fettsäuremuster sehr günstig für die menschliche Ernährung sind. Erfreulicherweise ist die genetische Vielfalt der Lupinen im Gegensatz zur Eiweißpflanze Nummer Eins, der Sojabohne, weit größer. Dies begünstigt züchterische Erfolge auch ohne Gentransfer und hält langfristig das Risiko von Allergien sehr gering.


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Anmerkungen

(1) Alkaloide sind Wirkstoffe in Pflanzen, deren Effekte vielfältig sind. Manche pflanzliche Alkaloide werden medizinisch genutz. Andere sind in hoher Dosierung sehr gefährlich oder sogar tödlich.

(2) Entbitterung wird durch Einweichen oder Kochen erreicht. Das Einweichwasser oder Kochwasser wird verworfen. Häufig wird diese alkaloidhaltige Brühe auch zur natürlichen Schädlingsbekämpfung eingesetzt.

(3) Wertmindernde Inhaltsstoffe sind z.B. Trypsininhibitoren in Soja. Es handelt sich dabei um eine Hemmung der Proteasen (Protein spaltende Enzyme) durch Komplexbildung. Die Eiweißverdauung und Verwertung ist dadurch herabgesetzt. Solche pflanzlichen Komplexbildner müssen durch Dampferhitzung inaktiviert werden.

(4) limitierende Aminosäuren sind diejenigen der essentiellen Aminosäuren, die im Vergleich zum Hühnereiweiß zuwenig vorhanden sind. Die Eiweißwertigkeit beträgt 100 %, wenn alle essentiellen Aminosäuren der Zusammensetzung von Hühnereiweiß entsprechen. Die Kombination aus Lupinen mit Getreide ergeben eine höhere Eiweißwertigkeit als die Produkte alleine.

(5) Lupinen-Tofu bzw. Quark aus Lupinen und entsteht beim Kochen der Lupinenmilch. Das Eiweiß gerinnt, die Molke wird abgepresst, das Lopino wird pasteurisiert.

(6) Toasten nennt man das Verfahren der Dampferhitzung zur Inaktivierung bestimmter pflanzlicher Substanzen (siehe (2)), durch das zusätzlich eine Geschmacksverbesserung und eine längere Haltbarkeit erzielt werden.

(7) Lupinenmilch entsteht durch Einweichen, Vermahlen, Extrahieren und Filtrieren der Samen.


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