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Maca

Von Stefanie Goldscheider

Maca, der peruanische Ginseng

Maca ist eine wertvolle Pflanze aus dem Hochland Perus. In den Anden gab und gibt Maca der lokalen Bevölkerung Kraft und Ausdauer. Immer mehr Konsumenten weltweit entdecken das natürliche Stimulanz für sich und auch die medizinische Forschung untersucht Effekte auf Fruchtbarkeit, Libido, Stimmung und Gedächtnisleistung. Maca gedeiht wie keine andere Nahrungspflanze noch in über 4000 Metern Höhe und erträgt extremes Wetter. Maca hat die Fähigkeit entwickelt Nährstoffe in der verdickten Wurzelrübe anzureichern und zu speichern. Die Macawurzel enthält neben reichlich Stärke und Zucker viele essenzielle Aminosäuren, viele verschiedene Fettsäuren, Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente, die insbesondere eine vegetarische und vegane Ernährung aufwerten. Maca ist reich an sekundären Inhaltstoffe, die im Zusammenhang mit ihren erstaunlichen Eigenschaften zur Stimulierung des Immunsystems, als Potenzmittel, Stimmungsaufheller und Tonikum untersucht werden.


Geschichte und Tradition von Maca
Maca - Botanik und Verwendung
Die Inhaltstoffe von Maca
Maca-Wirkung
Maca-Produkte



Geschichte von Maca

Bereits zur Zeit des Inkareichs und wohl auch davor wurde Maca in den peruanischen Hochanden kultiviert. Von der Bevölkerung wurde Maca als kraftspendendes Nahrungsmittel und als Aphrodisiakum geschätzt. Maca stand frisch oder getrocknet in großen Mengen und in vielfältiger Verwendung auf dem Speiseplan und wurde zu Getränken, Suppen oder Mehlspeisen verarbeitet.

Maca - traditionelles
Nährstoff-Konzentrat,

Tonikum und

Aphrodisiakum

der Indios

Die Indios kannten die Qualitäten als Nahrungsergänzungsmittel und Medizin. Ihre ansonsten karge Ernährung und auch das Futter für ihrer Nutztiere im Hochgebirge wurde durch das nährstoffreiche Maca aufgewertet. Die Förderung der Leistungsfähigkeit, Vitalität und Fruchtbarkeit durch die Macawurzel blieb auch den spanischen Eroberern nicht verborgen. Sie fanden die aphrodisierenden, tonisierenden Kräfte von Maca bei sich selbst und ihren Viehherden bestätigt. Zunächst exportierten sie Maca an den spanischen Königshof. Doch die Plünderung der indianischen Hochkultur, insbesondere des großen Goldschatzes der Inkas, gingen auch mit Missionierung und dem Brechen der indianischen Lebensweise einher. Sprache, Kultur und traditionelle Nahrungsmittel wie Maca wurden verboten.

Der Wettlauf um eine traditionelle Nutzpflanze

Heute ist der Bedarf an Produkten aus peruanischem Maca in den USA und Europa so hoch, dass wieder über tausend Hektar für den Verkauf angebaut werden. Außerhalb der heimatlichen Märkte wird Maca meist in Form von Extrakten, Pulver, Tabletten und Kapseln als Potenzmittel und Tonikum, als Nahrungsergänzungsmittel zur Leistungsförderung im Sport, in neuerer Zeit auch gegen menopausale Beschwerden angeboten. Der Anbau ver Macawurzel ist eine willkommene Einkommensquelle für die Menschen aus einem der ärmsten Länder Südamerikas.


Biopiraterie

Wie lange noch werden die Nachfahren des Inkareiches am kommerziellen Erfolg ihrer eigenen Nahrungs- und Heilpflanze Maca beteiligt? Perfider Weise wird den Bauern in den Anden das über Generationen bewahrte Maca und ihr Wissen zu dessen Anwendung durch internationale Patentrechte streitig gemacht. Patente auf Leben und damit exklusive Nutzungsrechte für die Verwendung einer alten Kulturpflanze wie Maca werden in den USA erteilt. Grundlage dieser fragwürdigen Praxis ist die Entschlüsselung bestimmter Gene im Labor, die dann als Innovation oder Erfindung gewertet werden. Das von US-Konzernen geltend gemachte geistige Eigentum an Pflanzengenen ignoriert die zuvor geleistete, Jahrhunderte alte Züchtungsarbeit von Bauern. Für den Pharmakonzern, der das Patent anmeldet, ist die abgeschaute sogenannte Erfindung fortan in bares Geld umsetzbar. Die eigentlichen Erfinder und Hüter der Kulturpflanze partizipieren nicht mehr an der weltweiten Vermarktung.
Gegner dieser Praxis bezeichnen dies zutreffend als Biopiraterie. Patente auf Leben sind eine Plünderung der biologischen Vielfalt und des von Volksgruppen gezüchteten und gehüteten Erbgutes.


Maca botanisch und kulinarisch

Maca (Lepidium meyenii syn. Lepidium peruvianum) ist mit unserer Gartenkresse verwandt. Die Kresse und Maca gehören zur weltweit vertretenen Pflanzenfamilie der Kreuzblütler (Cruciferae, syn. = Brassicacea). Maca ist eine einjährige, krautige Blütenpflanze und wird über Samen vermehrt. Der kommerzielle Anbau von Maca erfolgt in erster Linie zur Produktion der weißen bis roten Speicherwurzeln (Bild rechts, Macawurzel), die unseren Kohlrüben und Rettichen ähneln. Diese werden zur Vorratshaltung getrocknet und sind dann sehr lange haltbar. In Peru werden Maca-Wurzelrüben zu Suppe gekocht.
Die Maca-Pflanze hat fleischige, gefiederte Blätter, die in einer Rosette nur ungefähr 20 cm hoch wachsen. Diese schmecken wie Gartenkresse (Lepidium sativum) und können frisch als Salat verzehrt werden. Der scharfe Geschmack der Macablätter kommt von den für Kohl-, Rettich- und Senfarten typischen Senfölen, den Glucosinolaten. Glucosinolate sind auch in den Maca-Wurzeln enthalten, verflüchtigen sich aber bei deren Trocknung.

Maca süß - Energy Drink und Power Bar

Wegen ihres Reichtums an Kohlenhydraten schmeckt die Macawurzel karamellartig süß und nur wenig scharf. Dies erklärt auch die für ein Gemüse ungewöhnlichen Verwendungsmöglichkeiten von Maca bei den Indios: Gekocht mit Wasser oder Milch ergibt Maca einem aromatischen Pudding. Macamehl wird auch in Plätzchen und Backwaren aller Art verwendet. Ein fermentiertes Getränk aus gemahlenem Maca heißt maca chicha. Dieses Maca-Bier und andere Zubereitungen sind regional sehr populär.

 

Nährstoffe, Mineralstoffe und Spurenelemente

Die getrockneten Macarüben enthalten als Hauptnährstoffe: 60 bis 65 % Kohlenhydrate, 10 bis 14 % Eiweiß, 2 % Fett und 4 % Mineralstoffe, vor allem Kalium aber auch beträchtliche Mengen an Kalzium, Jod, Zink und Eisen, Kupfer und Mangan. Maca ist außerdem eine Quelle für die Vitamine B2, B6, C und Niacin.
Im Maca-Protein ist besonders viel Arginin enthalten, eine Aminosäure, die als fruchtbarkeitsfördernd gilt und in vielen Produkten zur Steigerung der Libido enthalten ist. Betrachtet man die Nährstoffe insgesamt, so eignet sich Maca als hochwertiges und ausgewogenes Nahrungsmittel und zur Nahrungsergänzung.


Inhaltsstoff
Maca
[in 100 g Tr.S]
Eiweiß, gesamt
10 g - 14 g
Fett
2,2 g
Kohlenhydrate
60 g -75 g
Ballaststoffe
8,5 g
Mineralstoffe, gesamt
- Kalium
- Calcium
- Eisen
- Zink
- Jod
4 g
2000 mg
250 mg
15 mg
3,8 mg
0,5 mg

Tab. 1. Inhaltsstoffe von Maca, nach [1] und verschiedenen Quellen

 


Eisen aus pflanzlichen Quellen

Eisen ist wichtig für die Blutbildung und gegen Anämie. Insbesondere Ausdauersportler und Frauen haben einen erhöhten Bedarf. Eine gezielte Supplementierung mit Eisenpräparaten ist hingegen gesundheitlich sehr umstritten. Auch vermindert eine hohe Eisenversorgung die Aufnahme anderer wichtiger Spurenelemente wie Zink, Mangan und Kupfer. Umgekehrt wird Eisen besser gemeinsam mit Vitamin C aufgenommen. Anzustreben ist deswegen sicherlich eine gemischte mineralstoffreiche Ernährung zu der Maca ein guter Beitrag ist.

Jod - vegetarische Alternative zu Seafood

Maca ist reich an Jod. Noch immer besteht eine Unterversorgung an diesem Mikronährstoff für die Schilddrüse vor allem in Süddeutschland und den Alpenländern mit ihren extrem jodarmen Böden. Jod findet sich vor allem in Seefisch und Meerestieren oder Seetang. In den peruanischen Hochanden war, ganz anders als in unseren küstenfernen Gebirgslagen, kein vermehrtes Auftreten von Kropf festzustellen.

Zink wie in Austern

Zink ist für zahlreiche Stoffwechselfunktionen erforderlich und Bestandteil von mehreren hundert Enzymen [2]. Das Spurenelement ist Aktivator von Hormonen, darunter auch Insulin und Adrenalin. Zink hat wichtige Funktionen im Immunsystem und für eine korrekte DNA - Replikation. Zink ist für die Spermienproduktion und für den weiblichen Zyklus notwendig. Es ist an Wachstum und Regeneration von Haut, Haaren, Nägeln und Knochen beteiligt.

Maca ist eine
natürliche und
vegetarische
Quelle für die
Mineralstoffe
Eisen, Zink und Jod

Die höchsten Zinkkonzentrationen des Körpers finden sich in den Keimdrüsen. Symptome eines Zinkmangels sind beispielsweise Wundheilungsstörung und Hautentzündungen, Haarausfall, Infektanfälligkeit, Potenzstörungen, bei starkem Mangel sogar Unfruchtbarkeit.

Die besten Quellen für Zink sind Austern (20 mg /100 g) und Steinpilze (13 mg/100 g Tr.S). Beide Delikatessen sind für ihre aphrodisierenden Qualitäten berühmt. Hohe Zinkgehalte haben Leber und Rindfleisch aber auch andere Pilze, Nüsse und Saaten. Sehr niedrige Zinkgehalte (0,1 - 0,5 mg/100 g) haben Gemüse, Obst und Milch. Die Zinkaufnahme über den Darm wird durch einige Faktoren zusätzlich behindert. So etwa durch Phytinsäure, die beispielsweise in Weizenkleie und in anderen Randschichten von Getreide, Hülsenfrüchten und Ölsamen reichlich enthalten ist. Weitere pflanzliche Inhaltstoffe wie Oxalate, Ballaststoffe aber auch ein Überangebot an Kalzium hemmen ebenfalls die Zinkabsorbtion.

So überrascht es nicht, dass besonders Vegetarier aber auch Menschen mit Malabsorption oder Morbus Crohn häufig latenten Zinkmangel haben. Die Einnahme von Zink ist oft auch angebracht bei Kindern, Schwangeren, Stillenden, durch Stress oder Infektionen Geschwächten oder akut bei Hautverbrennungen. Maca ist eine gute pflanzliche Quelle dieses überaus wichtigen Spurenelements.


Sekundäre Inhaltsstoffe

Maca ist reich an sekundären pflanzlichen Inhaltstoffen und auch dadurch als Nahrungsergänzungsmittel interessant: Scharfstoffe vom Typ der Glucosinolate und Isothiocyanate, deren Anti-Krebs-Wirkung in Brokkoli und anderem Kohlarten inzwischen viel beachtet wird, sind auch in Maca enthalten. Genauso finden sich antioxidativ wirksame Flavonoide (Catechine). Alkaloide der Macarübe aktivieren das Parathormon, das für die Spermaproduktion zuständig ist [1].

Maca enthält
viele Wirkstoffe
und alle Nährstoffe

in ausgewogener
Form.

Pflanzliche Sterole, wie man sie auch in Maca findet, können hormonähnlich beziehungsweise ähnlich wie Testosteron wirken und werden immer mehr zum Gegenstand der medizinischen und pharmazeutischen Forschung. Eine weitere Wirkstoffgruppe in Maca, die Alkylamide kennt man aus dem Wurzelextrakt von Echinacea, einer immunstimulierenden Arzneipflanze.

Komplexe Wirkung

Welche der Inhaltstoffe von Maca mit welchen der zahlreichen beobachteten Wirkungen auf Potenz, Muskelaufbau, Leistungsfähigkeit und Immunsystem zusammenhängen ist noch nicht wissenschaftlich belegt. Wohl aber mehren sich Untersuchungen, welche die allgemeine Stärkung und Stimulation, die Verbesserung der physischen, sexuellen und intelektuellen Leistung, die Beseitigung von menopausalen Beschwerden, die Immunmodulation und bessere Anpassungsfähigkeit an verschiedene Umwelt- und Stressfaktoren durch Maca bestätigen. Wie bei Naturarzneimitteln auch, ist hier das Zusammenspiel der vielen verschiedenene Inhaltstoffe maßgebend und nicht nur ein bestimmter Wirkmechanismus.

Berauschende, halluzinogene Wirkungen wie etwa durch Alkohol werden von Maca nicht ausgelöst. Genauso wenig wirkt Maca in der Art des verschreibungs- und apothekenpflichtigen Viagra gegen Erektionsstörungen. Maca ist ein Kräftigungsmittel für Frauen und Männer. Es ist auch in hohen Dosierungen beziehungsweise als Nahrungsmittel ungefährlich und frei von Nebenwirkungen.




Quellen und Anhang
[1] Lexikon der Lebensmittel und der Lebensmittelchemie, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 4. Auflage 2005

[2] RÖMPP Lexikon der Lebensmittelchemie, Thieme Verlag Stuttgart, New York, 2. Auflage 2006


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Aphrodisiakum und Tonikum:

Ginseng
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Moringa
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