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Rooibos - Rotbuschtee aus Südafrika

von Stefanie Goldscheider


Das Nationalgetränk vom Kap

Rooibos ist die Bezeichnung in Afrikaans für einen wohlschmeckenden und coffeinfreien Tee, der traditionell in Südafrika getrunken wird. Rooibuschtee oder Rotbuschtee ist reich an Mineralstoffen, hat aber einen geringen Gerbstoffgehalt und ist deswegen auch für Kinder oder Sportler geeignet. Der milde und doch intensive Geschmack und die rot-braune Farbe des Tees entwickeln sich erst bei der Fermentation - ganz ähnlich wie beim Schwarztee. Rooibuschtee besteht aus Blättern und Triebspitzen des ungefähr 1,5 Meter hoch werdenden Rotbusches. Der Rotbusch oder Rooibos mit dem botanischen Namen Aspalathus linearis gehört zur Pflanzenfamilie der Schmetterlingsblütler beziehungsweise der Hülsenfrüchte (Leguminosae). Der ausdauernde Strauch mit langen, dünnen Trieben, nadelförmigen Blättern und gelben Blüten sieht unserem einheimischen Ginster ähnlich (Bild links), mit dem er auch verwandt ist.


Ein Wüstenstrauch aus der Karoo

Rooibos gedeiht auf sauren, nährstoffarmen Böden im Bergland und sammelt über Knöllchenbakterien Stickstoff im Boden. Seine Heimat ist die nördliche Kapprovinz in Südafrika - die westliche Karoo. Hier im Hochland regnet es nur im kühlen Winter, wogegen im heißen Sommer völlige Trockenheit herrscht. Diese klimatischen Verhältnisse stellen sehr spezielle Lebensbedingungen für Pflanzen dar. So wächst der Rotbusch nur nach ausgiebigen Winterregen im Frühjahr und stellt im Sommer das Wachstum ein. Er verfügt über ein reich verzweigtes, zwei Meter tief reichendes Wurzelsystem. Das macht Rooibos auch ökologisch vesonders wertvoll, denn er hält den Boden fest.

Die durch Strauchvegetation beherrschte Halbwüste Karoo (Bild oben) ist sehr artenreich und beherbergt zahlreiche Endemiten [1]. Unter ihnen gibt es viele Pflanzen, die mit Zwiebeln und Knollen die Trockenheit überdauern, beispielsweise Amaryllis- und Hyazinthen mit schönen und auffälligen Blüten. Ebenso haben zahlreiche Mittagsblumen in dieser Landschaft ihr natürliches Verbreitungsgebiet.


Naturnaher Anbau im Buschland

Der Rooibusch wird seit den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts systematisch kultiviert. Wüchsige Sorten wurden gezüchtet und werden seitdem plantagenmäßig angebaut. Ab dem zweiten Standjahr kann Rooibos einmal pro Jahr beerntet werden. Meist werden die Sträucher dazu maschinell stark zurück geschnitten. Die Nutzungsdauer der Kultursorten beträgt nur wenige Jahre, dann müssen die Sträucher ausgetauscht werden.

Eine höhere Rooibosqualität, frei von groben Stängelanteilen, erhält man durch Handernte mit der Sichel. Diese die Pflanze schonende Methode wird beim kommerziellen Anbau von Rooibos aber kaum praktiziert.

Ganz anders ist dies in der Heiveld-Kooperative in Süd-Bokkeveld - dem Naturstandort von Aspalathus linearis. Aufgrund der selektiven Handernte kann die natürliche Vegetation zwischen den angepflanzten Rooibos-Sträuchern erhalten bleiben und wird sogar nachgesät und nachgepflanzt. Zahlreiche Nutzinsekten behalten so ihren Lebensraum. Die Schonung der Nützlinge ist für die biologische Schädlingsbekämpfung von Bedeutung. Zusätzlich kann durch den Rooibos-Anbau der verheerenden Winderosion entgegen gewirkt werden.

Der wilde Rooibosstrauch kann bei diesem naturnahen Management neben den Kultursorten wachsen und sogar beerntet werden. Er ist viel besser an Dürre und Buschfeuer angepasst und wird gut 50 Jahre alt. Die Beimengung kleiner Zugaben von wild wachsenden Rooibosarten zur übrigen Erntemenge steigert und verfeinert das Aroma des Tees.

Durch Handarbeit wird in Süd Bokkeveld also die Erhaltung der einzigartigen Naturlandschaft ermöglicht und aktiver Arten- und Umweltschutz betrieben.



Wie wird Rooibostee rot?

Die frischen Triebe des Rotbuschstrauches mit den kleinen grünen Blättchen werden im südafrikanischen Sommer ab Januar geerntet. In früheren Zeiten wurde die Teepflanze aufbereitet, indem sie mit Äxten kleingehackt und dann mit Hämmern bearbeitet wurde damit der Zellsaft austreten konnte. Heute wird Rooibos mit speziellen Maschinen in 2 bis 3 mm lange Stückchen zerteilt und dann leicht gequetscht (Bild rechts). So vorpräpariert wird das Grüngut befeuchtet und anschließend in einer dicken Schicht aufgehäuft und festgedrückt oder gewalzt. In der Wärme erfolgt die mehrstündige Fermentation zu Rooibostee. Dabei laufen natürliche chemische Prozesse ab und ergeben den fruchtigen, an Vanille erinnernden Geschmack und die kupferrote Farbe. Die Fermentation wird beendet indem der Tee in der Sonne dünn ausgebreitet, mehrmals gewendet und dabei schnell getrocknet wird (Bild links).

Wie von der Teepflanze aus Asien, gibt es auch vom Rooibos einen Grüntee. Zu seiner Herstellung wird die Fermentation, das heißt die enzymatische Oxidation, durch kurzes Erhitzen des Grüngutes unterbunden.

Der trockene fermentierte oder unfermentierte Rpooibostee wird dann in Spezialbetrieben weiterverarbeitet. Er wird von Verunreinigungen befreit, gesiebt, zur Sicherheit sterilisiert und schließlich verpackt.

Gesundheitstee und isotonischer Mineraldrink

Der Rotbusch ergibt einen mineralstoffreichen und im Gegensatz zu Schwarztee gerbstoffarmen Tee. Er enthält auch keine aufputschenden, den Blutdruck steigernden Alkaloide wie das Coffein. Ohne magenreizende Inhaltsstoffe ist er somit selbst für Kleinkinder und Senioren auch in großen Mengen bekömmlich. Darüber hinaus ist Rooibostee kalt als Eistee oder heiß ein erfrischender Durstlöscher, da bei seinem Genuss die bei Sport oder Arbeit verlorengegangenen Salze schnell ersetzt werden. Seine optimale Zusammensetzung an Mineralstoffen und Spurenelementen ist aber auch für Nerven, Haut, Haare, Zähne, Nägel und Knochen gut. Rooibostee enthält viel Kalium, Natrium, Magnesium, Kalzium, Fluor, Eisen, Kupfer, Zink und Mangan.

In Südafrika verabreicht man Rooibostee als Hausmittel gegen Magen- und Darmkrämpfe oder äußerlich bei verschiedenen Hautproblemen. Tatsächlich enthält der Gesundheitstee krampflösende und besänftigende Substanzen. Die interessanteste Wirkstoffgruppe im Rooibos sind wahrscheinlich die anti-oxidativ wirkenden Flavonoide, die als Radikalfänger Alterungsprozesse und degenerative Erkrankungen verzögern können. Besonders in Japan, dem Land der Teetrinker, ist das Wellnessgetränk aus Afrika heute sehr beliebt. Hier ist es auch ins medizinische Interesse gerückt. So haben japanische Wissenschaftler inzwischen wohltuende Effekte bei Arteriosklerose, Hautkrankheiten, Allergien, hohem Blutdruck und Diabetes nachgewiesen.



Anhang

[1] Endemiten: Unter Endemiten versteht man Tier- oder Pflanzenarten, die nur in einem klar begrenzten Gebiet und sonst nirgends auf der Welt vorkommen, weil sie sich an die jeweils speziellen Umweltbedingungen perfekt angepasst haben. Populäre Beispiele sind die von Charles Darwin beschriebenen Finken- und Echsenarten auf den Galapagosinseln.

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